"Ausverkauf der Heimat"

Einstimmig begrüßt hat der Bauausschuss Pläne der Kraftwerke Füssen GbR, den Lechfall mit einem neuen WC und einem Kiosk auszustatten (der KREISBOTE berichtete). Einstimmig aber wohl nur deswegen, weil Stadtrat und Ausschussmitglied Magnus Peresson (UBL) aus beruflichen Gründen beim Ortstermin und der Diskussion zu diesem Vorhaben verhindert war. Er kritisierte nun in einem Schreiben an den KREISBOTE Jo Huber von der Kraftwerk GbR scharf und rechnet auch mit den Behörden in dieser Sache ab.

Dass es Jo Huber nach eigener Aussage stinkt, wie sich der Lechfall derzeit präsentiert, dafür hat Peresson kein Verständnis. „Jo Huber hat ganz offensichtlich vergessen, dass er selbst und seine ehrenwerten Genossen von der Kraftwerk GbR vor Jahren den Lechfall zum Schandfleck gemacht haben“, poltert er. Die Gesellschaft habe eine nackte Betonschürze quer durch den Lech gebaut, wo nun ganzjährig ein Bagger den Blick auf den Wasserfall verschandle. Der sei ohnehin zu einem „meist lächerlichen Gebiesel“ verkommen, so viel Wasser werde ihm abgezapft und das „mit tatkräftiger Unterstützung aller zuständigen Ämter, auch der Stadtverwaltung.“ Den Bundeswerkstadel von 1787 habe ebenfalls die Kraftwerksgesellschaft um Jo Huber abgerissen, moniert er weiter. Für Peresson ist es daher blanker Hohn, dass es just Huber sei, der Abhilfe verspreche. Auch von der Methode hält der Architekt und Stadtrat nicht viel. „Eine 300 Quadratmeter große Plattform soll es sein, die den Schandfleck zudeckt und von der aus man einen Blick auf die von der Bayerischen Staatsregierung zum Geotop gekürte Lechschlucht mit Betonband und Bagger genießen kann“, so Peresson weiter. Damit sich die Aktion rechne, werde die Plattform mit einem eiförmigen Kiosk mit WC beschwert. Dass Behörden und Politiker-Kollegen seine Sorgen teilen, glaubt Peresson offenkundig nicht: „Es ist zu befürchten, dass diese aberwitzigen Pläne, die unserer Stadt mehr schaden als nützen werden, wie schon gehabt, die volle Unterstützung der Kommunalpolitiker und – was noch wichtiger ist – das Wohlwollen des Landratsamtes Ostallgäu finden“, befürchtet er. Das Denkmalamt werde sich für nicht zuständig erklären und die Naturschutzbehörden ihre Begeisterung für erneuerbare Energien über den Schutz der Natur stellen, so Peressons Vorhersage. „Es fragt sich nur, wie lange die braven Bürger dieser Stadt dem gnadenlosen Ausverkauf ihrer Heimat noch zuschauen werden“, wendet er sich an die Füssener. „Und wie lange sie sich von all den cleveren Investoren genau den Ast absägen lassen, auf dem sie mit einem ihrer wichtigsten Wirtschaftszweige, Tourismus, sitzen.“

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