Altes Landratsamt: Stadtrat will keine Standardtüren

"Ein Fass ohne Boden"

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Lange wird diese Tür wohl nicht mehr vom Treppenhaus des Alten Landratsamtes in Dr. Markus Dreiers Praxis führen. Weil sie und zwei weitere den neuen Brandschutzverordnungen nicht entsprechen, müssen neue her. Wie die aber ausschauen werden, ist noch unklar.

Füssen – Die Türen im Alten Landratsamt sollen auch zukünftig zum Jugendstil des Gebäudes passen. Zumindest das hat der Stadtrat am Dienstag entschieden. Denn wegen des Brandschutzes können die bisherigen Türen nicht drin bleiben.

Auf alt gemachte Brandschutztüren kosten aber etwa 70.000 Euro mehr als Standardtüren, was in der vergangenen Stadtratssitzung zu Diskussionen geführt hatte. Vor Ort haben sich die Stadträte nun die Situation angeschaut und beschlossen, alternative Lösungen zu prüfen und neue Angebote einzuholen. 

Die bisherigen Türen müssen raus, so viel steht fest. „Mir hat auch das Herz geblutet“, als er das erfahren habe, erklärte Brandschutzgutachter Rasso Rehle den Stadträten. Aber das Alte Landratsamt habe nun mal seinen Bestandschutz verloren, als Arztpraxen in die ehemaligen Büroräume einzogen sind. Denn die Nutzungsänderung wurde damals offiziell nicht genehmigt, was jetzt nachgeholt werden soll. Dafür muss das Gebäude aber den neuen Brandschutzverordnungen entsprechen – also auch Brandschutztüren nachweisen. 

Auf die wird im alten Gebäudeteil ein besonderes Augenmerk gelegt, weil eigentlich auch das Holztreppenhaus heute nicht mehr zulässig ist. Das will man aber erhalten, erklärte Rehle. Schlichte Funktionstüren passen aber nicht zum Jugendstil des Gebäudes. Auf altgemachte sind aber deutlich teurer, was wiederum dem Sparkurs der Stadt widerspricht. Außerdem würden diese zu „100 Prozent sicher nicht mehr so ausschauen“ wie die Originaltüren, so Rehle. 

Vor Ort ließen sich die Stadträte deshalb nun mögliche Alternativen erklären. Eine davon ist, die Brandschutztüren hinter die bisherigen zu setzen. Doch das geht nicht so einfach: Denn die Wände des Ganges sind nicht so stabil wie das Treppenhaus, erklärte Rehle. Deshalb müsse die Stadt einen „Kubus mit Stahleinlagen“ einbauen. Das sei preislich aber „nicht so weit weg“ von den optisch schöneren Funktionstüren. 

Angebote einholen 

Auch Architektin Dorothea Babel-Rampp fand diese Lösung „illusorisch“. Eine zweite Alternative, die Originaltüren nach innen zu setzen und am Übergang schlichte Funktionstüren anzubringen, sah sie ebenfalls kritisch. Denn die Funktionstür hat keinen Bogen. Das bedeutet, vom Treppenhaus kann man die Originaltüre gar nicht mehr vollständig sehen. Außerdem sei es wegen des Kreuzgewölbes und einer angrenzenden Tür im ersten Stock schwierig, die Türe nach innen zu versetzen. „Ein Fass ohne Boden“, so bezeichnete Gabriel Guggemos (Füssen Land) die ganze Situation. 

Denn die Stadt müsse irgendwann auch das Dach des Gebäudes erneuern, was – wie Bauamtsleiter Armin Angeringer erklärt hatte – die Stadt rund 196.000 Euro kosten wird. Deshalb sei er dafür, die schlichten Türen zu nehmen, zumal das Haus nicht mal unter Denkmalschutz stehe. Der Meinung war auch Lothar Schaffrath (SPD). Denn „eigentlich haben die Türen mit dem Treppenhaus zu tun“. Wenn die jetzt zurückversetzt werden, gehe dieser Bezug verloren. Die drei schönen Funktionstüren würden jedoch dem Sparkurs der Stadt widersprechen, meinte Stadträtin Brigitte Riedlbauer (SPD). „Wir können der Bevölkerung nicht beibringen, so viel Geld für drei Türen auszugeben.“ 

Auch Stadtrat Jürgen Doser von den FW sah das als „kompletten Realitätsverlust“ an. Die alternative Lösung lehnte auch Andreas Ullrich (FW) ab. Denn die werde der Stadt nicht viel Geld einsparen. Aber „billige Türen wären schade. Das können wir nicht machen“. Auch Dagmar Rothemund (SPD) sah das so. „Das ist ein tolles Gebäude, da gehören entsprechende Türen rein“. Deshalb schlug sie vor, die Originaltüren zu erhalten oder eine alternative Lösung zu finden. Man könne auch die Mieter fragen, ob sie sich daran beteiligen. 

Stadtrat und Schreinermeister Bernhard Eggensberger (Füssen Land) und Klaus Zettlmeier (CSU) hielten dagegen die Kosten für die schönen Funktionstüren für zu hoch. „90.000 Euro für drei Funktionstüren kann nicht realistisch sein“, so Zettlmeier. Nachdem die Stadträte mit 13:8 Stimmen die günstigen Türen abgelehnt hatten, soll die Stadtverwaltung jetzt verschiedene Angebote für zwei optisch angepasste Brandschutztüren einholen und prüfen, ob das Zurücksetzen der Originaltüre im ersten Obergeschoss möglich ist.

Katharina Knoll

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