Strukturen zur Energiewende

Vertreter des Energie-Netzwerkes ZIEL 21 zur Energiewende im Landkreis FFB bei der Informationsveranstaltung in Landsberied. Foto: Metzler

Im schmucken Schulungsraum des Landsberieder Malerbetriebs und Fachbereichssprechers für Wärmedämmung, Herbert Leierer, trafen sich zum Pressegespräch die Partnerfirmen am „neue Schwung für die Energie-wende im Landkreis“. Architekt Bernhard Fingerle, Fachbereichssprecher für Energieeffizienz, unterstrich dabei die Entschlossenheit von Ziel 21.

 Jedoch: „Momentan lassen nur Bund und Länder Zweifel an der Energiewende und ihrer gewünschten Ernsthaftigkeit aufkommen … Da wird nicht genug getan, gegen alle bisherigen Versprechungen. Die Politik tritt jetzt auf die Bremse!“ Bernhard Fingerle stellte unverzichtbare Kernforderungen für alle Ziel 21-Partner – also für Handwerker, Architekten, Energieberater, Versorgungs-ingenieure, Physiker – an die „regionale Politik“ auf: • Der EnEV-Nachweis muss bei jedem Bauantrag geprüft werden, was – außer in Bayern – in allen anderen Bundesländern bereits seit längerem Pflicht als bundesweite Verordnung ist. • Die Erweiterung des EEWärmeG über Neubauten hinaus auf Bestandsgebäude landkreisweit. Bei jeder Sanierung muß die Nutzung erneuerbarer Energien geprüft und ggfs. durch verbesserte Dämmung oder anderweitige Ersatzmaßnahmen kompensiert werden. • Bei der Bauleitplanung muß die Nutzbarkeit der Dächer für Solarthermie und Photovoltaik gewährleistet – und somit auch passive solare Nutzung verstärkt ermöglicht werden. Der Architekt bemängelte stellvertretend für alle an der Energiewende Mitarbeitenden die in Bayern weiterhin bestehenden Defizite zur Europäischen Gebäuderichtlinie vom 8. Juli 2010 in der Gesamteffizienz von Gebäuden. Hiermit verbunden insbesondere die Modernisierung von Altbauten in der Verordnung EnEV 2009. Derzeit würde in Deutschland jährlich nur ein Prozent aller Gebäude saniert, erforderlich wären aber drei Prozent aller Gebäude und die Umwandlung in Niedrigstenergiegebäude mit einer Reduktion des Energiebedarfs (insbesondere im Wärmebereich) um ca. 80 Prozent: Durch Niedertemperatursysteme, die erneuerbare Energien besser nutzbar machen als Heizkörper mit höheren Vorlauftemperaturen. „Ab 2020 sollen alle Neubauten in der EU fast keine Energie mehr benötigen für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung …“ Und bis 2050 sollte der Gebäudebestand in Deutschland auf den Stand von „Niedrigstenergiegebäuden“ saniert sein. In diesem Zusammenhang sieht Bernhard Fingerle erforderliche Gesamtkonzepte zur Gebäudesanierung: Teilsanierungen oder Sanierungen in Schritten führten nur „zum Dilemma des mittleren Standards.“ Was selbstredend und folgerichtig der Beratung durch den Planer und Architekten bedarf: „Ein Fensteraustausch an der gleichen Stelle bringt nur wenig. Das muß mit anderen Maßnahmen wie Wärmedämmung parallel laufen …“ Fingerle wies auf Ausführungsdefizite speziell in Bayern hin, die er nicht nachvollziehen könne. So würde die Energie-Einsparungsverordnung EnEV 2009 anders als in den übrigen Bundesländern bei Baumaßnahmen nicht geprüft. Bei einem Neubau müsste nach EEWärmeG (Erneuerbare Energie-WärmeGesetz) ein Teil der benötigten Energie durch erneuerbare Energien (Solarthermie, Biomasse, Erdwärme) sichergestellt werden oder die Gebäudehülle um mindestens 15 Prozent besser gebaut werden als in der derzeit noch gültige EnEV 2009. In der Bauleitplanung sollte verstärkt auf die Dachnutzung durch Solarthermie und Photovoltaik geachtet werden, bevorzugt in Südausrichtung. Bei einer Ost-West-Ausrichtung käme es auf eine flache Dachneigung an. Der weitere Ausbau von Photovoltaikanlagen wäre in erster Linie zur Eigenstromnutzung „mit elektrischen Tagesspeichern zur Netzentlastung“ anzuraten, außerdem der Ausbau von Windkraftanlagen im Lkr FFB sowie die „intelligente Vernetzung aller Energieerzeuger zu einem Kombikraftwerk, um Schwankungen besser ausgleichen zu können.“ Bernhard Fingerle: „Öl und Gas werden knapp. Wir müssen uns um Ersatz kümmern.“ Oliver Schwarz, Emmering, Heizungsbau, Fachbereichssprecher Haustechnik: „Wir wollen im Landkreis mit Ziel 21 erreichen, was machbar ist. Eine Dachdämmung sollte z.B. grundsätzlich vor einer Photovoltaik-Eindeckung erfolgen. Umgekehrt wird es unnötig teuer.“ Sebastian Mayer, Moorenweis, Fachbereichssprecher Elektrotechnik/Photovoltaik, sieht durch die jetzt politisch gewollte Reduzierung und Rücknahme in der Sonnenstromerzeugung einen weiteren Auftragsverlust: „In der Leistung werden bereits jetzt 50 Prozent weniger installiert.“ Positiver hingegen die Zunahme von Anlagen mit Eigenstrom-Verbrauch. Allgemein hätten die asiatischen Billiganbieter (insbesondere die chinesischen Modulerzeuger mit staatlichen Subventionen) mit günstigeren Angeboten um 250 bis 300 Euro pro Modul den deutschen Herstellermarkt und seine Arbeitsplätze annähernd vernichtet: „Deutsche Module sind fast nicht mehr verkäuflich.“

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