Das Landratsamt FFB veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem AK Mahnmal an der Gedenkstätte Gedenkminuten

Zeitzeuge Karl Rom (85) beim Gedenken am Todesmarsch-Mahnmal

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Am vom Bildhauer Hubertus von Pilgrim geschaffenen Mahnmal legte das Landratsamt ein Blumengebinde zur Erinnerung an den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
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Julia Zieglmeier vom Arbeitskreis Mahnmal spricht das Grußwort
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Julia Zieglmeier vom Arbeitskreis Mahnmal spricht das Grußwort
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Die Viscardi-Schülerinnen Stefanie Wirsing (li.) und Isabell Reukauf lesen aus „Der Ghetto-Swinger“ von Coco Schumann
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Das Bläserquartett des Viscardi-Gymnasiums unter der Leitung von Stefanie Wieland sorgte bei der Gedenkfeier für die musikalische Umrahmung
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Die Viscardi-Schülerinnen Adula Kohns und Vanessa Reichel trugen Gedichte von Josef Schneeweiß vor
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Brucks 2. Bürgermeister Erich Raff legt nach jüdischen Brauch einen Stein an der Gedenkstätte ab
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Auch Jugendliche legten nach jüdischen Brauch Steine am Mahnmal ab

Fürstenfeldbruck - Der 27. Januar ist der Tag, an dem Deutschland offiziell der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt. Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Landkreis veranstaltete das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Mahnmal an der Gedenkstätte an der Dachauer Straße in Fürstenfeldbruck, das an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen aus den Lagern Landsberg/Kaufering erinnert, eine Gedenkfeier. Mitten unter den Teilnehmern war der 85-jährige Karl Rom, einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen.

Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar im Jahr 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Seit über 20 Jahren hat der Holocaust-Gedenktag in Deutschland einen festen Platz. So finden bundesweit auch heuer, am 71. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, an zahlreichen Orten Veranstaltungen statt. 

Neben zahlreichen Repräsentanten des öffentlichen Lebens aus Politik, Polizei, Banken und Bundeswehr konnte Julia Zieglmeier vom Arbeitskreis Mahnmal mit dem 85-jährigen Karl Rom auch heuer wieder einen der wenigen noch lebenden Zeitzeugen begrüßen. Aber auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Viscardi-Gymnasiums, des Graf-Rasso-Gymnasiums, der Mittelschule West, der FOS/BOS sowie der Ferdinand-von-Miller-Realschule, nahmen an der Gedenkfeier mitten in der Brucker Innenstadt nicht nur teil, sondern sie gestalteten auch die Feier.

 So erfuhren die ca. 200 Besucher der Gedenkveranstaltung von den beiden Viscardi-Schülerinnen Isabel Reukauf und Stefanie Wirsing vom Schicksal des heute fast 92-jährigen Jazz-Gitarristen Coco Schumann, der als KZ-Häftling des Außenlagers Kaufering den Todesmarsch von Kaufering durch Fürstenfeldbruck nach Dachau miterlebte und später zu einer Ikone des Nachkriegs-Jazz wurde. Über das, was er während der Deportation durch die Nationalsozialisten erlebte, hat Schumann, nachdem er über 50 Jahre schwieg, in seinen Erinnerungen „Der Ghetto-Swinger“ niedergeschrieben. „Ich bin ein Musiker, der im KZ gesessen hat. Kein KZler, der Musik macht.“ Adula Kohns und Vanessa Reichel, ebenfalls zwei Schülerinnen des Viscardi-Gymnasiums, trugen die beiden Gedichte „Jeder Schritt“ und „Draußen seh ich…“ des 1995 verstorbenen Josef Schneeweiß vor. Der österreichische Mediziner und Sozialdemokrat war von 1942 bis zur Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 inhaftiert.

 Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier vom Bläserquartett des Schülerorchesters des Viscardi-Gymnasiums, das sich aus Julian Müller, Alexander Schöpp, Anna-Lena Renne und Steffen Kuhles zusammensetzte. Sie spielten unter der Leitung von Lehrerin Stefanie Wieland Musikstücke von Coco Schumann „Sunshine Dixie“ und „Klezmer Serenade“.

 Eingangs hatte Zieglmeier die Grüße des 85-jährigen Abba Naor, einem weiteren Überlebenden des Todesmarsches, der regelmäßig an der Gedenkfeier in der Kreisstadt teilnahm, überbracht. Naor nahm diesmal an einer Gedenkfeier in Dachau teil. Mit Beifall bedacht wurde die anwesende Karin Marquardt, die maßgeblichen Anteil an der Errichtung des Mahnmals hatte und den Arbeitskreis 20 Jahre leitete. Ihr wurde  in Anerkennung ihres Engagements von Bundespräsident Joachim Gauck im November 2015 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Bevor die Besucher nach jüdischem Brauch zum Gedenken an die Verstorbenen Steine am Mahnmal ablegten, hielten sie für eine Minute inne, auch um sich in einem besonderen Gedenken an den im vergangenen Jahr im Alter von 87 Jahren in Israel verstorbenen Uri Chanoch zu erinnern. Als Zeitzeuge des Todesmarsches hat Chanoch in der Vergangenheit häufig an den Schulen im Landkreis von seinen schrecklichen Erlebnissen sehr eindringlich und emotional berichtet.

Dieter Metzler

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