Ein internationaler Abend der Völkerverständigung im Pfarrzentrum St. Josef

"Menschen in Puchheim"

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Puchheim –Unter dem Motto „Menschen in Puchheim“ initiierte der „Arbeitskreis Soziales“ und das Puchheimer Podium am 3. Juni im Pfarrzentrum St. Josef einen Abend internationaler Völkerverständigung.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die von Ludger Wahlers in Englisch und von Annette Becker in Deutsch begleitet wurde, berichteten zunächst junge Flüchtlinge aus Syrien und Nigeria, wie sie ihre Heimat verlassen haben und wie sie inzwischen in Puchheim heimisch wurden. Beim anschließenden Fingerfood-Buffet konnten sich die Bürger mit den Flüchtlingen weiter zwanglos austauschen. Der gemischte Gospelchor des Pfarrverbandes St. Josef „Chameleons“ unter der Leitung von Hildegard Rankenhohn unterhielt die ca. 80 Gäste musikalisch. Neben Bürgermeister Norbert Seidl, Jens Tönjes von der Stadtverwaltung, Kreis- und Stadtrat Max Keil sowie Michaela Dijakovic von der Diakonie Puchheim nahmen auch viele Asylhelfer an der Veranstaltung teil.

Aus einem kleinen ländlichen Dorf sei längst eine moderne Stadt mit mehr als 20.000 Einwohner geworden, in der sich inzwischen Menschen aus 100 Nationen zuhause fühlen. In den letzten zwölf Monaten wurde Puchheim noch multi-kultureller, als es bisher in seiner Geschichte je gewesen ist durch die Asylbewerber.

Aktuell leben in Puchheim 238 Flüchtlinge, Menschen aus Syrien, Nigeria, dem Senegal, Afghanistan und vielen weiteren Ländern vom südlichen Erdball. Sie kamen als Gäste und werden zumindest zeitweise Einwohner Puchheims sein und einige auch bleiben. Raphael Ajawuime aus Nigeria, der Syrer Redwan Bakkoura und die Geschwister Sidra, Salsa und Seraj Alkhalef, ebenfalls aus Syrien, erst vor wenigen Monaten in Puchheim Angekommene, erzählten über ihre Flucht und wie sie sich in Puchheim eingelebt haben. So berichtete der 22-jährige Bakkoura, der in Damaskus im Restaurant seines Vaters als Chefkoch arbeitete, wie ihm mit seinen Eltern und vier Brüdern die Flucht über Jordanien nach Deutschland gelang. Er habe versucht in Jordanien eine Arbeit als Koch zu finden, berichtete er in gebrochenem Deutsch.

Doch als Syrier durfte er in Jordanien nicht arbeiten. Drei Jahre blieb die Familie in Jordanien. Ursprünglich wollte sie wieder zurück nach Syrien, doch „sein Haus war gestorben“. Damit drückte er aus, dass das Haus inzwischen durch den Krieg zerstört worden sei. Und so entschloss er sich, mit seinen Brüdern nach Deutschland zu gehen. Wenn sie bleiben dürfen, dann sollen die Eltern nachkommen. „Ich hoffe, sie schaffen das.“

Puchheim und seine Bewohner gefallen ihm, ebenso München und auf die Frage, was in Puchheim besser sein könnte, antwortete er diplomatisch: „Ich glaube, meine Sprache“, womit er sich viel Sympathie einheimste. Die drei syrischen Geschwister Alkhalef, die mit ihren Eltern über Ungarn und Nürnberg nach Puchheim kamen, schilderten ihren ganz normalen Tagesablauf, der sich nicht vom Ablauf deutscher Jugendlicher unterscheidet. Die Familie hat ihre Anerkennung erhalten und darf in Puchheim bleiben. In der Schule seien alle sehr nett und sie lernen viel, besonders die deutsche Sprache. Sie machen ihre Hausaufgaben oder helfen der Mutter im Haushalt.

Seraj Alkholef berichtete, dass er ins Fußballstadion gehe, Computer spiele und sich für Physik interessiere. Auf die Frage, ob er denn auch seiner Mutter im Haushalt helfe, antwortete er spitzbübisch, obwohl er die deutsche Sprache gut versteht: „Ich habe nicht verstanden.“

Wegen religiöser Verfolgung und Diskriminierung floh der 36-jährige Ajawuime aus Nigeria. Sein Vater, der einer anderen nigerianischen Glaubenskultur angehörte, wollte, dass sein Sohn einmal das Priesteramt übernimmt. Nachdem sein Vater verstarb und er das Priesteramt nicht annahm, musste er fliehen, weil er verfolgt und getötet worden wäre. Zusammen mit seiner schwangeren Frau, die mittlerweile in Puchheim eine Tochter mit einem ganz besonderen Namen zur Welt gebracht hat: „God is with me“. Der Ingenieur fand in Puchheim eine neue Heimat und hat sich auch schon bei der Arbeitsagentur nach einem Job erkundigt. Mit großem Interesse hat Max Keil, als geborener Puchheimer, die großen Veränderungen Puchheims in 63 Jahren verfolgt.

Als Kommunalpolitiker habe er sich für die Flüchtlinge eingesetzt. Und wenn er die Worte „wir werden überflutet von Flüchtlingen“ gehört habe, habe er stets beruhigend einwirken können. In Puchheim und im Landkreis habe er eine „irre Hilfebereitschaft“ festgestellt.

Dieter Metzler

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