Kritiker der Windkraft signalisierten Klagebereitschaft 

Landrat Karmasin und Windkraft-Befürwortern bläst Gegenwind ins Gesicht 

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Landrat Thomas Karmasin, Reinhilde Leitz und Christian Obojkovits von Abteilung Bau und Umwelt des Landratsamtes diskutierten mit den Interessengemeinschaften sowie den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen über das Windkraftkonzept im Landkreis

Fürstenfeldbruck – Noch dreht sich kein ca. 200 Meter hohes Windrad geschweige gar eine Windparkanlage im Brucker Landkreis. Der Gegenwind, der Landrat Thomas Karmasin und den Befürwortern für ein gemeinsames landkreisweites Windkraftkonzept bei der Diskussion am 5. November entgegen blies, glich schon eher einem kräftigen Sturm.

Die Kritiker signalisierten sogar Klagebereitschaft. Seit längerer Zeit werden die Diskussionen zur Windkraft im Landkreis bekanntlich intensiv geführt und viele Argumente stehen im Raum. Vor diesem Hintergrund hatte Karmasin die Interessengemeinschaften zur Windkraft, die Bürgermeister der betroffenen Kommunen, den Verein Ziel 21 sowie den Umwelt- und Energiereferenten des Kreistags, Kreisrat Max Keil, ins Landratsamt zu einem offenen Dialog in den großen Sitzungssaal eingeladen.

 Mit zum Hauptdiskussionspunkt avancierten die im Teilflächennutzungsplan ausgewiesenen sogenannten privilegierten Flächen, auf denen Windkraftanlagen laut Gesetz nicht verhindert werden können. Durch die vom Landratsamt darüber hinaus ermittelten Konzentrationsflächen reduziert sich die Fläche nochmals. Nach den gesetzlichen Bestimmungen müssen 20 Prozent der privilegierten Flächen für die Windkraft vorgehalten werden, alles darunter könnte schon in Richtung Verhinderungsplanung laufen, gab Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz zu bedenken.

 Der Grafrather CSU-Ortsvorsitzende Dr. Gerald Kurz hält das Verfahren für lückenhaft und will es, falls erforderlich, gerichtlich zu Fall bringen. Dr. Kurz erhob u. a. den Vorwurf, dass bei der Ausarbeitung des Konzeptes veraltete Erhebungen aus dem Bereich des Artenschutzes verwendet sowie Belange des Denkmalschutzes gar nicht berücksichtigt wurden. Der Landkreis sollte darüber hinaus auf eine landkreisweite Steuerung verzichten, denn nur dann würden weniger Windkraftanlagen im Landkreis entstehen, so Dr. Kurz. Die Regierung von Oberbayern halte die vorhandenen Daten für ausreichend, um die Planungen weiter zu verfolgen, sagte Leitz  und gab zu bedenken, dass mit der Planung noch keine Windräder genehmigt, sondern erst einmal die theoretisch denkbaren Flächen festgelegt werden. Unterstützung erhielt Leitz vom Bauabteilungsleiter Christian Obojkovits. Das Verfahren sei korrekt, und es seien auch die aktuellen Zahlen der Artenschutzkartierung verwendet worden. Die Regierung von Oberbayern habe keine weiteren Untersuchungen dazu gefordert. 

Zu den beanstandeten Abständen zu Baudenkmälern teilte Leitz mit, dass das Landesamt für Denkmalschutz noch im November das Landratsamt besucht. Dabei könnten sich die Konzentrationsflächen nochmals reduzieren, wenn die Abstände beispielweise zum Kloster in Grafrath, zur St. Willibalds-Kirche in Jesenwang oder zum Kloster Spielberg vergrößert werden sollten. Bevor sich Mammendorfs Bürgermeister Johann Thurner aus der Diskussion ausklinkte, weil er zur Gemeinderats-Sitzung musste, appellierte er an die Skeptiker im Saal: „Ich warne alle davor, diesen Plan nicht weiter auszubauen. Ich appelliere an alle: Machen wir nicht den Fehler, den Plan nicht gutzuheißen.“ 

Zum Schluss glaubten bei einer Abstimmung nur noch drei der ca. 40 Diskussionsteilnehmer, dass die Kreisplanung mehr Windräder ermögliche, als die Privilegierung. Sollte durch ein Normenkontrollverfahren die Kreisplanung zu Fall gebracht werden, dann dürften auf allen privilegierten Flächen im Landkreis Windkraftanlagen gebaut werden. 

Kreisumweltreferent Max Keil: „Seit zehn Jahren kämpfen wir mit Ziel 21 für erneuerbare Energien im Landkreis. Ich bin ein großer Befürworter der interkommunalen Zusammenarbeit. Heute habe ich gehört, welche Probleme aufgetaucht sind und bin auch da froh, dass es eine Zusammenarbeit gibt. Ich appelliere an alle Beteiligten, konstruktiv weiter zusammenzuarbeiten. Ich bin froh, dass es so viele Bürger gibt, die sich engagieren.“ 

 Dieter Metzler

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