Zu groß und zu massiv

Räte lehnen Tennishalle ab

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Die Tennisplätze des TC Schwangau am Ortseingang von Hohenschwangau: An der Stelle der beiden vorderen Plätze will der TC  eine Tennishalle bauen. Ein No-Go, wie die Gemeinderäte mit Blick auf die Sichtachsen zum dahinterliegenden Schloss Neuschwanstein meinen.

Schwangau – Einhellig hat der Schwangauer Bauausschuss dem Ansinnen des Tennisclubs, eine Tennishalle in Hohenschwangau zu errichten, eine Absage erteilt. Dabei spielte die Tatsache, dass das Vorhaben in der engeren Schutzzone der Trinkwasserbrunnen liegt, nicht mal eine Rolle.

Noch bevor Wolfgang Geiger die Details zur Bauvoranfrage des TC Schwangau verlesen konnte, machte Bürgermeister Stefan Rinke darauf aufmerksam, dass die Verwaltung dem Vorhaben nicht zustimmen könne. Insbesondere die Tatsache, dass für den geplanten Bau einer Tennishalle mit zwei Turnierplätzen ein gemeindlicher Weg überplant worden sei, der die Erschließung bzw. den Zugang zu einem Nachbargrundstück sicherstellt, ließ das Vorhaben in seiner frühesten Phase scheitern.

Doch das war nicht der einzige Ablehnungsgrund, wie sich schnell zeigen sollte: „Unabhängig von diesem Punkt würde ich auch sonst an dieser Stelle ein Bauwerk dieser Größe, Länge, Breite, Höhe, nicht befürworten“, pflichtete Robert Berchtold dem Bürgermeister bei. „Wenn wir uns irgendwo Gedanken machen über Sichtachsen“, so der Forstdirektor im Hinblick auf Schloss Neuschwanstein, „ dann ist das undenkbar an dieser Stelle. Vor allem in dieser Massivität“.

Spannend wäre es aber, ergänzte Berchtold, zu sehen, wie sich Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt oder die Behörden generell zu einem derartigen Bauvorhaben innerhalb der Wasserschutzzone II stellen würden. Es gebe in dieser Position, merkte Berchtold an, noch weitere potenzielle Bauwillige, die auf solch einen möglichen Präzedenzfall nur warten würden.

Wie mehrfach im Kreisbote berichtet, besitzt die Stadt Füssen besitzt unweit von Hohenschwangau Grundstücke, auf denen das Trinkwasser für die Kommune gefördert wird. Dadurch liegt der gesamte Ortsteil Hohenschwangau in der Trinkwasserschutzzone, insbesondere die Tennisplätze des TC Schwangau in der engeren Schutzzone II. Innerhalb der Schutzzone müssen bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um eine Verunreinigung des Trinkwassers auszuschließen. Die Brunnen liegen vom Tennisplatz aus gesehen im Unterstrom dieser.

Das heißt: Was hier im Erdreich versickert, könnte die Brunnen und damit die Trinkwasserversorgung erreichen.

 Steckt Investor dahinter? 

Peter Helmer, der ersatzweise als Mitglied des Bauausschusses fungierte, merkte an, dass eine gewisse Verbesserung zu erreichen wäre, nachdem Tennissand entsorgt würde. Für ihn stellte sich an dieser Stelle aber eine andere Frage: „Wer steckt dahinter?“, wollte Helmer wissen. Gebe es einen Investor, der dieses Vorhaben stemmen könnte?, wunderte sich Helmer und erinnerte daran, dass man erst über einen Zuschussantrag für den Tennisclub und einen Zuschussantrag für die Renovierung von Toiletten habe diskutieren müssen. „Und jetzt kommt so eine gewaltige Maßnahme“.

Bürgermeister Rinke stellte klar, dass man seitens des TC Schwangau nicht das Gespräch gesucht habe, lediglich der Planer habe die Anträge und Risszeichnungen vorbeigebracht. Rupert Gebler wollte wissen, ob es alternativen zur vorgelegten Positionierung gebe. „Der Querriegel, das geht gar it“, meinte Gebler mit Blick auf die Pläne, bei denen sich die Tennishalle in einem rechten Winkel an das Vereinsheim anschließen und über eine Länge von zwei Tennisplätzen nach Südosten erstrecken würde.

Nachdem der TC gerade erste Fläche veräußert habe, erfuhren die Räte, sei hier kein Platz mehr vorhanden. Außerdem fehle ein Betreiberkonzept, merkte Rinke an. „Ich glaub‘, dass da schon was anderes dahintersteckt“, befeuerte Peter Helmer die Diskussion und vermutete einen Investor und noch weitergehende Pläne hinter der Voranfrage. In der öffentlichen Diskussion, so der Gemeinderat weiter, wolle er darauf nicht weiter eingehen. Aber gerade damit ließ er Raum für Spekulationen.

Schlussendlich folgten die Räte der Absicht Rinkes und der Gemeindeverwaltung und lehnten die Bauvoranfrage des TC einstimmig ab.

Oliver Sommer

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