Mit 22 über 3 Kontinente und 40 Länder auf der Walz – Pastor Klaus Deckenbach erzählte in Germering von seinen Abenteuern

Der Bildungsreferent Klaus Deckenbach, zuhause in dem historischen Schlachtenort Höchstädt/Donau, bei seinem Diavortrag in der Germeringer Stadthalle. Foto: Günter Schäftlein

Die Begegnung mit dem heutigen Bildungsreferenten und Pastor der Freien ev. Gemeinde Donauwörth, Klaus Deckenbach, bleibt länger im Gedächtnis haften. Mit 22 Jahren brach er 1988 zu seiner Unternehmung über 3 Kontinente und durch 40 Länder als wandernder Schreiner auf, um Berufs- und Lebenserfahrung zu sammeln - um dann 1993 mit christlichen Überzeugungen zurückzukehren. Der Bildungsreferent Deckenbach kehrte jetzt in Tippelbruder-Montur und -ausrüstung im Brucker Veranstaltungsforum und in der Germeringer Stadthalle ein. Das Publikumsinteresse an seiner facettenreichen Wegbeschreibung und Persönlichkeits-entwicklung war beachtlich, obwohl die Ereignisse viele Jahre zurückliegen. Daraus ein Abendthema von gut 2 Stunden zu machen, entstand durch Tagebücher und Briefe, „die 15 Jahre lang in einer Kiste vergraben waren.

…“ Obwohl er im Okt. 1988 bereits zur Schreiner-Meisterschule angemeldet war, zog es Klaus Deckenbach vor, sich dem Ungewissen anzuvertrauen, draußen, unterwegs zu sein: „Ein ganz besonderes Lebensgefühl.“ Aber, auch das hat Regeln: „Tippeln“ (ohne Arbeit) oder „Scheniegeln“ (mit Arbeit) darf man nicht länger als jeweils 6 Monate. Und das wird ordnungsgemäß durch Vermerke und Stempel im Wanderbuch dokumentiert. Zusammengenommen fällt die Beurteilung auf diesem Selbstfindungsweg nüchtern aus: „Man ist Handwerker, aber auch Vagabund oder Nobelpenner.“ Was man von Gleichgesinnten dabei lernt, ist ganz schnell eine neue Sprachregelung: In der Rotwelsch-Pennersprache heißt der gedrehte Wanderstock „Stenz“, die ausgezogenen Socken sind „Stinkerlinge“, schlafen wird zum „Platte reißen“, trinken und feiern zum „schmoren“, der Meister zum „Krauter“, wer etwas Geld hat zum „Kiesgesellen“ und besonders geschätzt das „Schmalmachen“ als finanzielle Unterstützung: „Das Leben ist ein Jammertal. Doch nicht für mich, ich mache schmal …“ Klaus Deckenbach brachte zu seinen Erzählungen und Auszügen aus Briefen und Tagebüchern hervorragendes Dia-Material, insbesondere aus Afrika, verbunden durch einstimmende Musik- und Gesangsbeispiele. In Europa war er in Österreich, Griechenland, auf Zypern, in der Türkei, in England, den Niederlanden und natürlich innerdeutsch vorübergehend zu Hause. Einprägend dabei das vierteljährige Zusammenleben mit einem gerade therapierten Alkoholkranken in der Zugunglücksstadt Eschede/Celle, immer in der Angst vor einem Rückfall. Jedoch: „Der ist heute, 2011, noch immer trocken …“ Als „Kiesgeselle“ ging es mit etwas Erspartem und einer Bibel - „Mein wichtigster Begleiter!“ - nach Nordafrika, ab dem Senegal durch die westafrikanischen Länder bis nach Centralafrika/Kongo. Deckenbach war beeindruckt von der afrikanischen Gastfreundschaft: „Bis zu diesem Zeitpunkt waren für mich Christsein und Fröhlichkeit eher Gegensätze.“ Mit seinem Begleiter erlebte er unpassierbare Straßen, eine nächtliche Ameiseninvasion im Zelt, hochexplosiven Benzinschmuggel auf Fahrrädern zwischen Nigeria und dem Kamerun und geschlachtete Affen: „Der Kochtopf stinkt danach erbärmlich.“ Flug nach Südafrika, Betätigung als Schreiner und Ausbilder, Möbel-Fertigung für die High-Society - und eine erste Liebe: Amely. Kapstadt mit Wellenreiten und Delphinen, Segelabsichten nach Südamerika, Australien, Neuseeland zerschlagen sich. Aber, eine Zugfahrt alleine unter schwarzen Afrikanern mit ununterbrochenen Lesungen aus der Bibel und Gospelgesängen bringt die Lebenswende und innerliche Neuausrichtung: „Nachts um halb zwei klopfte ein Pärchen an meine Bleibe und will mit mir über Jesus Christus sprechen …“ Die Rückkehr nach Europa wird beschlossen, aber auf diesem Wege noch Ost- und Centralafrika erschlossen, trotz Passschwierigkeiten in Tansania und Verhaftung in Daressalam, schwerer Malariaerkrankung während einer 14tägigen Frachtschiff-Fahrt auf dem Kongostrom. Über den Sudan und Ägypten nach Israel, wo Klaus Deckenbach noch ein ganzes Jahr verbleibt und die Problematik des Nahen Ostens verinnerlicht. Im Juni 1993 ist er wieder in Deutschland - und seine Familie versteht ihn nicht mehr. Er „babbelt“ nicht mehr hessisch. Er baut eine Massivküche für seinen Bruder. Gibt das geklaute Werkzeug an die Familie seines bereits verstorbenen Lehrmeisters zurück. Und ist dankbar, „dass mich Gott zu dieser langen Reise eingeladen hat.“

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