Ein "City-Outlet" in Reutte hat durchaus Chancen, muss aber hohe Hürden meistern

"Eine Riesenaufgabe"

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Der Untermarkt in Reutte. Hier könnten für das „City-Outlet“ vorhandene Leerflächen mit einzelnen Geschäften belegt werden.

Reutte – Obwohl die „Luft dünn sei“, stehen die Aussichten zur Realisierung eines „City-Outlets“ in der Marktgemeinde Reutte offenbar gar nicht so schlecht. Eine neue Studie, vorgestellt am vergangenen Donnerstag im Gemeinderat, gibt der Marktgemeinde eine realistische Chance zur nachhaltigen Weiterentwicklung.

Gerüchteweise ist schon seit längerem von einer Zukunftsvision im Außerferner Hauptort zu hören. Die Marktgemeinde würde sich für ein „City-Outlet“ mit einem Einzugsgebiet weit über die Grenzen hinaus und den möglichen Flächen im Markt anbieten, munkelte man. Vorgespräche in dieser Richtung mit einem Fachmann von einem funktionierenden Beispiel in Westfalen liefen.

In seinem Urlaub machte sich Bürgermeister Luis Oberer schließlich selbst ein Bild von den Begebenheiten im westfälischen Bad Münstereifel und berichtete dem Gemeinderat nun ausführlich über seine Erfahrungen. Sehr dezent seien die Verantwortlichen dort im riesigen Ballungsraum von Köln-Bonn an die Umsetzung gegangen. Im mittelalterlich geprägten Ort, im Kern durchaus mit Reutte vergleichbar, haben sich in den freien Flächen Markenartikler angesiedelt, um verstreut über die ganze Stadt Angebote aus allen Bereich zu legen, ohne die ansässigen Geschäfte zu tangieren.

Im Gegenteil: Durch die wachsende Kundenfrequenz sei auch ein Vorteil für die bereits vorhandenen Geschäfte zu realisieren gewesen. An die 40 Markengeschäfte, gekennzeichnet lediglich durch eine Markise über dem Lokal, hätten dem Ort Aufschwung gebracht, ist sich Oberer sicher. Er könne sich für Reutte durchaus ein ähnliches Modell vorstellen.

"Grundsätzlich geeignet"

Mittlerweile liegt auch eine in Auftrag gegebene Studie für ein „City-Outlet“ vor, die vergangenen Donnerstag dem Gemeinderat vorgestellt wurde. Die Analyse ergab, dass das Planareal im Reuttener Ortskern der Marktgemeinde grundsätzlich zur Umsetzung eines „City-Outlet-Center-Konzeptes“ geeignet sei. Die geringe Wettbewerbsintensität und die naturräumliche Attraktivität seien positiv zu bewerten, meinen die Studienersteller. Auch das ganzjährige Touristenaufkommen spreche dafür. Eine Schwäche ortet die Studie im Einwohnerpotenzial von rund einer Million im Einzugsgebiet und der damit verbundenen Nachfrageplattform, die jedoch durch die Lage an einer bedeutenden Achse des touristischen Fernverkehrs in gewissem Maße ausgeglichen werden könnte.

Die zur Verfügung stehenden Leerflächen seien auch zu weit verstreut um eine räumliche Dichte der „Outlet Stores“ und damit den Charakter einer „Meile“ garantieren zu können. Die zurzeit leer stehende inkludierbare Fläche von etwa 4300 Quadratmetern sei zu klein. Die „kritische Masse“ mit rund 8500 Quadratmetern Verkaufsfläche stehe also nicht zu Verfügung. Bauflächen für Neubauten stünden aber abrufbereit, durch die privaten Eigentumsverhältnisse sei aber in dieser Richtung mit Unwägbarkeiten zu rechnen. Im Falle einer Realisierung könne seriöserweise auf die typischerweise geführten Waren von einem Kaufkraftvolumen von etwa 1,2 Milliarden Euro ausgegangen werden.

Gesamtkonzept muss her

 Ohne die Schaffung eines attraktiven Gesamtkonzeptes mit einer professionellen Vermarktungsstrategie und der Hebung von Synergien mit Bestehendem werde es allerdings nicht gehen. Das Ganze sei alles andere als ein „Selbstläufer“ und erfordere ein abgestimmtes und kooperatives Vorgehen aller Akteure, zu denen die Gemeinde, ein Investor und Betreiber, die Immobilieneigentümer und touristische Leistungsträger gehörten.

Das sieht auch Bürgermeister Luis Oberer so. „Auf den neu eingerichteten Ausschuss für Standortentwicklung mit Obmann Günter Salchner an der Spitze kommt da eine Riesenaufgabe zu“, sagte er. „Es gilt die Kräfte zu bündeln und Überzeugungsarbeit zu leisten. Für die Marktgemeinde tut sich da eine Riesenchance auf.“ Das sahen auch die Gemeinderatsmitglieder so. Die Kaufmannschaftsvereinigung kann sich ein derartiges Projekt ebenfalls durchaus vorstellen und steht mit ihren Möglichkeiten Gewehr bei Fuß.

 Pferdefuß bei der Angelegenheit: praktisch alle freien Verkaufsflächen und auch die bebaubaren Grundstücke sind im Privatbesitz. Man ist bei der Umsetzung dieser „Vision“ auf Gedeih und Verderb dem guten Willen der Besitzer ausgeliefert. Ob diese bei der Sache „mitspielen“, liegt nicht zuletzt an der Steuerungsgruppe, die mit viel Einfühlungsvermögen an die Angelegenheit herangehen muss. Befindlichkeiten aller Art dabei zu berücksichtigen, sei ein sehr schwieriges Unterfangen. Skeptiker meinen sogar, dass dieser „Spagat“ nicht funktionieren wird.

 Kolportierte Gerüchte, dass die Stadt Füssen sich mit ähnlichen Vorhaben trage, wurden von den Studienerstellern relativiert. Eine Konkurrenz aus der Nachbarstadt sei nicht zu fürchten, winken die Verfasser ab. Dort stünden dafür eindeutig zu wenige geeignete Freiflächen zur Verfügung.

niko

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