Richard Oetker bei Weisser Ring Jubiläumsfeier im Landratsamt

Hilfe für Verbrechensopfer

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Blumen zum 20-jährigen Bestehen des Weissen Rings im Landkreis FFB: Außenstellenleiterin Charlotte Hofmann und Manfred Hofmann, Landesvorsitzender des Landesbüros

Fürstenfeldbruck – Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Weissen Rings Fürstenfeldbruck und des 40-jährigen Jubiläums Weisser Ring e.V. Deutschland, fand am 20. Oktober eine große Feier im Landratsamt statt. Die Veranstaltung, zu der Martina Drechsler als stellvertretende Landrätin alle Gäste herzlich begrüßte, stand unter der Schirmherrschaft des 1. Viezepräsidenten des bayerischen Landtags, Reinhold Bocklet. Hauptredner des Abends war Richard Oetker, der 1976 selbst Opfer einer Entführung wurde.

Die heute größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität wurde am 24. September 1976 in Mainz von 17 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen - darunter der bekannte Journalist und Moderator von ,,Aktenzeichen XY..ungelöst“ Eduard Zimmermann. ,,Damals wie heute steht der Weisser Ring dafür, den Opfern eine Stimme zu geben“, sagt Charlotte Hofmann, Außenstellenleiterin beim Weissen Ring im Landkreis Fürstenfeldbruck. ,,Bis in die 70ger Jahre wurden Verbrechensopfer kaum wahrgenommen. Sie mussten mit den Konsequenzen selber fertig werden. Heute ist die Situation dank des Weissen Rings schon viel besser geworden“. Der Weissen Rings hat es sich zur Aufgabe gemacht, die rechtliche und soziale Situation von Kriminalitätsopfern zu verbessern. Auch im Strafprozess haben Opfer mehr Rechte als früher und auch die finanzielle Unterstützung seitens des Staates hat sich verstärkt.

Im Landkreis konnten derzeit ca. 10 ehrenamtliche Mitarbeiter schon viel bewegen und etwa 2000 Menschen in Not mit Rat und Tat zur Seite stehen. Seit seiner Gründung finanziert der Verein Weisse Ring seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Höhepunkt des Abends war die Festansprache des Unternehmers Richard Oetker, der nach seiner Entführung vor 40 Jahren Beisitzer im Vorstand Weisser Ring wurde. Am 14. Dezember 1976 wurde der damals 25-jährige Student vom Parkplatz der Uni Weihenstephan in Freising entführt. Er wurde in einer 1,45 m langen und 70 cm breiten Holzkiste, die sich im Inneren eines Lieferwagens befand, gefangen gehalten. Bei seiner Größe von 1,94 m konnte er darin nur in Embryonalhaltung liegen. In der Kiste befand sich eine Sprechanlage und über die an Händen und Füßen angebrachten Handschellen wurden ihm mittels eines akustisch gesteuerten Gerätes Stromschläge versetzt, falls er versuchte zu schreien oder auszubrechen. Aufgrund eines Versehens durch den Täter wurde diese Einrichtung ausgelöst, so dass Richard Oetker dadurch fast getötet wurde. Durch die Muskelspasmen wurden etliche Brustwirbel sowie beide Oberschenkelhälse gebrochen. Vor allem wegen der Schädigung der Lunge durch das ununterbrochene beengte Liegen bestand Lebensgefahr. Insgesamt dauerte die Entführung 47 Stunden. Es wurde ein Rekord-Lösegeld von 21 Millionen DM gezahlt. Bis heute wird der Fall Oetker noch bei Entführungen von Industriellen und Unternehmen zum Vergleich herangezogen.

Nicole Burk

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