Ein weiterer Wettlauf zum Südpol – 100 Jahre nach Amundsen und Scott maßen sich zwei TV-Teams von ZDF und ORF 2010/2011

Für Dennis Lehnert, z.Z. noch stationiert im Brucker Fliegerhorst, waren die Stiefel und eine hervorragend temperierte Windjacke die wichtigsten Begleiter auf dem Weg zum Südpol. Foto: Günter Schäftlein

Dennis Lehnert, 31, Teilnehmer des deutschen Teams um TV-Moderator Markus Lanz auf dem inszenierten Skimarsch über die letzten 400 Kilometer zum geografischen Südpol, stellte jetzt auf Einladung der vhs Mammendorf seine Erinnerungen und fotografischen Eindrücke in der Mammendorfer Schule vor: Elf Tage durch Kälte und viel Wind, gleißende Wintersonne und zu viert im kleinen 2x2m-Zelt, im Dezember und Januar 2010/2011.

Diese anstrengenden Tage - so der Brucker Luftwaffenoffizier und Triathlet Dennis Lehnert - waren eine sportliche Herausforderung und eine psychische Bewährungsprobe, aber keine gefährliche Angelegenheit. Dazu hat Markus Lanz im später ausgestrahlten ZDF-Beitrag manchmal ein wenig überzogen kommentiert. Er habe auch nie die Führung der deutschen Gruppe mit den weiteren Teilnehmern Claudia Beitsch, Biotechnik-Ingenieurin, und Joey Kelly von der Kelly-Familie, Extrem-Sportler, übernommen. Das war Angelegenheit von Dennis. Dass sie den Zeitlauf gegen Team Österreich um den bestimmenden „Herminator“ Hermann Maier als Skilegende nicht gewinnen konnten, lag schlicht und einfach daran, dass die Deutschen auf Wunsch des Südtirolers Lanz zu häufig und zu lange Laufpausen einlegten. Schlußendlich waren die Österreicher um glatte 46 Stunden eher am Ziel. Aber - und das betont der Sportsmann Lehnert - das alles war mit den freundschaftlich verbundenen Österreichern ein Erinnerungsmarsch über einige Tage. Kein Vergleich mit den Entfernungen, der Ausrüstung, den technischen Möglichkeiten, den monatelangen Strapazen der gegeneinander angetretenen Polarforscher Roald Amundsen und dem Briten Robert Falcon Scott, der am 18.01.1912 und erst vier Wochen nach dem Norweger den Südpol erreichte: Er starb elendig auf dem Rückmarsch Ende März. Dennis Lehnert, Nicht-Schiläufer, musste sich zuerst an dieses Fortbewegungsmittel (mit Fellen) gewöhnen und einen rund 70 Kg schweren Gepäckschlitten ziehen - wie alle anderen auch. Auch die tapfere Claudia, die deswegen beinahe schon in den ersten Tagen aufgegeben hätte und viel psychologische Aufmunterung brauchte. Vor dem 400-Km-Endspurt hatten die Teilnehmer beider Gruppen einen 120 Km langen Erprobungs-Treck zur Akklimatisierung hinauf auf über 2000 m absolviert, ausgehend von 600 m Meershöhe (= Eisstärke). Notwendig, da das antarktische Inland-Plateau luftgewöhnungsbedürftig auf bis 3000 m Meereshöhe liegt und der permanente Wind durchschnittlich mit 40 bis 50 km/h daherkommt und auch Spitzengeschwindigkeiten von 100 km/h erreicht. Man war froh über einen gelaufenen Stundenschnitt von 3 Km, mit Tagesleistungen von minimal 27 und maximal 43 Km und beschleunigte später seine Gleitfähigkeit, in dem man die hindernden Schifelle kürzte. Ganz wichtig bei 15 Grad minus die Bekleidungsfrage: Ein An- und Ausziehen im munteren Wechsel, um bloß nicht ins Schwitzen zu kommen. Gegen die enorme Sonneneinstrahlung hatte man sorgfältigst Augen und Gesichtshaut zu schützen; jeder nicht bedeckte qcm wurde umgehend bestraft. Die Nasenspitze war höchst vereisungsgefährdet. „Wir mussten zum Kräfteausgleich sehr viel essen. Vor allem Schweizer Müsli. Fast bis zum Erbrechen!“ Problematisch auch das Schlafen auf so wenig Fläche im Zelt zu viert. „Alle hatten Schlafdefizite zu verkraften.“ Wenn der Wind zu stark zum Laufen war, wurden die Stunden im Zelt sehr lang. „Wenn dann auch noch der Gesprächsstoff ausgeht, kann ein ständiger Kommentator und Selbstdarsteller wie Markus Lanz ganz schön nerven …“ Dennis Lehnert war der Frontläufer und führte das komplette Team (die Österreicher hatten einen Mann verloren) dank seines verlässlichen Südhalbkugel-Kompasses („Von Bittl!“) am 31. Dezember 2010 an den geografischen Südpol und damit zum wissenschaftlichen US-Stützpunkt „Amundsen“. Hier traf Lehnert sogar einen Landkreisbürger: Robert Schwarz aus Alling. Leider gab es hier nach der Besichtigung der Stützpunkt-Container kein Nachtquartier. „Die wollten keine Touristen aufnehmen.“ Und so musste man erneut 200 m entfernt wieder das Zelt aufschlagen und draußen mit den Österreichern feiern. Am nächsten Tag hisste der Luftwaffenoffiziert Lehnert die deutsche und bayerische Flagge an der ausgewiesenen „Südpol-Stange“. Sie muß immer wieder versetzt werden, da das Eis wandert. Der stark abgemagerte Dennis blieb danach noch zwei Wochen antarktisch, regenerierte sich schnell mit sehr viel Schokoriegeln und von einigen Hautblessuren und fand abschließend das Leben an der Küste in einer russischen Forschungsstation dank Wodka und viel Sauna einfach lebenswerter.

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