Wolkenkratzer und Eine-Kuh-Betriebe – Zurück aus Baku – Senior Expert Heinz Gerrits im Einsatz im Kaukasus-Land Aserbaidschan

Regierungsgebäude aus der Zeit der UdSSR in Baku. Alle Fotos: Heinz Gerrits

Aserbaidschan, zwischen dem Kaspischen Meer und dem Kaukasus gelegen, bekannt durch seine Öl- und Gasvorkommen und die Konfliktherde Bergkarabach und Armenien, ist im Mai 2012 bemüht um weltweite Aufmerksamkeit beim Großereignis European Song Contest. Der Senior Expert und Molkerei-Fachmann Dipl.-Ing. Heinz Gerrits von den "Freunden der Luftwaffe" aus Fürstenfeldbruck kehrte soeben aus dem aufstrebenden Baku zurück – von einem Einsatz in der Molkerei für den Lebensmittel-Konzern AZERSUN in Kurdamir im armen Hinterland. Diesmal produzierte der Molkerei-Experte einen Tilsiter-Käse, Rührjoghurt und Quark. Deutsche Molkereiprodukte liegen in den luxuriösen Geschäften der Hauptstadt Baku aus, deren Skyline mit inzwischen 800 Hochhäusern schemenhaft an New York erinnert, während im ärmlichen Hinterland Selbstversorger nach früherem russischen Vorbild ihre einzige Kuh hüten. Aserbaidschan, das über reiche Öl und Gas-Vorkommen verfügt, beliefert neuerdings Deutschland als einziges Land im Kaukasus mit Gas.

Die Farm der Milk Plant Kurdamir von GEA Deutschland in Aserbaidschan sei mit der Holsteiner-Rasse falsch aufgestellt, findet Gerrits. Warum sind die Holsteiner die falsche Rasse für den Betrieb mit 200 Milchkühen der Milk Plant Kurdamir von GEA Deutschland, den Sie in Aserbaidschan beraten haben? Heinz Gerrits: Fleckvieh als berwährte Rasse in Süddeutschland, Österreich und Schweiz ist eine deutlich resistentere Rasse, ein besseres Zweinutzenrind mit gutem Fleisch und ausreichender Milchleistung d.h. weniger in Richtung "Turbokuh" und in Azerbaidschan mit hoher Temperatur im Sommer sowie insbesondere schlechter Qualifikation des Personals denke ich, dass Fleckvieh besser wäre.. Was können Sie zur Qualität der Rohmilch sagen, die Sie dort in Aszerbaidschan untersucht haben? Heinz Gerrits: Derzeit ist die Qualität der Rohmilch mit durchschnittlich 20- 30 000 Keimen /ml als gut zu bezeichnen im Gegensatz zu dem, was von den Kleinbauern im Sommer zu erwarten wäre... Nach Behebung der hygienischen Mängel in der Melkanlage, die ich gefunden und durch Schulung abgestellt habe, muss die Rohmilchqualität auf unsere Niveau mit 10-15 000 Keime/ml zu verbessern sein ! Welches Equipment aus Deutschland und den europäischen Ländern vorhanden? Heinz Gerrits: Die Molkerei wurde durch die türkische Firma GEMAK mit europäischer Technik erbaut. Pasteur von Alfa-Laval, Zentrifuge Frau Italien zusammen mit Homogenisator, deutsche Ventiltechnik, Abfüllanlagen usw. Ich habe sehr intensiv weitere deutsche Käsereitechnologie z.B. ALPMA Rott am Inn erläutert mit Unterlagen sowie werde nun auch von GEA/Westfalia die moderne Mikrofiltration und Bakterienseparationstechnik vorstellen für die Verbesserung der Rohmilchqualität und Haltbarkeit von past. Milch und Käsereimilch. Die Milchmenge, die in diesem Betrieb pro Tag verarbeitet wird, erscheint nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben zu gering. Man versucht jetzt, die 200 Kleinstbauern als Lieferanten einzubeziehen. Wie soll dieser Plan realisiert werden? Heinz Gerrits: Die Milchmenge ( 2 - 3 t am Tag) ist zu gering aus wirtschaftlichen Gründen und es sollen von Kleinbauern über Sammelstellen weitere Rohmilchmengen gesammelt werden. Heinz Gerrits: Ein sehr schwieriges und ambitioniertes Projekt, was mit einer Versuchssammelstelle in Kurdamir für 200 Kleinstbauern und wenigen größeren Bauern mit 5- 10 Kühen nun begonnen werden soll. Es sollen die größeren Bauern geschult werden und diese sollen dann ihre umliegenden kleinen Farmer schulen, betreuen und motivieren. Dafür werden die größeren Bauern mit kostenlosem Futter belohnt und motviiert. Was erhofft man sich von diesem Engagement?  Heinz Gerrits: Ein Gegenbesuch in Deutschland ist geplant.. Es werden derzeit von mir 2 Besuche für den türkischen Betriebsleiter Herrn Fayar geplant mit Besuch mehrerer Käsereien, Firma ALPMA und ausgewählten Bauern sowie Marktbeobachtungen mit neuen Produkten für Azerbaidschan. Danach folgt der 2. besuch mit dem Geschäftsführer H.Boran im Staatsgut Grub, Bauern, und Fleckviehexporteuren im Allgäu. Dazu wird Dr. Mennerich SES-Experte für Viehzucht und Fütterung usw. anwesend sein als später in Azerbaidschan eingesetzter SES-Berater. Sie haben die nationale Küche kennengelernt, nicht nur in der Kantine, sondern auch in Restaurants. Heinz Gerrits: Fladenbrot – stark subventioniert – ist die Basis, dann kommt auf dem Land eine fast autarke Ernährung dazu mit Fetakäse/Joghurt von Milch der eigenen Kuh, Gemüse und Kartoffeln aus dem Garten und der Rest wird auf dem Basar zugekauft... Kebab ist das Nationalgericht mit Lamm und Hühnerfleisch. Zum Frühstück habe ich am Morgen in der Kantine Brot, Butter, Feta-Käse aus der eigenen Produktion der Käserei gegessen und Tee getrunken. Mittags in der Kantine dann Suppe mit Smetana – Saure Sahne oder Joghurt, gesäuerte Gemüse, Nudeln, Kartoffeln, Graupen, Reis und Fleisch. Die Muslimischen Frauen tragen kein Kopftuch? Heinz Gerrits: In Baku findet man äußerlich keinen Unterschied zu unserem Leben... also kein Kopftuch und gepflegt aussehende Frauen .. Es gibt in Kurdamir mit 20 000 Einwohner nur 2 Moscheen – momentan scheint der Islam sehr moderat und wenig präsent zu sein.

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