Podiumsdiskussion mit Bürgermeisterkandidaten

Die Qual der Wahl

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Saßen am Tisch der Podiumsdiskussion (von links): Martin Eberl (SPD), Dirk Flechsig (CSU), Moderator Stefan Weinzierl, Claus Guttenthaler (Freie Wähler) und Peter Münster (FDP)

Eichenau – Alle vier Bürgermeisterkandidaten für Eichenau - Martin Eberl, Dirk Flechsig, Claus Guttenthaler und Peter Münster - saßen in der Friesenhalle an einem Tisch, „damit die Bürger diese einmal persönlich kennen lernen“, wie der Moderator Stefan Weinzierl die Podiumsdiskussion eröffnete. Das Interesse war groß - Stühle wurden dazu gestellt, einige Besucher mussten stehen. Die Kandidaten blieben bei der Diskussion sachlich, fair und verzichteten auf Angriffe.

Um ein Durcheinander zu vermeiden, teilte Moderator und Tagblatt-Redakteur Stefan Weinzierl den Abend in verschiedene Themenbereiche auf. Zuerst wurde über Kinderbetreuung und das Schulangebot diskutiert. Grundsätzlich waren alle der Meinung: Es müssen weitere Betreuungsplätze geschaffen werden. Martin Eberl (SPD) äußerte sich konkret zum Ganztagsschulangebot an Grundschulen. Er möchte einen neuen Versuch starten. Im Gewerbegebiet Nord stelle er sich auch eine neue Schule vor.

Doch warnte Eberl bezüglich der Gewerbegebiete: „Wir dürfen nicht alles zubauen, wir müssen Platz lassen für ein zweites Gleis“.

Beim Thema „Senioren“ waren sich die vier Kandidaten ebenfalls einig. Alle sprachen sich für einen weiteren senioren- und behindertengerechten Ausbau von öffentlichen Gebäuden aus. Dirk Flechsig (CSU) erklärte: „Es kann niemals versprochen werden, dass alles sofort umgesetzt wird. Das Sanieren kostet Geld.“ Eberl und Claus Guttenthaler (Freie Wähler) gaben zudem zu verstehen, dass sie einen Seniorenbeirat begrüßen würden, sofern sich Interessierte dafür finden. Dieser würde dem Gemeinderat beratend zur Seite stehen. Claus Guttenthaler unterstütze zudem die Idee eines Mehrgenerationenhauses. Flechsig dagegen berichtete von schlechten Erfahrungen anderer Gemeinden mit Mehrgenerationenhäusern und lies sich davon nicht überzeugen.

Beim Thema „Ortsverdichtung“ wurden die unterschiedlichen Ansätze der vier Kandidaten klar. Während Eberl sagte: „Ich stehe zur Nachverdichtung“, meinte Peter Münster (FDP): „Eine Nachverdichtung macht Sinn, entlang der Hauptstraße“. Auch Guttenthaler weiß: „Auf vielen großen Grundstücken steht nur ein Haus, wo normalerweise mehr drauf passen“. Er möchte in Zukunft mehr Wohneinheiten in höheren Gebäuden sehen. Dirk Flechsig dagegen betonte: „Der Gartenstadtcharakter von Eichenau ist mir wichtig.“ Seiner Meinung nach, müsse die Gemeinde die Bebauung an die Eichenauer Infrastruktur anpassen. Denn das nächste große Thema war der Verkehr. Denn Flechsig weiß: „Nachverdichtung bedeutet auch mehr Verkehr.“ Guttenthaler hatte vertrauen in die Bürger: „Immer mehr Eichenauer fahren mit dem Fahrrad oder nutzen Car-Sharing“. Er sei der Überzeugung, dass dies immer mehr so sein wird. Zudem möchte sich Guttenthaler für ein vereinbares „Arbeiten und Wohnen“ in Eichenau einsetzen. Peter Münster will „Arbeitsplätze ansiedeln, sodass Pendeln nicht mehr nötig wird“.

Außerdem beschäftigte die Kandidaten die spätere Nutzung des Aldi-Areals. Dirk Flechsig dazu: „Die plötzliche Entscheidung für den Wegzug ist keine schöne Geste des Unternehmen gewesen, mit dem wir Jahre lang zusammengearbeitet haben.“ Er findet, man dürfe die Nutzung nicht den Eigentümern überlassen sondern aktiv mit ihnen planen. Auch Münster sagte: „Wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir dieses Areal entwickeln können“. Er wünsche sich vor allem, dass man neue Firmen dorthin nach Eichenau holt. Eberls Botschaft war vor allem, wegen des Wegzugs und den fehlenden Gewerbesteuereinnahmen nicht die Nerven zu verlieren: „Wir sollten das Bestmögliche dabei herausholen“. Er glaube, dass in einigen Jahren auf diesem Areal vielleicht sogar mehr Gewerbesteuer eingenommen werden kann als heute mit Aldi.

Wegen vieler Nachfragen aus dem Publikum wurde auch das Thema „Hochwasser“ behandelt. Alle wollen sich für Schutzmaßnahmen einsetzen, doch nicht ohne die anderen Kommunen einzubeziehen.

Die Kandidaten im Einzelnen:

Martin Eberl (SPD) ist in München geboren, in Puchheim zur Schule gegangen und hat anschließend in München studiert. Heute ist er Lehrer auf der Wirtschaftsschule in Dachau und Familienvater. Der 41-Jährige ist seit 2013 Bezirk Oberbayern, seit 2014 im Gemeinderat und Schulreferent. Er möchte eine „Politik für alle“ machen und die Dinge „aus den Augen der Bürger betrachten“.

Claus Guttenthaler (Freie Wähler) ist in Eichenau aufgewachsen und lebt auch heute noch mit seiner Familie in Eichenau. Der 46-Jährige Kaufmann ist seit 2002 im Gemeinderat und seit 2008 Referent für Städtepartnerschaften. Seit Februar ist er Mitglied bei den Freien Wählern, davor war er 17 Jahre lang CSU-Mitglied. Seit seiner Kindheit engagiert er sich ehrenamtlich, beispielsweise im Schützenverein. Er habe Freude an Kultur und an der Arbeit mit Menschen und möchte die Eichenauer einladen die Zukunft mit zu gestalten. Er wolle sich vor allem bezahlbaren Wohnraum schaffen und sich für einen Ehrenamtskoordinator einsetzen.

Dirk Flechsig (CSU) lebt seit seinem 14. Lebensjahr in Eichenau und ist seit 20 Jahren im Gemeinderat. Der heute 44-Jährige war damals das jüngste Gemeinderat-Mitglied in Eichenaus Geschichte. 2002 wurde er Fraktionsvorsitzender der CSU. Der gelernte Bankkaufmann ist außerdem seit 18 Jahren als Unternehmer im Bereich Informations-Technologie tätig. Seit seiner Jugend engagiert er sich in verschiedenen Vereinen. Aktuell ist er Vorsitzender der Nachbarschaftshilfe. Der noch amtierende Bürgermeister Herbert Jung hat ihn in den CSU-Reihen für die Wahl vorgeschlagen. Nun möchte er, dass „das Rathaus auch in Zukunft gut geleitet wird“. Dafür möchte er sein Wissen aus Kommunalpolitik, Ehrenamt und Unternehmen einbringen.

Peter Münster (FDP) ist seit 26 Jahren Gemeinderat in Eichenau. Er studierte Jura und arbeitet als Rechtsanwalt in einer Kanzlei in München. Dort lernte er „Strategien zu entwickeln und doch bodenständig zu bleiben“, wie er sagt. Der 50-Jährige gehört seit 30 Jahren der FDP an und ist seit 26 Jahren Fraktionsvorsitzender. Er möchte als Bürgermeister vor allem Leben und Arbeiten in Eichenau vereinbar machen und Gewerbe ansiedeln. Außerdem setze er sich für bezahlbaren Wohnraum für junge Familien ein.

Miriam Kohr

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