Warum aus einem Gesundheitszentrum bei Rückholz womöglich nichts wird

"Das Sahnehäubchen"

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An die historische Villa oberhalb des Schwaltenweihers soll ein modernes Hotel- und Tagungszentrum angebaut werden. Dem Landratsamt geht das jedoch zu weit.

Rückholz – Der Schwaltenweiher bei Rückholz gilt als einer der idyllischsten Seen im Ostallgäu. Das Bergpanorama am See mit Blick auf die Alpen lädt Einheimische und Touristen zum Genießen der Aussicht ein

Das Gewässer wird wegen dieses Panoramas auch als „Logenplatz vor den Alpen“ bezeichnet. Doch mit dieser Idylle ist es bald vorbei, geht es nach einer Projektgesellschaft um Projektleiter Herbert A. Geiger aus Balzhausen bei Krumbach. Diese will dort seit 2012 für fast 40 Millionen Euro ein Integriertes Gesundheitszentrum (IGZ) bauen. 

Ob die hochfliegenden Pläne jedoch jemals verwirklicht werden, ist indes mehr als fraglich: erst dieser Tage lehnte das Landratsamt die Entwürfe erneut ab. 

Was Projektleiter Herbert A. Geiger seit Jahren bei den Bürgermeistern und Gemeinderäten der Anliegergemeinden anpreist, klingt zunächst einmal tatsächlich nicht schlecht. Auf 4000 Quadratmetern Nutzfläche sollen auf einem schmucken Grundstück am See und auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Gesundheitszentrum mit 84 Betten, Therapie-, Behandlungs- und Freizeiträumen für psychisch und psychosomatisch kranke Kinder mit Hotel entstehen. „Laut der vorliegenden Konzeption“, so Geiger, „handelt es sich um ein integriertes Therapiekonzept, in dem sowohl die Behandlung der Kinder als auch die Einbeziehung der Eltern und des weiteren Umfelds vorgesehen sind.“ 

Tatsächlich planen die Entwickler auf dem Areal der alten Riemerschmidvilla – vormals ein Erholungsheim des hessischen Landkreises Hersfeld-Rotenburg – ein Vier-Sterne-Hotel und Tagungszentrum mit 14 Appartements und 40 Doppelzimmern. Für das Hotel soll die Villa für knapp zwei Millionen Euro denkmalgerecht saniert werden. „Die Erhaltung dieser besonderen Atmosphäre, die die Villa ausstrahlt (sic) ist uns dabei ein besonderes Anliegen“, heißt es dazu in einer Broschüre der Projektgruppe. „Harmonisch angegliedert“ an die historische Villa soll ein Neubau für das Tagungs- und Kompetenzzentrum angebaut werden. 

Dazu kommt eine Tiefgarage mit 96 Plätzen. 

Investoren hätten ihr Interesse bereits bekundet. Zusätzlich schmackhaft gemacht wird das Projekt mit durchaus beeindruckenden Zahlen. So gehen die Initiatoren nach eigenen Angaben davon aus, dass rund 90 Prozent der Investitionssumme in Höhe von fast 40 Millionen Euro durch Auftragsvergabe in der Region verbleiben könnten. „Auch die jährlichen Aufwendungen des integrierten Gesundheitszentrums von ca. fünf Millionen Euro Sach- und Materialkosten werden zum großen Teil Umsätze in den umliegenden Gemeinden auslösen“, heißt es. 

Darüber hinaus werden über 120 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. „Das geplante integrierte Gesundheitszentrum stellt eine ideale Verknüpfung von Tourismus und der Gesundheitsregion Allgäu dar“, schwärmte Geiger jüngst bei einem Treffen mit Vertretern der Anliegerkommunen. „Im Familienhaus und im Tagungszentrum werden zusätzliche Gäste in die Region geholt“, ist er überzeugt. 

Zweifel im Landratsamt 

Ob es dazu jedoch jemals kommen wird, ist derzeit alles andere als sicher. 

Denn der auserkorene Standort liegt mitten in einem Landschaftsschutzgebiet. „Wir sind im Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet“, macht Regierungsdirektorin Gudrun Hummel vom Landratsamt Ostallgäu unmissverständlich deutlich. Darüber hinaus stehe die Riemerschmidvilla unter Denkmalschutz. „Wir sehen keine Möglichkeit einer Erlaubnis“, betont Hummel. 

Zu massiv 

Erschwert werde eine behördliche Zustimmung zusätzlich durch die Dimensionen der geplanten Neubauten und die fehlende Anbindung an ein bereits bebautes Gebiet. „Das Projekt ist deutlich größer als der Bestand“, erklärt die Regierungsdirektorin. „Das Hotel würde die Villa zum Anhängsel machen.“ 

Darauf habe ihre Behörde die Projektgruppe in der Vergangenheit auch immer wieder aufmerksam gemacht und eine Verkleinerung der Pläne angemahnt. Stattdessen sei von Seiten der Projektinitiatoren immer noch größer geplant worden. „Man hat x Gesprächsrunden gedreht. Der neueste Entwurf war das Sahnehäubchen“, so Hummel. 

Den Initiatoren scheint langsam zu dämmern, dass eine Genehmigung der Pläne derzeit immer unwahrscheinlicher wird. 

Deshalb versucht Geiger nun, die Bürgermeister der Umlandgemeinen für seine Pläne zu gewinnen. Diese, allen voran Rückholz’ Bürgermeister Franz Erl, stehen seinen Angaben zufolge dem Projekt zustimmend gegenüber und wollten sich dafür einsetzen. „Die Bürgermeister sind der Meinung, dass das kein Problem sein sollte“, so Geiger gegenüber dem Kreisboten. „Das sollte machbar sein, sofern der politische Wille da ist“, glaubt er. 

Eine Frage des Rechts 

Gudrun Hummel ist da anderer Ansicht. „Das ist keine Frage des Ermessens, sondern des Rechts“, betonte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Geiger will die Entwürfe nun erneut noch einmal überdenken. „Wir könnten das Gebäude schon verschieben und verändern“, sagt er. „Wir müssen einen Kompromiss finden.“ Allerdings seien die aktuellen Entwürfe „schon eine sehr verkleinerte Variante“. „Allzu viel kann man nicht mehr wegnehmen, wenn es wirtschaftlich bleiben soll“, erklärt er. 

Weitere Gesprächsrunden mit möglichen Investoren seien unter der Bedingung vereinbart, dass vonseiten der Genehmigungsbehörden positive Signale kommen. Im Landratsamt in Marktoberdorf sieht man die Projektentwickler dagegen am Zug. „Der Ball liegt nicht bei uns“, betont Gudrun Hummel. Eine konkreter Antrag liege ohnehin noch nicht vor. 

Und wie sieht man die Dinge im Rückholzer Rathaus? Bürgermeister Franz Erl war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Matthias Matz

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