Spielt unser Wetter verrückt? -Auswirkung auf die Energiepolitik - LMU-Experte Dr. Mark Vetter referierte auf Einladung der Gröbenzeller vhs

Dr. Mark Vetter, Wissenschaftlicher Assistent am LMU-Lehrstuhl für Geographie und Landschaftsökologie in München referierte über "Spielt unser Wetter verrückt?". Foto: Günter Schäftlein

„Spielt unser Wetter verrückt?“ - Oberflächlich und auf Grund letzter Erfahrungen könnte man - so Dr. Mark Vetter, Wissenschaftlicher Assistent am LMU-Lehrstuhl für Geographie und Landschaftsökologie in München - es bejahen. Doch: Wetterextreme und Klimaveränderungen gab es in allen Phasen des Erdzeitalters. Dr. Vetter erläuterte bei seinem Vortrag im Bürgerhaus Fakten, Hintergründe und Perspektiven zu möglichen künftigen Szenarien im Weltklima. Nicht unwesentlich dabei die rasante Entwicklung der Weltbevölkerung seit 1950, die Globalisierung der Wirtschaft, der unaufhörlich stark wachsende Energiebedarf: „Der Mensch erwärmt die Erde unverhältnismäßig!“

Dr.Vetter stellt dabei Thesen und Antithesen gegenüber: „Klimawandel gab es schon immer.“ - „Die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs war jedoch noch nie so hoch.“ „Die Sonne ist schuld.“ - „Die Sonne beeinflusst seit jeher mit ihren Zyklen das Klima. Durch die Sonne kann der beobachtete Temperaturanstieg aber nicht erklärt werden.“ Leider hat der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Weltklimabericht von 2007 unter Al Gore bis heute kein entscheidendes politisches Umdenken bewirkt - auch nicht der Abbruch von Perma-Eis in der Antarktis auf einer Länge von 300x30 Km und damit der Verlust einer ungeheuer großen Südwasserreserve. Dazu kommen die täglichen Abbrüche nordpolaren Eises, der Alpengletscherrückgang um die Hälfte seit 1850 und besonders deutlich in den letzten Jahrzehnten. Der Geograph und Landschaftsökologe Vetter stellt dazu fest: Das Klima der Erde war auch in der Vergangenheit Veränderungen unterworfen. Befunde hierfür reichen 400.000 Jahre zurück, verborgen in Erde, Gestein und Eis. 24 Meßstationen weltweit stellen jedoch seit 1955 einen sukzessiven Anstieg der Erderwärmung fest, mit dem höchstenn je auf diesem Planeten ermittelten Messwert im Jahre 2005 - und einem bis 2100 erwarteten Anstieg der Erderwärmung zwischen 1,8 und 4,0 Grad, je nach Bevölkerungsdichte und industriellem Wachstum. In Zukunftsszenarien könnte dies bedeuten: Anstieg des Meeresspiegels bis 2050 um 70 cm mit dem Verlust flacher Inseln in den Ozeanen und „von Bangladesch steht ein Viertel unter Wasser“. Noch weniger Niederschläge in Afrika und zu erwartende „Klimaflüchtlinge“ als gesellschaftlich-geopolitisches Phänomen. In Europa die Häufung von Wetterextremen, Intensivierung des Wasserkreislaufs durch Starkregen mit verstärkten Auswirkungen. In Bayern heißere, trockene Sommer mit Waldbrandgefahr, im Winter mehr Niederschläge, aber nicht als Schnee, da zu warm; Zunahme von Überschwemmungen, Abnahme von Wintersportplätzen. „Ganz miese Aussichten für Fichten, Schneehühner und –finken.“ Was leistet/kostet die Energieversorgung und was kann man hier ändern im Sinne des Weltklimas? „Sonne“, je nach Breitengrad, Höhenlage, Witterung. Solarthermie: Wärmegewinnung. Photovoltaik: Stromerzeugung = ca. 3,5 Mrd. kWh in der BRD 2007, plus 59,1% zu 2006. „Wind“ leistet den größten Beitrag der regenerativen Energie in der BRD, nahm hier bereits in 2007 um 28,7% gegenüber 2006 zu. „Biomasse“ produziert neben Energie auch noch Wärme und Kraftstoff, stieg 2007 ebenfalls um 24% zum Vorjahr an. „Wasserkraft“ ist in Deutschland zu 80% ausgereizt und bedeutet massive Eingriffe in die Natur. „Geothermie“ ist lohnend in tektonisch/vulkanisch aktiven Gebieten wie Island. „Meer-Wellenkraft“ liefert bisher nur unbedeutende Stromanteile und ist im Aufwand zu teuer. „AKW“: Weltweit 436 Kernkraftreaktoren: USA: 104, Anteil Stromerzeugung = 19%. Frankreich: 59, Anteil Stromerzeugung = 78%. Japan: 53, Anteil Stromerzeugung = 30%. Deutschland: 17, Anteil Stromerzeugung = 26% (140 Mrd. kWh) Nichtemissionsfrei, ungeklärte Entsorgungsprobleme, Gefahrenpotentiale.. Dr. Vetter sieht Energie-Einsparpotentiale bei „Stand-by-Geräten“, in der Ernährung/Zubereitung, im Verzicht auf Fernreisen, in der Akzeptanz von Öko- und Regionalprodukten der Landwirtschaft, im ÖPNV, in Mehrwegverpackungen. Sein Schlußwort: „Klima als Thema ist eine festgefahrene Situation. Eine komplett unabhängige Forschung hierzu ist heute nicht mehr möglich.“

Meistgelesene Artikel

Mülleimer peppen Stadtbild auf

Fürstenfeldbruck – Schülerunternehmen „Royal Trashmasters“ verschönert in Zusammenarbeit mit der Stadt Abfallbehälter der Innenstadt mit …
Mülleimer peppen Stadtbild auf

Parteiloser Thomas Lutzeier kandidiert

Fürstenfeldbruck – „Ich mache es! Ich will Bürgermeister werden!“, dies gab Thomas Lutzeier am Sonntag in facebook in einer Gruppe bekannt, die er …
Parteiloser Thomas Lutzeier kandidiert

Anwohner kippt Wasser auf Passantin

Germering - Den vergangenen Freitag, den 13. Januar wird eine 51 jährige Frau aus Germering wohl noch länger als sehr unangenehm in Erinnerung …
Anwohner kippt Wasser auf Passantin

Kommentare