Sprint - Ein Verein für Resozialisierungs- und Integrationsangebote feiert Jubiläum

Ein Experiment wird 20

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Auf der Jubiläumsveranstaltung (von links): Oberstaatsanwalt Florian Schlosser, Richter Martin Ramsauer, Ministerialrat Georg Eisenhuth und Ulrich Schmetz (SPD) Stadt und Kreisrat

Fürstenfeldbruck – Drogen, überforderte Eltern und verlorene Wertvorstellungen. Der Weg in die Kriminalität ist vielfältig – vielfältig ist auch der Weg zurück in die Gesellschaft – dank zahlreicher Resozialisierungs- und Integrationsangebote. Ein Verein im Landkreis, der sich seit 20 Jahren für die Resozialisierung von straffällig gewordenen Menschen einsetzt, ist Sprint. Mitglieder und Gäste feierten am 12. Oktober das musikalisch umrahmte Jubiläum in den Räumen des Landratsamtes.

„Als der Verein 1996 gegründet wurde handelte es sich um ein Experiment“, erläuterte Hilmar Mainberger, der Vorsitzende von Sprint. Damals habe kaum einer gewusst, wohin es ginge. Heute wisse man, Sprint war überfällig. Der Verein für Sozialpädagogische Resozialisierungsund Integrationsangebote sei in einer Zeit gegründet worden, in der „Drogenwellen“ die Runde machten, Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder überfordert waren und die Kriminalität im Landkreis anstieg – und auch heute sei Sprint so aktuell wie eh und je. „Das Internet lässt Raum für Mobbing der übelsten Art“, sagte er. Viele seien von der Digitalisierung und ihren Auswirkungen überfordert, weshalb alles getan werden müsse, um die Werte wieder zu stärken.

Seit der Gründung am 25. Juni 1996 kümmert sich Sprint um straffällig gewordene Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Hierbei nimmt der Verein Aufgaben war, die sich aus den gesetzlichen Bestimmungen des Jugendgerichtsgesetzes und Kinder- und Jugendhilfegesetz ergeben. Im Laufe der Jahre baut Sprint die Angebote kontinuierlich aus. Auftraggeber sind Gerichte, Familienämter sowie Staatsanwaltschaften. „Der Kern unserer Tätigkeit ist die Resozialisierung“, betonte Mainberger. Wie das funktioniert zeige das 1998 eingeführte „Öko-Wochenende“: Hier arbeiten Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 20 Jahren drei Tage unter gerichtlichen Auflagen in der freien Natur und setzen sich mit ihren Taten auseinander, lösen Konflikte und sammeln Gruppenerfahrungen. Am letzten Tag folgt ein Abschlussgespräch.

Der Täter-Opfer-Ausgleich

Eine andere Alternative biete der sogenannte „Täter Opfer- Ausgleich“ (§46a STGB). Diese Regelung tritt in Kraft, nachdem eine Partei eine Strafanzeige erstattet hat und die Staatsanwaltschaft oder der Richter einen Täter-Opfer-Ausgleich anregen. Damit soll eine für Geschädigten und Beschuldigten befriedigende Lösung für den Konflikt gefunden und gleichzeitig ein unnötiger Rechtsstreit vermieden werden. „Im Täter-Opfer- Ausgleich bekommt das Opfer eine aktivere Rolle, als es im Strafprozess der Fall wäre“, erklärte Oberstaatsanwalt Florian Schlosser von der Staatsanwaltschaft München II. Der Verein Sprint leiste auf diesem Gebiet somit Pionierarbeit und entwickle sich zu einem unverzichtbaren Partner. Die Angebote von Sprint richten sich jedoch nicht nur an straffällig gewordene Bürger. Seit letztem Jahr helfen Mitarbeiter beim „Brucker Familienstart“ alleinerziehenden und erziehenden Kunden des Jobcenters Fürstenfeldbruck mit maßgeschneiderten Angeboten einen Weg zurück in die Beschäftigung oder seit 2014 beim „Repair-Café“ kaputte Geräte zu reparieren.

"Schwitzen statt Sitzen: Arbeit statt Knast"

Georg Eisenhuth vom bayerischen Justizministerium informierte in seiner Rede über die Fortschritte des Angebotes „Schwitzen statt Sitzen: Arbeiten statt Knast“. „Integration ist das Thema schlechthin“, sagte Eisenhuth. Zahlreiche Stunden gemeinnützige Arbeit seien im letzten Jahr von straffällig gewordenen Menschen abgeleistet worden – wobei der Staat auf Hilfe angewiesen sei. „Staatliche Stellen schaffen das nicht, sie bemühen sich, aber es reicht nicht“, sagte Eisenhuth. Deshalb sei er froh, dass sich Sprint die Resozialisierung und Integration auf die Fahnen geschrieben habe und den Staat mit seiner Arbeit unterstütze. Die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler lobte die transparente und zielorientierte Arbeit und auch Richter Martin Ramsauer, der in Vertretung für Richter Johann Steigmayer erschienen war, betonte, dass das Amtsgericht Fürstenfeldbruck die Arbeit von Sprint sehr schätze. Mainberger bedankte sich bei den Partnern für das entgegengebrachte Vertrauen und die positive Resonanz, die zeige, dass man sich auf dem richtigen Weg befinde und bestärkte auch weiterhin neue Projekte anzugehen. Besonderer Dank galt dem Engagement der eigenen Mitarbeiter: „Ihr seid die Seele des Vereins.“

 Felix Hamann

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