Wasserknappheit auf der Trauminsel Mauritius - Gaby Grassl vom Veranstaltungsforum Fürstenfeld besuchte ihre Verwandten

Gaby Grassl, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Veranstaltungsforum Fürstenfeld, bei ihrem Besuch auf Mauritius beim "Ritt" auf einer Riesenschildkröte. Fotos: priv

Jeder kennt sie: Die berühmte „Blaue Mauritius“, eine der wertvollsten Briefmarken der Welt. Noch heute sind die Briefmarken von Mauritius, einer Trauminsel im Südwesten des Indischen Ozeans, 1700 km von der afrikanischen Küste entfernt, ungefähr so groß wie Berlin – weltberühmt. Mauritius entwickelte sich außerdem zu einer Luxus-Destination im internationalen Tourismus. Doch die exotische Insel, in der verschiedenste Nationalitäten und Religionen friedlich zusammenleben, ist von einem großen Problem betroffen: den knappen Wasserressourcen. Mit La Réunion zählen die Inseln Mauritius und Rodrigues zu den Maskarenen.

Gaby Grassl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Veranstaltungsforums Fürstenfeld, kennt Mauritius aus Sicht der einheimischen Bevölkerung, denn dort hat ihre Cousine mit ihrem in Mauritius geborenen Ehemann und der Familie ein Touristikunternehmen (Vermietung von Ferienhäusern, Appartements, Bootstouren, Fuhrpark) aufgebaut. Als die Fürstenfeldbruckerin nach den Weihnachtsfeiertagen wieder vom Flughafen Mahebourg, nahe der Hauptstadt Port Louis in Richtung Europa abhob, wurde erneut vor einem Zyklon gewarnt, der zwar häufig Furcht und Schrecken verbreitet, aber meistens auch den ersehnten Niederschlag bringt: Denn die Wasserpreise sind schon wieder um 35 % gestiegen. Wie wirkt sich die Wasserknappheit auf der Insel aus? Gaby Grassl: Die Touristen in den Luxus-Ressorts auf Mauritius werden das Wasserproblem kaum bemerken, die Einheimischen jedoch, besonders im Norden der Insel, müssen ständig damit kämpfen: Stundenweise wird die Wasserleitung gesperrt, dabei fallen angesichts des feuchtwarmen tropischen Klimas Berge von Wäsche an und man muss dann zum richtigen Zeitpunkt die Waschmaschine oder die Geschirrspülmaschine anstellen. Wasser für die Toilettenspülung entnehmen die begüterten Privathaushalte aus dem Swimmingpool, und zum Zähneputzen wird zur Not auch Mineralwasser benutzt. In Mauritius leben verschiedene Ethnien und Anhänger verschiedener Religionen friedlich zusammen? Gaby Grassl: Rund die Hälfte der Bevölkerung gehören dem Hinduismus an, ein Drittel sind Christen, etwas weniger sind Muslime – meist Schiiten, eine Minderheit sind Buddhisten. Die britischen Kolonialherren, die nach den Portugiesen, Niederländern und Franzosen die Herrschaft übernahmen, haben Inder für die Arbeiten auf den Zuckerrohrfeldern auf die Insel geholt, nachdem der Sklavenhandel abgeschafft worden war. 1968 wurde Mauritius vom Commonwealth unabhängig. Interessant ist die Tatsache, dass das britische Colonial Office jüdische Flüchtlinge vor der Verfolgung durch Internierung in einem früheren napolionischen Gefängnis bei Port Louis bewahrte. Erst nach 1948 endete die Odyssee und sie durften endlich nach Palästina ausreisen, die Gräber der auf Mauritius verstorbenen Juden kann man noch heute auf dem dortigen Jüd. Friedhof sehen. Gibt es ausländische Investoren auf der Insel? Gaby Grassl: Die Bekleidungsindustrie – begehrt sind auch Cashmere-Produkte – ist seit Jahrzehnten fest in chinesischer Hand, ansonsten sind internationale Investoren im Land tätig, auch aus Deutschland. Auch die Produktpiraterie ist ein Thema. Neuerdings gibt es ein Opernfestival auf Mauritius, und es wurden auch schon Leichtathletik-Afrika-Meisterschaften dort veranstaltet. Welche Sprachen werden in Mauritius gesprochen? Gaby Grassl: Ich kenne Einheimische, die aus der Zeit, als Italien Frauen aus Mauritius anwarb um sie zu Krankenschwestern auszubilden, Verwandte in Italien haben oder in anderen Staaten. Man staunt, wie selbstverständlich selbst schon Kinder von einer Sprache in die andere wechseln. Hauptsprache ist Englisch, daneben gibt es noch diverse Sprachen, wie vor allem Kreolisch oder Sprachen aus Südindien und weiterhin Französisch, das insbesondere die Oberschicht beherrscht. Welche Küche findet man auf Mauritius und woher kommen die Lebensmittel? Gaby Grassl: Milch und Milchprodukte werden aus Frankreich importiert, da Mauritius nicht über eine eigene Produktion verfügt. Auf der Insel wird wegen der beliebten Currys vor allem Geflügelzucht betrieben, man sieht aber auch Ziegen, ebenso gibt es Wildschweine und Hirsche. Im La Vanille Crocodile Park kann mit Riesenschildkröten und Reptilien aller Art bewundern sowie über 100 Vogelarten. Im Süden werden Bananen angebaut. Zuckerrohr spielt nach wie vor eine Hauptrolle, aber die Preise fallen, weil das frühere EU-Abkommen ausläuft. Somit ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle. Neben Luxus-Hotels kann man auf der Insel, besonders im noch sehr ursprünglichen Süden, auch Blechhütten sehen, in denen die ärmere Bevölkerungsschicht lebt. Welche landschaftlichen Höhepunkte erleben die Touristen auf Mauritius? Und wie feiert man dort Weihnachten, das ja in den relativ trockenen Sommer fällt, der von November bis Mai geht? Gaby Grassl: Besonders gut gefallen mir die Vulkanberge, das Korallenriff mit seinem bunt schillernden Fischreichtum und die Südküste, wo schroff-bizarre Berge mit ihren Ausläufern als spitze Landzungen zerklüftet im Meer enden sowie der weithin sichtbare, markante Berg „La Morne Brabant“ – jetzt Weltkulturerbe. Unbedingt ansehen sollte man auch die Tempel des „Grand Bassin“, eine der bedeutendsten Hindustätten außerhalb Indiens, wo sich alljährlich im Februar zum Pilgerfest bis zu 300.000 Gläubige versammeln. Sehr lohnenswert ist auch ein Ausflug zur „Farbigen Erde“ von Chamarel, ein weltbekanntes Naturphänomen oder der Black River Georges National Park, um nur einige Highlights zu erwähnen. Weihnachten wird auf Mauritius im Kreise der Großfamilie sehr fröhlich gefeiert, mit tagelangem Feuerwerk, bis über Neujahr hinaus. Die Kinder werden, anders als in Deutschland, am 1. Weihnachtsfeiertag beschenkt, die Erwachsenen müssen bis Neujahr warten. Es wird gut und variantenreich gegessen, viel gelacht und Sega getanzt bis in die frühen Morgenstunden. Diese Atmosphäre habe ich sehr genossen! Interview: Hedwig Spies

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