Deftiger Aufschlag: Friedhofsgebühren in Schwangau steigen um 90 Prozent

Sterben wird teurer

+
Die Nachfrage nach Urnengräbern steigt auch in Schwangau beständig. Trotzdem bleiben sie günstiger als herkömmliche Bestattungsformen.

Schwangau – Wer im Dorf der Königsschlösser leben will, muss hohe Mieten und Preise für Immobilien akzeptieren. Aber auch, wer sich eine Parzelle auf dem Gottesacker aussucht, muss künftig tief in die Tasche greifen.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates stellte die Kämmerei die neue Friedhofsgebührensatzung vor. Nach einer lebhaften Diskussion setzten sich die Gemeinderäte mit einer „nur“ 90-prozentigen Anhebung der Gebühren für die Grabstätten durch. Aber auch das Drumherum wird deutlich teurer.

Zwei Satzungsänderungen gab es im Gemeinderat zu diskutieren – zum einen die Friedhofs-und Bestattungssatzung, zum zweiten die Gebührensatzung. Man orientiere sich am Verhalten der Menschen, schickte Bürgermeister Stefan Rinke vorweg, als er auf die Bestattungssatzung einging, die man nach Aufforderung durch die Kommunalaufsicht ändern und anpassen musste. Dabei geht unter anderem darum, dass sich immer mehr

Menschen in Urnen beisetzen lassen. Ein Trend, den die Verwaltung aufgegriffen und mit der kompostierbaren Urne auch Rechnung getragen habe. Urnengräber gibt es deshalb auch nur für zehn Jahre, während man hingegen bei Särgen die Liegezeit von 15 auf 20 Jahre erhöht. Hier gab es auch keine Widersprüche, sodass diese Satzung einstimmig angenommen wurde.

Um die Kostendeckung ging es bei der Änderung der Gebührensatzung. Die Gemeinde sei gut aufgestellt, was die Zahl der Gräber für Särge und Urnen angehe, so Rinke. Doch nun sollen die Kosten für die Gräber vereinfacht werden. Dabei geht es darum, dass die Kosten künftig einmalig für die gesamte Liegezeit (Urnen zehn und Särge 20 Jahre) verlangt werden.

Damit liege Schwangau im Durchschnitt vergleichbarer Gemeinden im Ostallgäu. Dabei sinken die Kosten für Urnengräber während die für Särge steigen. Allerdings gebe es keine Differenzierung mehr zwischen der Lage, etwa an der Friedhofsmauer oder näher an der Kirche.

Kritik von Kiefer

Hier hakte Margit Kiefer ein und meinte, dass man zu viel verlange. So seien etwa die Kosten für den Leichenwärter um mehr als 100 Prozent von 70 auf 195 Euro angehoben worden, die für das Leichenhaus haben sich sogar auf insgesamt 215 Euro verdreifacht. „Der Schritt ist zu groß“, so Kiefer. Im Vergleich koste das Öffnen einer Grabstelle in Roßhaupten 350 und in Pfronten 480 Euro, wohingegen Schwangau nun 690 Euro verlangt. Das sei der Tatsache geschuldet, erklärte Rinke, dass die Öffnung nicht mehr durch den Bauhof vorgenommen werde, sondern durch die Firma Klaus in Füssen.

„Man muss doch nicht alles extrem erhöhen“, kritisierte Ruppert Gebler die Vorlage und hinterfragte, ob alle Zahlen auf 100 Prozent gerechnet seien, also die maximal nötige oder mögliche Erhöhung. Die hatte die Verwaltung scheinbar auch bei den Kosten für die Grabstellen ausgereizt, wie Klaus Mielich kritisierte. Es könne doch nicht sein, dass ein Einzelgrab plötzlich um fast das Fünffache – von 220 auf 1020 Euro – teurer werde. Das gleiche gelte für ein Doppelgrab, dessen Kosten von 400 auf 1400 angehoben wurden und last but not least das Dreifachgrab, das anstatt 560 künftig 2020 Euro kosten soll.

Moralisch vertretbar?

Zwar sind dies neuen Preise auf die gesamte Laufzeit der Grabstätte gerechnet. Weil sie aber auf einmal beglichen werden müssen, stieß die Summe den Gemeinderäten auf. Rupert Gebler meinte, dass das moralisch nicht vertretbar sei. Die Bürger, die hier beerdigt werden, hätten zuvor in der Gemeinde gelebt und hier einen Dienst in der Gemeinde geleistet, argumentierte er. Man habe einen schönen Friedhof, der optimal gerichtet sei. Aber müsse man dem Bürger das Geld so aus dem Sack ziehen? Könne man die Gebühren nicht nachhaltig anheben, oder sei nicht auch ein gewisses Defizit möglich, also, dass man mit Steuergeldern eingreife?

Peter Helmer hielt dagegen, dass im Gegenzug die Urnengräber ja günstiger werden, was manch einer angesichts des Trends zur Urnenbestattung für „kontraproduktiv“ empfand. Müssten nicht gerade die Urnengräber teurer und die normalen Gräber günstiger werden? Eine Gesichtspunkt, dem Rinke energisch entgegentrat. Es gelte das Willkürverbot in der Verwaltung, so der Bürgermeister. Und gerade auf dem Friedhof dürfe es keine Marktwirtschaft geben.

Kompromissvorschlag mit Erfolg

Christoph Helmer versuchte die Wogen ein wenig zu glätten, indem er auf die Laufzeit der nun vorgelegten Zahlen blickte und nachfragte, ob nicht doch ein gewisser Spielraum möglich sei. Dabei wurde auch deutlich, dass sich diese Zahlen nur beim alten Friedhof so extrem darstellten, da die Gebühren auf dem Gemeindefriedhof ohnehin schon immer höher waren.

Robert Berchtold schlug vor, die 100 Prozent nicht auszureizen, sondern die Gebühren für Gräber um 90 Prozent zu erhöhen. „Damit könnten die meisten hier leben.“ Tatsächlich: Fünf Gemeinderäte votierten dagegen, elf Ratsmitglieder waren für diesen Vorschlag, womit auch die Gebührensatzung in leicht geänderter Form angenommen wurde.

Oliver Sommer

Meistgelesene Artikel

KU braucht neuen Klinik-Chef

Kaufbeuren/Ostallgäu – Dr. Philipp Ostwald, Chef der Ostallgäuer Krankenhäuser, wird seinen Vertrag mit dem Kommunalunternehmen (KU) nicht …
KU braucht neuen Klinik-Chef

Vermisste tot aufgefunden

Füssen - Die seit dem 29. November vermisste 76-jährige Frau ist tot. Ein Spaziergänger fand die Leiche der Frau am Samstagvormittag in einem Wald …
Vermisste tot aufgefunden

Besinnliches im Klosterhof

Füssen – Mit einer Einladung zur inneren Einkehr hat Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier den Adventsmarkt im Klosterhof am vergangenen …
Besinnliches im Klosterhof

Kommentare