Ich bin zufällig am Leben geblieben – Holocaust-Überlebende Abba Naor und Karl Rom beim Gedenken am Fürstenfeldbrucker Todesmarsch-Mahnmal

Karl Rom und Abba Naor vor dem Mahnmal zu den Todesmärschen die vom 24. bis 29. April 1945 durch Fürstenfeldbruck führten. Fotos: Günter Schäftlein

Es war am 27. Januar 2012 nicht nur eine ganz stille Gedenkminute ohne jede Störung - es war dank der Lesungen von 12 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe der Mittelschule FFB-West eine unglaublich berührende Dreiviertelstunde des Zuhörens. Abba Naor, Überlebender der Todesmärsche von den KZ Dachau-Außenlagern Kaufering/Utting nach Bruck, dankte ihnen, der 3. Nachkriegsgeneration, für diese Momente der Erinnerung.

Mit Abba Naor war erneut auch Karl Rom als Überlebender der KZ-Häftlingsmärsche gekommen. In Fürstenfeldbruck, wo heute das Mahnmal an der Dachauer/Ecke Augsburger Straße steht, führte in den letzten Kriegstagen im April 1945 der Leidensweg der KZ-Häftlinge aus den Todeslagern Kaufering/Landsberg vorbei ins Ungewisse. Julia Zieglmeier als Mitglied des Arbeitskreises Mahnmal begrüßte zu den insgesamt 40 Schüler/innen der Mittelschulklassen 9a/9b zahlreiche Bürger aus Stadt und Landkreis, darunter MdL Kathrin Sonnenholzner, die stv. Lanrätin Gisela Schneid, die Bezirksräte Rolf Marquardt, Josef Loy, die Bürgermeister Dr. Michael Schanderl, Andreas Magg, Ulrich Schmetz, Stadtrat Dr. Klaus Wollenberg und Generalmajor Robert Löwenstein. Für sie auch ein Grund zur Freude die Präsenz von Lehrern und Schülern der FOS/BOS, Graf-Rasso-Gymnasium sowie Mara Feßmann und Florian Schumann, beide Mitgestalter der Schülerzeitung des Carl-Spitzweg-Gymnasiums Germering. Die musikalische Umrahmung der Gedenkfeier übernahm gefühlvoll der Klarinettist Ulrich Habersetzer, München, der 20 Jahre seiner Jugendzeit in Fürstenfeldbruck verbrachte. Julia Zieglmeier erinnerte daran, dass dem 27. Januar der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zugrundeliegt, der 2005 durch die Vereinten Nationen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt, aber bereits 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus bestimmt wurde. Ein überlebender Häftling von Auschwitz, der italienisch-jüdische Primo Levi, schrieb in seinem 1961 ins Deutsche übersetzten Buch „Ist das ein Mensch“: „Erst die Kinder und Kindeskinder der NS-Generation hatten die geistige Freiheit, sich historisch verantwortlich zu fühlen.“ Frau Zieglmeir erinnerte auch daran, dass Jugendliche des KJR FFB in diesem Jahr Israel besuchen werden und im Juli junge Israelis zum Gegenbesuch nach Fürstenfeldbruck kommen. Abba Naor ließ bei seiner kurzen Gedenkansprache alles in das Bekenntnis „Ich bin zufällig am Leben geblieben.“ münden. Sein Dank an die 12 Schüler/innen der Mittelschule - Dennis, Can, Ömer, Justine, Valentina, Kübra, Gizem, Dennie, Tolunay, Rochdi, Rebecca und Zubaidah - war aufrichtig und bewegend. Die „Worte des Gedenkens“ beendete Zubaidah Al-Musawi mit einem Dank an die Organisatoren und Veranstalter und mit der Mahnung „Die schreckliche Zeit, die die Menschen damals durchmachen mussten, ist kaum in Worte zu fassen. Wir trauern um die Opfer des Todesmarsches und des Nazi-Regimes. Das deutsche Volk braucht Vergebung - aber nicht Vergessen!“

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