Stadtrat einigt sich auf grundlegende Arbeiten

Das Mitterseebad wird saniert

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Das Gebäude, die Liegewiesen und der Uferbereich am Mittersee werden in den kommenden Jahren saniert. Dafür muss Füssen aber tief in die Stadtkasse greifen.

Füssen – Auf ein Minimalkonzept bei der Sanierung des Mitterseebads hat sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung geeinigt. Das sieht unter anderem vor, die Toiletten zu verlegen und die Gebäude sowie das Seeufer zu sanieren. Ein wichtiger Punkt ist darin die Sicherung der Liegewiese.

Trotzdem muss die Stadt tief in die Kasse greifen: Rund 400.000 Euro wird das Projekt kosten. Es soll in den kommenden fünf bis sechs Jahren umgesetzt werden. Die Sanierung des Mitterseebads wird teuer, richtig teuer. Das wurde am Dienstag im Stadtrat bei der Vorstellung der Konzepte klar.

„Ich weiß nicht, was ich favorisiere“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) nach der Vorstellung. „Bei allen Varianten haben wir Schwierigkeiten sie im Haushalt unterzubringen.“ Wenn die Stadt 60.000 bis 80.000 Euro pro Jahr dafür aufwenden könne, „dann sind wir verdammt glücklich“, so der Rathauschef. „Mehr können wir gar nicht einsetzen.“

Drei Varianten hatte ein Arbeitskreis aus Stadträten, Vertretern der Stadtverwaltung und Anhängern des Mitterseebads zusammen mit den Architekten Gudrun Dietz-Hofmann und Martin Hofmann erarbeitet. Diese sollten als Grundlage für die weitere Diskussion dienen, so Dietz-Hofmann. Dabei stellte sie Gutachten vor, die im Zuge der Planung erstellt wurden. Und diese machten deutlich, dass dort einiges zu tun ist.

Da der Bodenuntergrund aus Gips besteht und dieser immer wieder ausgewaschen wird, kommt es im Bereich des Mittersees zu Absenkungen. Dadurch wurde vor allem das Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen: Dieses ist bis zu 22 Zentimeter abgesunken, was Risse in den Wänden und im Dach verursacht hat.

Neue WC-Anlage

Allerdings ist das Gebäude insgesamt nicht einsturzgefährdet und „grundsätzlich reparierbar, vor allem der Mittelteil“, erklärte Hofmann.

„Nicht rettbar“ sei allerdings der Toilettentrakt. Dessen Bodenplatte seien extrem abgesunken. „Feuchtigkeit kommt stark herein“, so der Architekt. Tragfähiger Boden sei hier erst in acht bis zehn Meter Tiefe zu finden. Deshalb müsste das WC entweder neu gebaut werden mit sogenannten Bohrpfählen, die in bis zu 15 Metern Tiefe in den festen Untergrund gesetzt würden. Das wäre aber „ein sehr hoher Aufwand“, erklärte Hofmann. Oder die Toiletten müssten verlegt werden.

Bei der Untersuchung der Ufermauern wurde klar, dass auch hier etwas getan werden muss. In besonders schlechtem Zustand sei die Mauer am östlichen Nichtschwimmerbereich. Diese sei einsturzgefährdet, so Dietz-Hofmann. Dagegen sei der Boden am Ufer „relativ in Ordnung“.

Anders sehe es aber auf der Liegewiese zwischen See und Gebäude aus. Hier entstehen durch die Bodenauswaschungen immer wieder große Löcher. „Ein Kind könnte einsinken“, erklärte die Landschaftsarchitektin. Um das zu verhindern und im Ernstfall eine Haftung auszuschließen, müsse die Stadt die betroffenen Bereichen sichern. Möglich sei das durch ein sogenanntes Geogitter, das auf ca. 2000 Quadratmetern verlegt werde.

Auf Basis dieser Grundlagen wurden zwei Konzepte erarbeitet. Das erste sei „sehr bestandsorientiert“, so Dietz-Hofmann. Das Bad werde darin so erhalten wie es jetzt ist. Die WC-Gebäude würde am selben Platz bleiben, die Umkleiden, die Dachabdichtung und das Seeufer saniert werden. Nur der stark beschädigte östliche Uferbereich sollte renaturiert werden. Außerdem seien darin unter anderem barrierefreie Zugänge, neue Platten und eine Sicherung der Wiese vorgesehen.

Beim zweiten Konzept hatte sich der Arbeitskreis überlegt, wie das Bad ausschauen könnte, wenn man keinen Pächter mehr finde. Das Bad sollte in dieser Planung also zum Landschaftspark mit Naturbad werden. Das bedeutet, dass die Nichtschwimmerbereiche aufgelöst werden würden. „Es entfällt jede Art Steg oder zweite Treppe“, erklärte Dietz-Hofmann. Auch die Spielgeräte und der Zaun würde zurückgebaut werden. Beim Gebäude sollte der Toilettentrakt aufgelöst und das WC im Haus integriert werden. Daneben seien Sanierungen im Gebäude und am Seeufer geplant.

Doch dieser Vorschlag kam bei einigen Badegästen gar nicht gut an, die befürchteten, dass dann der See verschmutzt werde, so die Architektin. Außerdem hatten sie sich mit rund 2500 Unterschriften für den Erhalt des Bades eingesetzt.

Pfähle sind zu teuer

Preislich sei die zweite Variante zwar etwas günstiger. Allerdings muss die Stadt bei beiden tief in die Tasche greifen: Variante eins belaufe sich auf rund 593.000 Euro, Variante zwei auf ca. 579.000 Euro. Deshalb haben die Planer eine dritte Variante, eine Minimallösung für die Sanierung und Sicherung des Bades, erarbeitet. Diese kostet allerdings auch rund 393.000 Euro. Darin sei aber keine Verlegung der Toiletten geplant.

Doch die Sicherung mit Bodenpfählen sei „viel zu teuer“, meinte Lothar Schaffrath (SPD). Das sah auch die CSU-Fraktion so, die eine vierte Variante erarbeitet hat. Dabei tendiere man zur Erhaltung des Bades in der bisherigen Form, so Peter Hartung (CSU). In ihrem Konzept werde das Gebäude größten Teils wie in Variante zwei, das Ufer aber wie in der Minimallösung saniert, erklärte Hartung. Eine Lösung, mit der sich auch Schaffrath anfreunden konnte.

Zusammen mit der Sanierung des Daches kostet dieses Konzept aber auch ca. 400.000 Euro. „Wir müssen wissen, 400.000 Euro müssen wir in die Hand nehmen“, so Iacob. Bisher habe die Stadt ca. 15.000 Euro für die Planung ausgegeben, wie Iacob auf Nachfrage von Christine Fröhlich bei der anschließenden Bürgerfragestunde erklärte. „Eine Grundsanierung in vernünftiger und nachhaltiger Form ist teuer, aber wichtig“, meinte auch Dr. Anni Derday (FWF). Allerdings sei diese unabhängig vom Erhalt des Bades.

Die eigentliche Frage laute, ob sich die Stadt Füssen auf Dauer zwei Badeanstalten nebeneinander leisten könne. Schließlich sei der Obersee auch sanierungsbedürftig. „Ich denke, wir müssen diese Frage jetzt nicht entscheiden“, sondern zusammen mit den Arbeiten am Obersee neu überdenken, so Derday. Für eine klare Willensbildung sprachen sich dagegen Andreas Ullrich (FWF), Dagmar Rothemund (SPD) und Herbert Dopfer (Füssen-Land) aus. Man dürfe die Bevölkerung nicht mehr länger hinhalten. Und dann könnte man auch anfangen Spenden zu sammeln, wie eine Mitterseebesucherin tun wolle, oder nach Fördermöglichkeiten suchen.

Problematische Förderung

Doch die zu finden werde schwierig, hieß es von Seiten der Stadtverwaltung. Die meisten Förderprogramme gebe es nur für touristische Projekte bzw. für den Pächter. Die Aussicht auf eine 75-prozentige Förderung, wie es im Zuge einer Öffnung des Bades und Integration in einen Kneipp-Kur-Park einst möglich gewesen wäre, gebe es nicht mehr. „Der Interreg-Antrag ist durch.

Da kann man nichts mehr machen“, erklärte Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier, der sich aus rein touristischer Sicht noch einmal für eine Öffnung aussprach. Aber „viele Einheimische sehen das als Rückzugsort“, so der Tourismusdirektor. Mit Blick auf die teilweise wüsten Diskussionen auf Facebook bedauerte er noch einmal, dass „Kneipp und der Tourismus angefeindet wurden. Das ist nicht in Ordnung.“

Dass es für ein Bad gar keine Fördergelder geben soll, das konnte Jürgen Doser (FWF) nicht nachvollziehen. Man müsse das Ganze nur richtig verkaufen, dann gebe es sicherlich die ein oder andere Möglichkeit, ist er überzeugt. Eine weitere Finanzierungsidee hatte Michael Jakob (CSU): Die, die sich für den Erhalt des Bades ausgesprochen haben, sollten jeweils 50 Euro spenden. „Damit kämen wir ungeheuer weit“, meinte auch der Rathauschef. Ihm sei es wichtig, die Gebäude zu sanieren. Und vor allem die Wiese zu sichern. Das sei nötig, um den Badebetrieb aufrechterhalten zu können, wie Dietz-Hofmann erklärte.

Die Investitionen für das Projekt müssten über fünf bis sechs Jahre aufgeteilt werden. Wenn 100.000 Euro an Spenden zusammenkommen würden. „Dann schaffen wir das auch in fünf Jahren“, so Iacob. Am Ende der Diskussion sprachen sich die Füssener Stadträte einstimmig für die 400.000 Euro-Sanierung mit Verlegung der Toiletten aus. kk

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