Mitglieder des AK "Mitterseebad" erheben Vorwürfe gegen Bürgermeister

"Keine Flickschusterei"

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So sah das Mitterseebad in früheren Zeiten aus.

Füssen – Dina Bader, Uschi Chilian, Helga Bierig, Dorle Läubin und Christina Fahrnholz sind sauer.

Sauer auf Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Sauer auf Tourismusdirektor Stefan Fredlmier. Sauer auf die Ergebnisse, die der Arbeitskreis „Mitterseebad“ mittlerweile erarbeitet hat und voraussichtlich im Oktober dem Stadtrat zur Entscheidung vorlegen will. So sauer, dass sie sich mittlerweile von dem Arbeitskreis distanzieren und ausgetreten sind. „Wir wurden nur benutzt“, sind sich die fünf Frauen, die das historische Mitterseebad in seinem jetzigen Zustand erhalten wollen, sicher.

Mit einem offenen Brief an die Stadträte wollen sie sich Gehör verschaffen. Iacob und Fredlmeier weisen die Vorwürfe zurück und üben ihrerseits Kritik an den Frauen. „Der Arbeitskreis war eine Alibiveranstaltung. Es war alles von vorne rein beschlossen“, sagt Dina Bader und ihre Mitstreiterinnen nicken eifrig. „Wir waren sehr zufrieden bis zur letzten Sitzung. Denn da hat sich herausgestellt, dass das, was wir uns vorgestellt haben, verpufft ist.“

Mit der letzten Sitzung meinen die Füssenerinnen das letzte Treffen des Arbeitskreises „Mitterseebad“. In diesem sollte laut Stadtratsbeschluss vom Dezember ein Konzept für die Zukunft des Mitterseebades erarbeitet werden. Zur Debatte stehen im Kern eine Sanierung und Erhalt des Bades oder Öffnung und Einbindung in einen Kneipp-Kurpark (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Jene letzte Sitzung fand am 21. Juni statt, just an dem Abend als Deutschland bei der Fußball-EM in Frankreich gegen Polen antrat. In der kleinen Runde, die sich trotzdem einfand, sei, so berichten sie, schließlich beschlossen worden, dem Stadtrat zwei zusammen mit Landschaftsplanern erstellte Konzepte zur Abstimmung vorzulegen.

Pläne gehen zu weit

Eines davon sehe in groben Zügen eine Sanierung, aber auch teilweise Modernisierung der Badeanstalt vor. So seien zum Beispiel eine Plattform und Wege für Rollstuhlfahrer über die Liegewiese geplant. Dazu eine Aufwertung des gastronomischen Betriebes. Das andere Konzept sehe eine Öffnung des Bades zu einem Naturbad vor. Den fünf Frauen geht das aber viel zu weit. „Wir wollen, dass das Bad so bleibt wie es ist!“, sagen sie.

Allenfalls eine Anhebung des Gebäudes, Sanierung der Toiletten und eine Reparatur des Daches und der Dachrinnen seien notwendig, meinen sie. Außerdem sollte das Becken einmal im Jahr von der Feuerwehr ausgespritzt, die alten Teppichbeläge entfernt und ersetzt und der Plattenbelag repariert werden. Alles andere sei zu teuer und zu wenig nachhaltig, sind sie der Meinung.

"Nicht angemessen" 

Darüber hinaus sei künftig keine Badeaufsicht mehr vorgesehen, kritisieren die Frauen. So sei trotz eines Rechtsgutachtens die Haftungsfrage hinsichtlich der Aufsichtspflicht im Falle eines Unglücks nicht zu friedenstellend geklärt. „Zu einem Badeort für Familien gehört zwingend eine ordnungsgemäße Badeaufsicht!“, schreiben die fünf Frauen.

„Nicht nachvollziehbar“

Bürgermeister Paul Iacob und Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier können diese Kritik nicht nachvollziehen und weisen die Vorwürfe von sich. „Ich halte das für nicht angemessen“, so Iacob gegenüber dem Kreisbote. „Wir haben nicht ein vorgegebenes Ziel verfolgt, sondern wir haben abgewogen“, betonte er.

Diesen Prozess habe sich die Stadt einiges kosten lassen. „Wir halten die gemachten Vorwürfe in Form und Inhalt für nicht zutreffend“, sagte auch Tourismusdirektor Fredlmeier auf Anfrage. Eine Steuerung oder Beeinflussung des AK habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben. „Alle Vorschläge der Landschaftsarchitekten wurden ausgiebig diskutiert, gegebenenfalls verändert und führten letztlich zu zwei Varianten“, so Fredlmeier.

 Damit habe der Stadtrat jetzt klare Alternativen. Das Verhalten der fünf Frauen bezeichnete der Tourismusdirektor als Unterminierung einer sachlichen Diskussion. „Das führt zu einer Frontenbildung nicht nur im Stadtrat, sondern auch in der Öffentlichkeit“, kritisiert er. Das angekündigte Nicht-Akzeptieren einer möglichen Entscheidung des Stadtrates werde weder der Arbeit des Arbeitskreises noch der Position des Stadtrates gerecht.

Bürgermeister Iacob erteilte den Forderungen der „Mittersee-Damen“ nach verschiedenen kleineren Ausbesserungen ebenfalls eine klare Absage. „Diese Flickschusterei hatten wir die letzten Jahre“, sagte er. Jetzt gehe es um ein gleichwohl nachhaltiges wie wirtschaftliches Gesamtkonzept für das Bad. „Die Investitionen müssen sich nachhaltig tragen“, betonte er. Die fünf Frauen vom Mittersee ficht das nicht an. Sie haben bereits angekündigt, weiter für den Erhalt ihres Mitterseebades zu kämpfen.

Matthias Matz

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