Die Brücke unter dem See

Das Ablassen des Forggensee-Wassers auf fünf Meter unter dem normalen Tiefstand im Winter lockte zahlreiche Menschen zu den sichtbaren Spuren: Sogar die Befestigung und der Wasserdurchlass der Brücke über das Tiefe Tal waren heuer zu bewundern. Foto: Berkmüller

Ostallgäu – Jedes Jahr im Winter wird der Forggensee abgestaut. Doch heuer wurde er weiter abgelassen als sonst, um Bauteile des Kraftwerkes besichtigen zu können. Dabei wurden Strukturen sichtbar, die seit 60 Jahren unter Wasser schlummern. Viele nutzten das, um auf dem Seegrund spazieren zu gehen.

Jedes Jahr gibt es geführte Wanderungen vom historischen Verein Alt-Füssen, bei denen man die alte Römerstraße – Via Claudia – ein Stück nachgehen und erleben kann. Anlässlich des historischen Wasser-Tiefstandes luden Magnus Peresson und Peter Nasemann vom Verein dazu ein, ein sonst nicht sichtbares Bauwerk zu besichtigen. Die Brücke über das Tiefe Tal lag einschließlich ihrem Bogen frei. „Hier, zu Ihren Füßen, soll der später heilig gesprochene Magnus seinen berühmten Drachenkampf bestritten haben“, berichtet Peresson den gut 150 Teilnehmern des Ausfluges. Von der Stelle, wo die Magnuskapelle bis vor über 60 Jahren stand, kann man nicht nur hinab zur Tiefentalbrücke schauen, auch der Kreuzlesfelsen ragt deutlich aus dem Wasser hervor. Er war früher als gefährlichste Stelle dieser Region im Lech bekannt. 

Beeindruckend sind auch die Spuren ehemaliger Gebäude im Seegrund. Viele Menschen wurden für den Bau des Stausees vor 60 Jahren umgesiedelt. Durch den historischen Tiefstand des Wassers noch vor einer Woche sind die Grundrisse der Bauwerke von Deutenhausen zu erkennen. „Das hat man seit zwei Generationen nicht mehr sehen können“, erzählte Peresson. 

Mit Blick auf das Widerlager der Brücke zu Deutenhausen berichtet er von den Sonntagnachmittagen, die sich in der „Stegwirtschaft“ zugetragen haben – mitsamt berühmt-berüchtigter Prügeleien. Von solchen Geschichten hört man nur noch selten: Einerseits, wenn man die letzten Zeitzeugen trifft, die mit dem Bau des Forggensees ihre Häuser und Höfe verließen. Andererseits von Menschen, die sich dem Verständnis für Geschichte und heimische Kultur Füssens und seiner Umgebung verschrieben haben, wie Magnus Peresson und Peter Nasemann. Die Überreste selbst anzuschauen und so deren Vergangenheit nachzuvollziehen wird wohl in absehbarer Zeit nicht wieder möglich sein. ab

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