Fürstenfeldbrucks Tuningszene wehrt sich gegen das schlechte Image der schwarzen Schafe

Der ewige Kampf gegen die Raser

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Die Tuningszene Fürstenfeldbruck vor ihrem Stand am Hagebaumarkt in Fürstenfeldbruck

Fürstenfeldbruck – Rücksichtslos, nervtötend und laut. Das sind nur ein paar Vorurteile mit denen die Tuningszene zu kämpfen hat. Vor allem Raser machen den Tunern immer wieder durch ihr provokantes Fahrverhalten in der Öffentlichkeit das Leben schwer. Doch damit soll jetzt Schluss sein, zumindest wenn es nach dem Willen der Mitglieder der „Tuningszene Fürstenfeldbruck“ geht. Die junge Truppe setzt sich zum Ziel dem schlechten Image rund um ihr Hobby mit Aufklärungsaktionen entgegen zu treten. Die Gruppe veranstaltete im Mai ein Tuning Treffen mit rund 60 Fahrern am Hagebaumarkt in Fürstenfeldbruck. Legal und bei der Stadt angemeldet, versteht sich.

Obwohl der Baumarkt am Kreisverkehr bereits geschlossen ist, kehrte keine Ruhe ein. Nur kurze Zeit später rollen erneut Fahrzeuge auf das Gelände. Diese Personengruppe bastelt allerdings im Gegensatz zu den Kunden des Marktes lieber an ihrem Auto, anstatt am Eigenheim. Die Rede ist von der „Tuningszene Fürstenfeldbruck“, bestehend aus momentan 14 Mitgliedern zwischen 18 und 30 Jahren. Die begeisterten Tuner bereiten alles für den Abend vor. Sie stellen Mülleimer auf und sperren den Platz, anschließend folgt eine Lagebesprechung und ein letzter Walkie-Talkie Test.

Mit Treffen gegen das schlechte Image vorgehen

Der 20-jährige Mitorganisator Felix Plewinski ist bereits seit längerem dabei. Der Auszubildende zum Einzelhandelskaufmann übernahm im Juni 2015 die Szene und kämpft seitdem mit Aufklärungsaktionen gegen das schlechte Image der Tuner. „Eines meiner Ziele ist es, vom Ruf der Raudis wegzukommen, dies wird aber wahrscheinlich nie passieren, da es immer schwarze Schafe gibt“, sagt er. Dennoch ist er überzeugt, dass diese legalen Treffen der beste Schritt seien, die Vorurteile gegen Tuner abzubauen. Deshalb veranstaltet er regelmäßig legal angemeldete Treffen für Tuner aus den umliegenden Landkreisen. „Das Komplizierteste war eigentlich einen geeigneten Platz zu finden“, erinnert er sich. Die Gruppe entschied sich schnell für das Gelände des Hagebaumarkts, was unter anderem daran lag, dass der Besitzer einer der wenigen war, der das Event überhaupt auf seinem Grundstück zuließ. Auch die Polizei holte er mit seinem Vorhaben ins Boot: „Überraschenderweise war die Polizei recht angetan von unserem Vorhaben und hat uns auch keine unnötigen Steine in den Weg gelegt“, erzählt er.

Der Traum vom salonfähigen Tuning

Getunte Pkw´s warten auf den Einlass.

Plewinskis Ziel: „Ich möchte das Tuning salonfähig machen.“ Deshalb veröffentlichte die Tuning Szene vorab in den sozialen Netzwerken Richtlinien, an die sich jeder Gast halten muss, wenn er an dem Treffen teilnehmen möchte. Damit sich jeder an die Spielregeln hält, unterschreibt anschließend jeder Teilnehmer am Einlass eine schriftliche Einverständnisverklärung in der Verhaltensregeln wie Reifen quietschen oder einen „Burn-out“ zu veranstalten, untersagt werden. Zur eigenen Sicherheit erfasst die Szene zusätzlich das Kennzeichen der Gäste. Auf dem Platz tut sich was. Die ersten Fahrzeuge, zwei VW Sciroccos rollen auf das Gelände, gefolgt von weiteren. Die Ordner sammeln die unterschriebenen Einverständniserklärungen ein und nehmen eine Gebühr von einem Euro pro Person entgegen, dann dürfen die Fahrer auf den Parkplatz.

Getunte Lego-Autos und Urlaubsgedanken

Trotz des schlechten Wetters, es regnet, sind einige gekommen. „Wenn es um ihre Autos geht, sind manche Fahrer ziemlich pingelig, da darf es nicht mal tröpfeln, sobald es regnet, lassen manche ihre Autos in der Garage“, erklärt Plewinski. In diesem Fall hat er jedoch Glück, rund 60 Fahrer aus den Landkreisen Starnberg, Fürstenfeldbruck, Dachau, Landsberg, dem Ostallgäu und sogar aus Ravensburg sind angereist. Das Tunen liegt Plewinski sozusagen im Blut. Der 20-jährige wuchs in einer „Schrauberfamilie“ auf. Schon sein Vater ist ein gelernter KFZ-Mechaniker, ebenso wie sein Bruder, der als Rennsportmechaniker arbeitet. Bereits als 5-jähriger tunte er seine Lego-Autos, indem er z.B. eine Unterbodenbeleuchtung an die Modelle andockte. „Grundsätzlich verstehe ich unter Tuning, aus einem Standardfahrzeug ein Individuum zu gestalten, welches Wiedererkennungswert hat. Sei es durch eine besondere Tieferlegung oder andere Auffälligkeiten“, erzählt er. Das erste Fahrzeug an dem er herum schraubte war ein VW T4, ein Kleinbus. Momentan fährt er einen silbernen Volkswagen Modell Bora. „Das Gefühl, wenn man etwas verändert hat und damit auf die Straße geht ist unglaublich, ungefähr so wie bei kleinen Kindern an Weihnachten, die ihre Geschenke testen wollen“, schwärmt er. Finanzielle Sorgen, die durch das Tuning entstehen könnten, mache er sich nicht, da er das Geld durch Nebenjobs in den Griff bekomme. „ Als ich im Urlaub am Strand lag, hab ich mir gedacht, dass ich von dem Geld für den Urlaub auch einen schönen Satz neue Felgen hätte kaufen können.“

Bis auf eine Diskussion, ein Fahrer weigert sich in die vorgegebene Parklücke zu rangieren, verläuft auf dem Parkplatz alles reibungslos. Dennoch kommt mit dem schwindenden Tageslicht ein großes Problem auf die Autobastler zu. Die vier Flutlichtscheinwerfer, die ursprünglich die gesamte Abstellfläche in Licht tauchen sollen sind immer noch nicht angekommen. Die Tuner helfen sich solange mit den eigenen Autolichtern aus. Nach einigen Telefonaten steht zu Plewinskis Unbehagen fest: Die Lichter kommen nicht mehr. Die Tuner sind sichtlich enttäuscht, alles wird abgebaut.

Es ist noch lange nicht Schluss

Doch der 20-jährige lässt sich davon nicht unterkriegen. Er hat schon neue Pläne, neben den Treffen denke er ebenfalls an eine Infoveranstaltung mit Gästen von Polizei und dem Verkehrsinstitut. Denn er steht nach wie vor dazu: Nicht jeder Raser ist Tuner, und nicht jeder Tuner ist Raser.

Felix Hamann

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