Alles falsch gemacht?

Nur eingeschränkt erfüllt das Jugendhaus in der Von-Freyberg-Straße derzeit seinen Zweck. Das hat Jugendhausleiter Hans-Jürgen-Kreutzer am Dienstag im Haupt- Finanz- und Personalausschuss (HFP) erklärt. Der Grund: Ein Urteil des Verwaltungsgerichts verbietet es, dass der Lärm aus dem Jugendtreff die Nachbarn mit mehr als 84 Dezibel beschallt. So seien jedoch Konzerte kaum abzuhalten. Eine schallschutztechnische Sanierung würde jedoch laut Gutachter mindestens 180000 Euro kosten.

Schon wenn bei einem Hip-Hop-Workshop die Anlage angeworfen wird, so Kreutzer, werden die 84 Dezibel überschritten. Um den musikalischen Sektor, dazu gehören auch Auftrittsmöglichkeiten für örtliche Jugendbands, zu sichern, muss eine Lösung her. Die könnte lauten, das Jugendhaus schalldichter zu machen. Das jedoch kommt teuer. Ein Gutachter, den die Stadt beauftragt hat, rechnet vor, dass allein die Sanierung der Süd- und Westseite zu den Nachbarn hin rund 180000 Euro kosten dürfte. Baunebenkosten sind da noch nicht mitgerechnet, ebenso wenig wie die Abdichtung nach Norden und Westen. Den Räten stellte sich daher die Frage, wieso die Stadt überhaupt das ehemalige Druckereigebäude als Jugendhaus angemietet hat. „Wie kann so etwas passieren?“ fragte Stadtrat Nikolaus Schulte (CSU) und ergänzte: „Fehlt in der Verwaltung etwa das technische Know-How?“ „Man hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, attestierte auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Schaffrath. Diese Frage auf sich beruhen lassen und „das Kapitel schließen“, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) forderte, das wollten die meisten Stadträte jedoch nicht. Denn eine weitere Alternative wäre es, eine andere Immobilie anzumieten, so Stadtrat Dr. Bernd Rösel (FDP). Um zu klären, wie man aus dem jetzigen Mietvertrag rauskommt, sei es durchaus wichtig, „diese Frage aufzuklären“. Ist der Lärm nötig? Für Lothar Schaffrath stellte sich zudem die Frage, ob es wirklich nötig ist, die 84 Dezibel zu überschreiten. „Mehr grenzt bereits an Körperverletzung“, warnte er. Jedoch, so Stadtrat Dr. Hans Martin Beyer (CSU), zählt nicht allein der medizinische Aspekt. „Es gibt Hauptschüler, für die ist ein Konzert etwas Unbekanntes“, erklärte Kreutzer, „ihnen entgeht ein wichtiger Teil der Kultur“. Man könne auch, so der Vorschlag des CSU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Hipp „Geräuschintensiven Alternativen woanders hin verlegen“. Mit einer kniffligen Aufgabe für das kommende Jahr werden die Stadträte das Thema nun in den Fraktionen behandeln.

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