Mobilfunkunternehmen nimmt Standortsuche selbst in die Hand

Telekom ist jetzt am Drücker

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Der Galgenbichl mit seinem markanten Wasserbehälter steht im Mittelpunkt der Diskussion um geignete Standorte für einen neuen Mobilfunkmasten.

Füssen – Bei der Standortsuche für zwei neue Mobilfunkmasten droht nun der schlimmste Fall: Ein Funkturm mitten im Wohngebiet.

Die Firma Hieber sucht derzeit im Auftrag der DFMG Deutsche Funkturm GmbH für das Mobilfunknetz der Telekom östlich und westlich der Augsburger Straße Anwohner, die ihr Dach für eine Antenne zur Verfügung stellen. Doch dagegen regt sich Widerstand: Ellen Bodenmüller hat zusammen mit Karin Thanner und Andrea Horn vergangenes Wochenende ein Nachbarschaftstreffen organisiert.

Um nun auch die Nachbarn zu erreichen, die bei diesem Treffen nicht anwesend waren, findet am morgigen Sonntagnachmittag, 17. Januar, um 16.30 Uhr ein zweites Treffen im Hotel „Filser“ statt.

Seit über einem Jahr sucht die Telekom und die Stadt Füssen nun schon nach neuen Standorten für den Mobilfunkmast in Eschach, der nur noch bis März in Betrieb ist (der Kreisbote berichtete mehrfach). Die Wahl fiel auf den Galgen- und Fischerbichl. Doch wegen der Nähe des Galgenbichls zum Schulzentrum machten sich viele Bürger Sorgen. Auch die Suiterstiftung hatte Bedenken, auf deren Grundstück der Mast hinkommen sollte. Im November sagte sie der Stadt dann endgültig ab.

Deshalb sucht die Telekom jetzt nach Alternativen, wie Markus Jodl von der Deutschen Telekom AG gegenüber dem Kreisboten erklärte. So verschickte die Firma Hieber Ende Dezember Anfragen für eine Funkantenne an die Bewohner östlich und westlich der Augsburger Straße. Wie viele Anwohner die Firma genau angeschrieben hat, dazu möchte sich die Telekom nicht äußern.

250 Euro Miete 

Auch Ellen Bodenmüller aus der Tegelbergstraße hatte ein entsprechendes Schreiben im Briefkasten. Darin informierte die Firma, dass sie „eine festgelegte Mietfläche für die Antenne auf dem Dach und für das Aufstellen der Systemtechnik“ anmieten möchte. Dafür würde die Firma „eine monatliche Miete ab Baubeginn in Höhe von 250 Euro/netto“ anbieten. Die Telekom verlangt dafür allerdings auch einen „ungehinderten Zugang“ – also 24 Stunden am Tag an sieben Tagen der Woche – zur „Mietsache“. Die Laufzeit des Vertrags beträgt 15 Jahr mit der Option auf eine zweimalige Verlängerung um fünf Jahre.

 Bodenmüller war nach eigener Aussage „entsetzt“ über das Angebot, das sie völlig unvorbereitet traf. „Es war sozusagen die Neujahrsüberraschung“, so Bodenmüller. Nachdem sie erfahren hatte, dass auch andere Nachbarn einen Brief bekommen hatten, wurden Bodenmüller, Thanner und Horn aktiv. Sie luden rund 120 Anwohner zu einem Nachbarschaftstreffen ein. Dazu schrieben sie neben den Bewohnern der Wachsbleiche, Tegelbergstraße, Gabelschrofenweg, Straußbergstraße, der Säulingstraße und der Augsburgerstraße auch die Anwohner im Taxisweg, der Dr.-Enzinger-Straße und einige in der Marien-, Karl- und Theresienstraße an.

Einhellige Ablehnung

 In ihrem Brief warnten sie unter anderem vor den „gesundheitlichen Risiken“ und dem „drohenden Wertverlust der Immobilien“, die so ein Funkmast mit sich bringen könne. Neben 60 bis 70 Anwohnern nahmen schließlich auch sechs Stadträte an dem Nachbarschaftstreffen ein. Das Ergebnis: „Die einhellige Ablehnung eines solchen Funkmasten im Wohngebiet“, wie die Familien Bodenmüller, Hobelsberger, Müller und Kaindl in einem Schreiben an Bürgermeister Paul Iacob (SPD) erklärten. Darin fordern sie „so schnell wie möglich ein unabhängiges, ergebnisoffenes Gutachten, das alle möglichen Gebiete für die Berechnung eines optimierten Standortes miteinbezieht“, damit man der Telekom Alternativstandorte vorschlagen könne.

Zum anderen soll die Stadt ihre Verhandlungen mit dem Betreiber wieder aufnehmen und eine Veränderungssperre für die betroffenen Gebiete verhängen „bis eine umsetzbare Lösung gefunden wurde.“ Bürgermeister Iacob versprach daraufhin „sich der Sache anzunehmen und uns schriftlich zu informieren“, so Bodenmüller.

Doch wie viel die Stadtverwaltung in der Angelegenheit noch ausrichten kann ist fraglich. Denn Sendemasten sind bis zu einer Höhe von zehn Meter genehmigungsfrei. Jodl von der Deutschen Telekom AG meinte dazu: „Die Stadt wird von uns gemäß dem bayerischen Mobilfunkpakt über einen abgeschlossenen Mietvertrag informiert und gesprächsbereit sind wir – bis eine endgültige Entscheidung gefallen ist – immer.“

Dass die Telekom mit ihrem Vorgehen jetzt erst Recht auf Widerstand in der Bevölkerung stößt, darüber macht sie sich offensichtlich keine Gedanken. „Die Mehrheit der Bevölkerung möchte mobil telefonieren – auch Zuhause. Ohne Mobilfunkversorgung geht das nicht. Handy und Handymast bilden eine Einheit“, so Jodl. Auf die Frage, ob denn schon jemand das Angebot angenommen hat, möchte sich das Bonner Unternehmen allerdings nicht äußern.

Iacob sieht sich bestätigt

 Bürgermeister Iacob sieht sich während dessen in seinen Appellen bestätigt: „Ich habe immer gewarnt“, sagte er am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. Er und die Verwaltung hätten zusammen mit den Experten des Kölner EMF-Instituts immer zu verhindern versucht, was nun einzutreten droht. „Das wurde uns nie geglaubt“, bedauert er. Mitverantwortlich dafür seien auch „Interessengruppen“ wie das Mobilfunkforum Füssen, die den Entscheidungsprozess immer wieder verzögert hätten. „Ich kann träumen oder mich mit der Realität auseinandersetzen und Alternativen anbieten“, kritisierte er die ablehnende Haltung der Mobilfunkkritiker.

 Iacob sieht allerdings auch den Stadtrat in der Verantwortung. „Es wäre schön gewesen, wenn der Stadtrat eine Entscheidung getroffen hätte“, sagte er. Möglicherweise aber habe sich das Gremium von außen beeinflussen lassen.

 Allerdings will er die Hoffnung auf den Galgenbichl als neuen Standort für den Eschacher Sendemasten noch nicht ganz aufgeben. „Ich hoffe, dass wir dort nochmal eine Alternative finden“, erklärte er. „Wir suchen!“ Allerdings sei die Stadt dabei nun stark vom Wohlwollen der Telekom und deren Geduld abhängig. Noch in dieser Woche (nach Redaktionsschluss dieser Kreisboten-Ausgabe) sollten deswegen Gespräche mit dem Unternehmen geführt werden, sagte er. „Ich hoffe, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter uns steht. Sonst haben wir bald überall Antennen auf den Dächern“, so Iacob.

Die CSU-Fraktion möchte das Thema ebenfalls noch einmal im Stadtrat diskutieren. Fraktionschef Heinz Hipp hat einen entsprechenden Antrag für die Sitzung am Dienstag, 26. Januar, gestellt.

Katharina Knoll/Matthias Matz

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