Spenden ja - aber richtig - Frauenbund lud zu Fach-Vortrag in Olching ein

Schnell rückt Susanne Arndt gängige Meinungen zurecht. „Die Deutschen sind nicht Spenden-Weltmeister“, sagt die Mitarbeiterin vom Verbraucher-Service Bayern. Das werde nur angeführt, um die finanzielle Hilfsbereitschaft anzukurbeln. Deutschland liege mit seiner Spendenbereitschaft allenfalls im Mittelfeld der Industrienationen. Im katholischen Pfarrheim von Olching informierte Arndt auf Einladung des örtlichen Frauenbundes zum Thema „Spenden ja – aber richtig“.

Auch die immer wieder angeführten Hinweise, eine Spende komme vollständig dem guten Zweck zugute, seien laut Arndt mit Vorsicht zu genießen. Bei kleinen Organisationen mit wenig Verwaltungsaufwand könne das noch funktionieren, so Arndt. „Wer aber Millionen sammelt, braucht eine professionelle Verwaltung mit ausgebildeten Mitarbeitern.“ Als Beispiel nennt sie die von Karlheinz Böhm in den 1980er-Jahren gegründete Organisation „Menschen für Menschen“. Dort sind nach den Ausführungen Arndts neben rund 500 ehrenamtlichen auch 15 hauptberufliche Mitarbeiter beschäftigt. Bei aller Spendenfreudigkeit sei auch Wachsamkeit gefragt fuhr Arndt fort. Nicht jede Organisation, die um Spenden bitte, sei dazu berechtigt. Im Zweifelsfall könne man sich an die Liste des in Berlin ansässigen „Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen“ und dessen DZI-Siegel halten. Dann sei die Spendenwürdigkeit geprüft. Kleine beziehungsweise örtliche Organisationen könnten sich dieses Siegel und die damit verbundene Zertifizierung aber oft nicht leisten, räumte Arndt ein. Hier könne helfen, wenn das Anliegen und die damit verbundenen Personen etwa durch Presseberichte bekannt seien. Arndt wies ebenfalls darauf hin, dass Kleiderspenden nicht immer karitativen Zwecken zugute kommen. „Was wir an Haustüren finden, ist oft kommerziell.“ Zudem übersteige das Angebot den tatsächlichen Bedarf, so dass auch karitative Organisationen einen Teil ihrer Sammlungen an kommerzielle „Sammler“ weiter geben würden. Man müsse, so Arndt, aber auch die möglichen Folgen für die Zielländer solcher Hilfeleistungen beachten. Denn es könne sein, dass sich zum Beispiel in der Dritten Welt die örtlichen Absatzchancen für regionale Produkte verringern. „Eine abgetragenes Nike-T-Shirt kommt in Afrika immer noch besser an als ein dort hergestelltes Hemd oder Kleid“, stellte Arndt fest. Den Einheimischen könne also eine Wirtschaftsgrundlage entzogen werden. Die Mitarbeiterin vom Verbraucher-Service Bayern stellte zudem klar, das bei Katastrophen unmittelbar keine Spendennotwendigkeit für den jeweiligen Fall bestehe. Die Kassen der Hilfsorganisationen müssten gut gefüllt sein, um im Katastrophenfall unmittelbar und sofort helfen zu können. Dennoch mache Spenden Sinn. „Denn die Organisation kann die Gelder für die nächste Hilfeleistung verwenden“, so Arndt. Doch trotz aller gebotenen Wachsamkeit sei Hilfsbereitschaft natürlich angesagt und wichtig. „Ich bin selber gerne bereit zu spenden“, sagte Arndt abschließend.

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