Interview mit Walter Kohl, Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers - Warum er der Logotherapie nach Viktor Frankl verbunden ist

Der Schlüssel war Frankls Buch   "Trotzdem Ja zum Leben sagen"

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Walter Kohl, Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers in Fürstenfeld.

Fürstenfeldbruck  - Im Rahmen des Jubiläumskongresses des Süddeutschen Institutes für Logotherapie & Existenzanalyse nach Viktor Frankl, anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Institutes in Fürstenfeldbruck, hat Walter Kohl, Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers, einen bemerkenswerten Vortrag gehalten.

 Unser Mitarbeiter Georg Johannes Miller hat mit ihm dazu folgendes Interview geführt.

Herr Kohl, seit wann sind Sie der Logotherapie nach Viktor Frankl verbunden und wie sind Sie dazu gekommen?

Walter Kohl: Ich habe die Logotherapie 2002 entdeckt. Der Schlüssel war Frankls Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“, in dem er seine Erfahrungen als KZ Häftling in Theresienstadt, Auschwitz und Dachau beschreibt und verarbeitet. Dieses Buch hat mein Leben verändert und ich empfehle es in jeder meiner Veranstaltungen. Frankls Klarheit und seine Fähigkeit die Kraft des Sinns, des „Wofür“ zu beschreiben, hat mich in meiner tiefen Lebenskrise nach der Parteispendenaffäre, dem Freitod meiner Mutter sowie der Scheidung meiner ersten Ehe in den Jahren 2000 und 2001 aus akuter Suizidgefährdung auf einen neuen Lebensweg geführt.

 Kreisbote: Was ist für Sie persönlich das Besondere an der Logotherapie?

Walter Kohl: Logotherapie heißt sinnzentrierte Lebensführung. Sinn entsteht in der Liebe zu einem Menschen und / oder in der Hingabe zu einer Sache. Sinn muss immer lebensfördernd sein, denn er dient dem Frieden und dem Gemeinwohl, also dem Wohl der Anderen und uns selbst. Diktaturen, Despotismus und Gewaltherrschaft sind laut Frankl Feinde des Sinns, da sie das Eigeninteresse in den Vordergrund stellen und nicht das Gemeinwohl. Besonders gefällt mir die Idee, dass Sinn ein dynamisches Konzept ist. Jeder Lebensabschnitt, jede unserer Rollen, ob als Vater, Mutter, Partner, Chef oder Mitarbeiter in einer Firma, oder ob als Freund, hat ihre Sinnfrage. Wir sind immer wieder aufgefordert, unsere Beziehungen sinnhaft zu gestalten und somit zu Gestaltern unseres Lebens zu werden.

Kreisbote: Was kann Ihrer Meinung nach die Logotherapie in unserer Gesellschaft verändern?

Walter Kohl: Sehr viel, denn sie schafft ein hohes Maß an persönlichem Verantwortungsbewusstsein und setzt den Fokus auf das Gemeinwohl. Unsere heutige Realität sieht leider ganz anders aus. Ich denke, dass das Gefühl für Verantwortung in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft in den letzten Jahren verloren gegangen ist und durch ein Prinzip „die anderen sollen für meine Fehler geradestehen“ ersetzt worden ist. Das erleben wir in nationalen Großprojekten wie dem Flughafen Berlin, Stuttgart 21 oder der Elbphilarmonie in Hamburg aber auch in dem katastrophalen Management der EURO Krise in Bezug auf Griechenland, in der aktuellen Zinspolitik der EZB oder der Rentenlüge.

 Kreisbote: Was wünschen Sie sich persönlich für eine bessere Welt?

 Walter Kohl: Das Leben ist kein Wunschkonzert und es ist naiv sich einfach eine bessere Welt zu wünschen. Ich denke, jeder ist aufgerufen, in seinem Rahmen das ihm Mögliche zu tun und dazu gehören insbesondere Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und – im Frankl’schen Sinne - Sinnhaftigkeit. Wenn sich jeder hier bemüht, dann wird die Welt besser. Aber dazu müssen wir anpacken, handeln und nicht passiv rumsitzen und abwarten.

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