Räte genehmigen Restaurierungsarbeiten und Buchprojekt für Klosterjubiläum

"Das wäre ein Jahrhundertwerk"

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2017 wird das Barockkloster St. Mang 300 Jahre alt

Füssen – 2017 feiert Füssen 300 Jahre Barockkloster St. Mang. Dafür soll das Kloster in „neuem“ alten Glanz erscheinen. Deshalb gab der Kulturausschuss am Dienstag grünes Licht für zwei kleinere Restaurierungsmaßnahmen und ein Buchprojekt, was der Stadt wohl insgesamt 65.000 Euro kosten wird.

2017 hat die Stadt Füssen gleich zwei Jubiläen zu feiern: 300 Jahre Barockkloster St. Mang und der 300. Todestag seines Baumeisters Johann Jakob Herkomer. Es sind zwei besondere Daten für Füssen, „denn aus diesem Kloster ist die Stadt mit gewachsen“, erklärte Füssen Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstag im Kulturausschuss.

Am 15. Februar 1717 wurde die Klosterkirche St. Mang nach ihrem Umbau zu einer prunktvollen Barockkirche eingeweiht. Doch ihr Baumeister Johann Jakob Herkomer konnte sich nur wenige Monate daran erfreuen: Am 27. Oktober 1717 starb Herkomer in dem von ihm neuentworfenen Benediktinerkloster, das mittlerweile zu den eindrucksvollsten Klosteranlagen im süddeutschen Raum zählt. Diese beiden Daten nimmt das Kulturamt als Rahmen für die Feierlichkeiten zum 300. Jubiläum. Die Besucher sollen dabei erfahren, „welches Kleinod wir hier haben“, erklärte Museumsleiter Dr. Anton Englert.

Fachleute werden im Museum Vorträge zur Architektur, Spiritualität und Politik des Klosters im 18. Jahrhundert halten. Dazu kommen Führungen, Exkursionen, Gottesdienste, Lesungen und Konzerte. Während dieser Zeit werden die Führungen durch die Klosterkirche nicht mehr durch die Krypta, sondern durch das Barockkloster mit seinem Festsaal, der Abtei und der Bibliothek führen, so Englert. Auf diese Weise soll den Besuchern die Architektur Herkomers näher gebracht werden. Falls diese ein Erfolg werde, könnte sie künftig zusätzlich zu den regulären Kirchenführungen angeboten werden, so Englert.

Damit die Stadt aber das Kloster selbst „wirksam und nachhaltig in seiner historischen Substanz“ präsentieren könne, seien einige Restaurierungsmaßnahmen wünschenswert, so Englert. So soll im westlichen Treppenhaus in der Klausur die Ballustradennische am Eingang zum Colloquium wiederhergestellt werden. Dort hatte man vor Jahrzehnten eine Wand für eine Wohnung eingezogen. Aber: „Das Fenster war ein wichtiges Merkmal im Barock“, erklärte der Museumsleiter. Deshalb soll die Wand jetzt durch eine Glasscheibe ersetzt werden, die den brandschutzrechtlichen Vorgaben entspricht. So soll der originale Lichteinfall in den Gang wiederhergestellt werden, sagte Englert. Die Kosten schätzt der Museumsleiter auf 10.000 Euro.

Ein „steiniger Weg”

Ebenso viel muss die Stadt wohl für die Steinrestaurierung der vier historischen Brunnen im Kaisersaal sowie vor und im Refektorium ausgeben. Am liebsten würde Englert diese wieder zum Laufen bringen. „Es wäre toll für das Haus und das Museum“. Doch es werde „ein steiniger Weg dahin“, kündigte er an. Die Brunnen liegen schon seit Jahrhunderten trocken, erklärte Englert. Bevor sie aber wieder Wasser sprudeln können, müssten ihre Marmorbecken gereinigt und restauriert werden. Ein Restaurierungsvorschlag des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BlfD) liege bereits vor. Nach der denkmalpflegerischen erfolge die technische Instandsetzung, so der Museumsleiter. Beide Vorschläge segnete der Kulturausschuss mit einer Gegenstimme von Peter Hartung (CSU) ab.

Deutlich teurer, genauer 45.000 Euro, wird wohl ein anderes Projekt, das die Stadt zum Jubiläum auf den Weg bringen möchte: Ein Buch über das Barockkloster St. Mang. Denn der 1994 herausgegebene Museumsführer ist laut Englert nicht nur überholt, sondern auch seit Jahren vergriffen. „Für das allgemeine Publikum und die Vermittlungsarbeit des Museums fehlt ein aktuelles, attraktives Buch, das an der Museumskasse, im Internet und Buchhandel gekauft werden kann“, so der Museumsleiter.

Diese Lücke soll nun das neue Buch schließen: Es soll sowohl für den Laien lesbar sein, als auch als Grundlage für die Arbeit im Museum dienen. Dafür sollen Fachleute Beiträge unter anderem über Architektur, Kunst, die geistliche, politische und wirtschaftliche Funktion des Klosters sowie Einzelschicksale verfassen. Die Redaktion übernehmen der Museumsleiter und Prof. Dr. Franz Matsche von der Uni Bamberg, ein „Kenner der barocken Baukunst“, erklärte Englert. Als Redaktionsschluss peilt das Kulturamt den 27. Oktober 2017, den Todestag Herkomers, an. Am Ende soll das Buch ca. 240 Seiten umfassen und in Deutsch und Englisch erscheinen.

Sponsoren suchen 

Einen Teil der Kosten, 15.000 Euro, sollen im städtischen Haushalt 2017 eingestellt werden. „Wir werden versuchen möglichst starke Sponsoren zu bekommen“, sagte Iacob. „Die Diözese hat bereits deutlich signalisiert, dass sie sich beteiligen möchte.“ Zudem sollen die Einnahmen aus den Buchverkäufen zur Refinanzierung verwendet werden. „Das wäre ein Jahrhundertwerk“, sagte der Rathauschef. Und das Jubiläum des Kloster sei dafür eine „einmalige Gelegenheit.“

Das sahen wohl seine Stadtratskollegen ähnlich: Sie segneten den Antrag mehrheitlich ab. Nur Peter Hartung und Andreas Eggensberger (beide CSU) stimmten dagegen.

Katharina Knoll

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