Auf Antrag der SPD kassiert der Stadtrat den Beschluss des Finanzausschusses

Stadtrat verlängert Hippy

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Kinder tüfteln bei einem Gruppentreffen zusammen über den Aufgaben des Hippy-Projekts.

Füssen – Was der Finanzausschuss noch vergangenen Dienstag beschlossen hat, hat der Stadtrat jetzt gekippt: Das Hippy-Projekt für Vorschulkinder wird doch bis Ende August 2018 verlängert.

Die Fortführung beantragte die SPD-Fraktion in der Sitzung am Dienstag. Dabei sollte die AWO-Ortsvorsitzende Brigitte Protschka die Chance bekommen, sich zu der Kritik im Finanzausschuss zu äußern. Gleichzeitig hatte Protschka ein neues Angebot im Gepäck: Die AWO will statt 30 Prozent jetzt 40 Prozent der Kosten tragen. Damit verringert sich die Beteiligung der Stadt von 42.000 Euro auf 36.000 Euro.

Zu teuer war am vergangenen Dienstag einigen Stadträten die Fortführung des Hippy-Projekts (der Kreisbote berichtete). Da in den kommenden Jahren viele Investitionen auf die Stadt zukommen werden, könne sich Füssen die Beteiligung von 42.000 Euro nicht mehr leisten, meinte eine knappe Mehrheit im Finanzausschuss. Pro Runde gibt es nur 14 Plätze in dem Projekt. Die Kinder dafür werden über den Kindergarten ermittelt, hatte Projektleiterin Claudia Hohlweg erklärt. Einige Familien kommen aber auch über Empfehlungen von Freunden dazu.

 Doch genau das hatte Ursula Lax (CSU) kritisiert. Sie befürchtete, dass dadurch die Hilfe nicht unbedingt da ankomme, wo sie gebraucht werde. Dem widersprach Protschka jetzt im Stadtrat. „Das ist eigentlich kein Makel, das ist ein großes Glück.“

Denn gerade an die Eltern heranzukommen, deren Kinder eine spezielle Förderung brauchen, sei wahnsinnig schwer, so Protschka. Die Weiterempfehlung sei deshalb „logisch und wichtig.“ Bei der jetzigen Hippy-Runde seien acht Kinder vom Kindergarten für das Projekt empfohlen worden. Vier Kinder seien nach Elternabende zu Hippy gekommen und drei auf Empfehlung anderer Mütter.

Wenn diese Kinder keinen speziellen Förderungsbedarf hätten, würden sie gar nicht aufgenommen werden, so Protschka. Das werde beim Aufnahmegespräch geklärt. „Hippy ist ein strenger Lizenzgeber. Hippy macht klare Vorgaben, welche Kinder reinkommen. Das geht nicht so locker.“

 Zwar könne die Frühförderung in der Kita mit Hippy verglichen werden, gab Protschka auf Anfrage von Kristina Reicherzer (FWF) zu, doch bei Hippy werde die Mutter zusätzlich mit ins Boot geholt. „Die Mutter soll lernen, wie sie mit ihrem Kind lernen kann“, so Protschka. Denn „Zuhause ist der wichtigste Lernort für Kinder. Das wird durch Hippy gefördert. Die Kita kann das nicht leisten und nicht erreichen.“ Die Eltern dieser Kinder hätten selbst maximal einen mittleren Bildungsabschluss.

Durch Hippy gelänge es eine persönliche Beziehung zur Familie aufzubauen und deren Erziehungskompetenz zu stärken. „Deshalb ist Hippy so wichtig“, so Protschka. Alles, was die Kinder dort lernen, benötigen sie, „wenn sie in die Schule kommen. Sonst haben sie von vornherein Nachteile.“

Der Fokus des Finanzausschusses liege primär auf den Kosten, „ich verstehe den Entschluss“, so die AWO-Vorsitzende, „ich halte die Entscheidung dennoch für falsch.“ Deshalb habe sich die AWO dazu entschlossen, sich stärker an den Kosten zu beteiligen. „Ich würde mich freuen, wenn das geschätzt werden würde von der Stadt und wir gemeinsam den Weg weitergehen können.“

SPD will Hippy verlängern 

Leidenschaftlich sprach sich dafür die SPD-Fraktion aus. Wolfgang Bader und Ilona Deckwerth brachten dabei ihre Erfahrungen als Mittelschullehrer und Förderschullehrerin ein. „Kinder aus Migrationsfamilien haben aufgrund der Sprache wahnsinnige Defizite, die sie in der Schule nicht mehr ausgleichen können. Das Versagen in der Schule ist vorprogrammiert“, sagte Bader. Einige von diesen treffe man dann beim Lehrerfußball im Gefängnis wieder. „Die christlichen und sozialen Werte bewegen mich dafür zu stimmen“, meinte Bader.

Auch Deckwerth bekräftigte, dass die überwiegende Mehrheit der Hippy-Kinder auf eine Regelschule gehe oder später den Wechsel dorthin schaffe. „Es geht um Alltagssituationen. Wie kann ich mit der Schule klar kommen. Das wird den Eltern auf behutsame Weise beigebracht.“ Deshalb appellierte die SPD-Stadträtin: „Bitte unterstützen Sie das Projekt. Bitte sehen Sie, dass das eine Förderung ist, die ein Stück lebensentscheidend ist.“

Auch Georg Waldmann und Dagmar Rothemund waren dieser Ansicht. „Das wäre ein echter Jammer, das jetzt abzuwürgen. Es ist eine Investition in die Zukunft“, meinte Waldmann.

Kein Automatismus

Dass das Projekt wichtig ist, darin waren sich alle Stadträte einig.

Allerdings war Lax die Argumentation zu dramatisch. „Das Projekt ist toll. Aber man sollte den Bogen der Begründung nicht überspannen.“ Gar nicht so viele Städte beteiligen sich an Hippy, erklärte Lax. „Kinder dieser Städte werden auch gefördert“, beispielsweise im Kindergarten. In den vergangenen Jahren habe der Freistaat den Personalschlüssel stark angehoben. Trotzdem „ich werde dem Projekt heute nochmal zustimmen“, so Lax. Allerdings wollte sie künftig keinen Automatismus bei der Absegnung des Projekts.

Ähnlich sah das Dr. Martin Metzger (BfF). „Ich hab bisher immer für Hippy gestimmt. Ich denke das ist super.“ Deshalb werde er auch jetzt zustimmen. Allerdings könnten mit dem Programm nur ein paar wenige gefördert werden. „Der Automatismus darf nicht weiterlaufen. Wir müssen das an mehr (Kinder – Anmerk. d. Rd.) geben“, sagte Metzger auch mit Blick auf die kleinen Asylbewerber, die künftig fit für die Schule gemacht werden müssen.

Hier müsse allerdings der Bund in die Pflicht genommen werden, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). „Asylkinder sind eine völlig andere Kategorie. Der Bund darf durch die Kommunen nicht entlastet werden“, so der Rathauschef.

Am Ende stimmten die Räte mehrheitlich für das Projekt. Nur Jörg Umkehrer (Grüne) blieb bei seinem „Nein“. „Mir tut diese Entscheidung sehr weh. Wenn die (finanzielle – Anmerk. d. Rd.) Situation der Stadt besser wäre, würde ich zustimmen“, so Umkehrer.

Katharina Knoll

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