Interview mit dem Vorsitzenden der Westallianz-Zweckverbands sowie Dagmar Hendorfer, Geschäftsführerin des Zweckverbandes

Die Westallianz hat viele Projekte am Laufen

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  Die Westallianz hat viele Projekte auf den Weg gebracht, sagen Dagmar Hendorfer, die Geschäftsführerin der interkommunalen Vereinigung und Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe, der Vorsitzende des Westallianz-Zweckverbands.

Maisach/Dachau - Die Westallianz ist eine kommunale Vereinigung von sechs Gemeinden, die an den Autobahnen A8 und A99 liegen. Dazu gehören mit Karlsfeld, Bergkirchen, Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen an der Glonn fünf Kommunen aus dem Landkreis Dachau. Aus dem Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck engagiert sich Maisach in der Westallianz. Rund 50.000 Menschen leben in den Gemeinden. Jede der Kommunen betreut ein Themengebiet: Karlsfeld „Wirtschaft und Siedlungsentwicklung“, Bergkirchen die Bildung, Maisach kümmert sich um Energie, Sulzemoos um die Kultur. In Odelzhausen werden Verkehrsfragen behandelt und Pfaffenhofen leitet die Tourismus-Arbeitsgruppe.  „Die Westallianz hat viele Projekte am Laufen“ Ein Interview mit Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe, dem Vorsitzenden der Westallianz-Zweckverbands, sowie mit Dagmar Hendorfer, der Geschäftsführerin des Zweckverbands

 

Die Westallianz ist eine kommunale Vereinigung von sechs Gemeinden, die an den Autobahnen A8 und A99 liegen. Dazu gehören mit Karlsfeld, Bergkirchen, Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen an der Glonn fünf Kommunen aus dem Landkreis Dachau. Aus dem Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck engagiert sich Maisach in der Westallianz. Rund 50.000 Menschen leben in den Gemeinden. Jede der Kommunen betreut ein Themengebiet: Karlsfeld „Wirtschaft und Siedlungsentwicklung“, Bergkirchen die Bildung, Maisach kümmert sich um Energie, Sulzemoos um die Kultur. In Odelzhausen werden Verkehrsfragen behandelt und Pfaffenhofen leitet die Tourismus-Arbeitsgruppe.

Kreisbote: Vor sechs Jahren fanden die ersten Vorgespräche zur Westallianz statt, seit gut vier Jahren ist die interkommunale Vereinigung aktiv. Nach anfänglicher Skepsis – auch in den einzelnen Gemeinden – entwickelte sich eine regelrechte Aufbruchstimmung. Wo steht die Westallianz heute? Stefan Kolbe: Wir haben inzwischen eine vernünftige Rechtsform gefunden: Seit einem Jahr agiert die Westallianz als Zweckverband. Die vielen Projekte, die wir am Laufen haben, benötigen eine klare Struktur. Als Gesellschaft bürgerlichen Rechts, als die wir zuvor agierten, sind komplexe Vorhaben nicht abwickelbar. Der Prozess hat eine Weile gedauert, doch jetzt sind wir gut aufgestellt, auch personell mit unserer Geschäftsführerin Dagmar Hendorfer.

 Dagmar Hendorfer: Wir mussten viele juristische und steuerliche Aspekte klären, gerade im Hinblick auf die Bildungsakademie.

Kreisbote: Die Bildungsakademie, die von Bergkirchen gemanagt wird, war als erstes Leuchtturmprojekt gedacht. Haben sich diese Erwartungen erfüllt? Stefan Kolbe: Wir haben hier sowohl bei der Ausbildung als auch bei der Fort- und Weiterbildung angesetzt. So bereiten wir zurzeit mit der TH Ingolstadt einen Dualen Bachelor-Studiengang zum „Management in Gesundheits- und Sozialberufen“ vor – ein sehr viel versprechendes Projekt! Dagmar Hendorfer: Ende Juli erscheint außerdem die zweite, aktualisierte Auflage unseres „Ausbildungskompasses“ – ein dicker Katalog, in dem sich rund 50 Ausbildungsbetriebe aus dem Bereich der Westallianz vorstellen. Das Werk wird an allen relevanten Schulen der Westallianz kostenfrei verteilt.

Kreisbote: Was kostet es einen Betrieb, wenn er sich dort präsentieren will? Stefan Kolbe: Nur 50 Euro Druckkostenbeteiligung. Kostengünstigere Werbung gibt es wirklich nicht!

Kreisbote: Was hat es mit der „Ausbildungsrallye“ auf sich? Wer soll daran teilnehmen? Dagmar Hendorfer: Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufe. Am 28. Juli wollen wir mit den Siebtklässlern der Realschule Odelzhausen einige Ausbildungsbetriebe in der Region besuchen. Der Hintergrund: In der achten Klasse haben Realschülerinnen und Realschüler ein Betriebspraktikum zu absolvieren. Stefan Kolbe: So können die Jugendlichen die Luft der Arbeitswelt schnuppern – und zwar in genau in den Unternehmen, die auch Praktikumsplätze anbauen. Dagmar Hendorfer: Im Herbst werden wir die gleiche Aktion mit der Realschule in Maisach durchführen.

Kreisbote: Der Themenbereich „Energie“ ist in Maisach angesiedelt. Was wurde hier unternommen? Dagmar Hendorfer: Im vergangenen Jahr konnten wir zwei Schulprojekte mit dem Energieexperten Willy Kirchensteiner in Gernlinden und Bergkirchen durchführen. Im Augenblick arbeiten wir an einem „Energieflyer“, der über den Ausbau der regenerativen Energien im Westallianz-Gebiet informiert. Er enthält auch Energiespartipps und soll noch in diesem Jahr erscheinen.

Kreisbote: „Verkehr“ ist ein weiteres wichtiges Thema im Westallianz-Verbund. Auf der Autobahn A8 soll eine Schnellbus-Linie entstehen: „Von Pasing nach Dasing“, die den dort fehlenden S-Bahn-Arm quasi ersetzen soll. Wie weit sind die Bemühungen gediehen? Stefan Kolbe: Das hakt, weil der Landkreis Aichach-Friedberg nicht so mitzieht. Wir setzen jetzt auf der anderen Seite an: Kürzlich habe ich einen Brief an den Münchner OB Reiter geschrieben und ihm das Vorhaben geschildert. Die Landeshauptstadt muss ja froh sein, um jedes Auto, das nicht in ihr Gebiet einfährt.

Kreisbote: Ist an Zubringerbuslinien aus Kommunen wie Gröbenzell, Olching, Maisach oder Egenhofen gedacht? Stefan Kolbe: Das hängt vom letztendlichen Ausbau der Schnellbus-Linie ab. Darüber kann man jetzt noch nichts sagen.

Kreisbote: Im Mai des vergangenen Jahres stellte die Westallianz das Pendlernetzwerk „Gufi“ („gemeinsam unterwegs, fahr intelligent“) vor, zusammen mit dem ADAC. Wie hat sich das Projekt entwickelt? Stefan Kolbe: Das muss man erläutern: Bei „Gufi“ handelt es sich um eine Mitfahrzentrale auf Basis einer ADAC-Datenbank. Ziel ist es, Fahrgemeinschaften zu initiieren – egal ob für eine Einzelfahrt oder längerfristig konzipierte Gemeinschaften. Zum Beispiel für Fahrten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck zu den großen Arbeitgebern im Münchner Norden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Fahrtkosten sinken, der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß ebenfalls. Dagmar Hendorfer: Das Projekt entwickelt sich eigentlich ganz gut, doch unsere Basis an Fahrangeboten ist immer noch sehr klein. Daher hier ein Aufruf an Ihre Leserinnen und Leser: Schauen Sie sich das Projekt auf unserer Homepage (www.westallianz-muenchen.de) an und testen Sie es aus!

Kreisbote: „Gufi“, aber auch andere Westallianz-Vorhaben, machen ja nicht an den Landkreisgrenzen Halt. Mit Maisach ist bereits eine Brucker Kommune Mitglied des Verbundes. Wie sieht es mit weiteren Interessenten aus anderen Landkreisen aus, speziell aus Fürstenfeldbruck? Stefan Kolbe: Zurzeit sind wir in aussichtsreichen Gesprächen mit der Gemeinde Gröbenzell. Mein Kollege Martin Schäfer steht dem Projekt positiv gegenüber. Im Herbst wollen die Westallianz im Gröbenzeller Gemeinderat vorstellen. Dagmar Hendorfer: Die Synergieeffekte liegen auf der Hand. So verfügt Gröbenzell ebenso über einen Wirtschaftsförderer wie wir hier in Karlsfeld. Gemeinsame Aktionen bieten sich geradezu an.

Kreisbote: Haben Sie noch einmal etwas aus Egenhofen gehört? Vor zwei Jahren stellten Sie das Projekt zusammen mit Maisachs Bürgermeister Hans Seidel dem dortigen Ortsparlament vor. Stefan Kolbe: Überraschenderweise nicht. Ich habe läuten hören, dass einige Egenhofener Kommunalpolitiker von der mutmaßlichen Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen an der Glonn irritiert waren. Aber ich kann Ihnen versichern: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. In der Westallianz arbeiten die drei Kommunen weiterhin hervorragend zusammen.

Kreisbote: Die Westallianz hat sich auf die Fahne geschrieben, die Standortvorteile der Region offensiv zu vermarkten. Was leistet die Allianz bei der Bewerbung von Gewerbegebieten? Wo liegt der Mehrwert der Mitgliedschaft? Stefan Kolbe: Wir bieten unseren Mitglieder mit unserer Homepage und den zahlreichen Veranstaltungen eine zusätzliche und medienwirksame Möglichkeit, sich positiv darzustellen. Zusammen ist man einfach stärker als alleine. Im Falle von Karlsfeld kann ich sagen: Wir erhalten ja viel mehr Anfragen von Firmen, die sich im Münchner Umfeld ansiedeln wollen, als wir Flächen haben. Klar, dass wir die innerhalb der Westallianz weiter vermitteln.

Kreisbote: Themenwechsel. „Freizeit“ ist der dritte Säule der Westallianz. Die Arbeitsgruppe „Tourismus“ wird vom Pfaffenhofener Bürgermeister Helmut Zech gemanagt. Dessen Vorzeigeprojekt ist der „Räuber-Kneissl-Radweg“ (ein Radweg von Maisach durch den Westen der beiden Landkreise bis Karlsfeld). Er soll Münchnerinnen und Münchner ins Dachauer und Brucker Land locken. Wann können wir mit den Münchner Massen rechnen? Stefan Kolbe (lacht): Ob es Massen werden, weiß ich nicht. Wir hoffen, dass im Frühjahr 2018 die ersten Münchner durch unsere schöne Landschaft radeln werden – und natürlich in unseren wunderbaren Gastwirtschaften einkehren werden. Dagmar Hendorfer: Die Projektskizze steht. Die Beantragung der Fördergelder sollte im Herbst über die Bühne gehen. Im kommenden Jahr wollen wir das Projekt dann umsetzen.

Kreisbote: Zur Freizeit gehört Kultur. Wie gestaltet sich die Kooperation mit dem Verein „Kult A8“, der ja sehr aktiv ist? Stefan Kolbe: Hervorragend! Das Programm ist sehr attraktiv. Darunter finden sich viele Highlights im gesamten Westallianz-Gebiet. Dagmar Hendorfer: So stellt zum Beispiel das Trio Francel, Sterzer und Binder am 9. August in der Furthmühle seine CD „Abenteurer“ vor, am 11. September gibt das Munich Swing Orchester ein Konzert im Gut Schloss Sulzemoos. Am 19. November ist Luise Kinseher in Maisach zu sehen. Das gesamte Programm finden Sie auf www.kult-a8.de.

Kreisbote: Abschlussfrage: Wo steht die Westallianz in fünf Jahren? Stefan Kolbe: Wir werden eine feste Größe in der Region sein. Weitere Beitritten speziell aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck würden wir begrüßen. Unsere Bildungsakademie kann ein breites Angebot vorweisen. Und mit etwas Glück rollt der Schnellbus auf der Autobahn A8. Wenn nicht nach Dasing, so doch zumindest bis Odelzhausen.

Horst Kramer

 

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