Bauausschuss will leerstehenden "Seegasthof" wiederbeleben

Nein zu Asylbewerbern und Neubau

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Neues Leben im „Seegasthof“ wünschen sich Stadtverwaltung und Kommunalpolitik. Um das möglich zu machen, soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Füssen – Mittlerweile ein Dauerthema im Bauausschuss ist die Zukunft des „Seegasthofes“ in der Pfrontener Straße, der bereits seit längerem leer steht. Vergangene Woche ist das Gremium einen entscheidenden Schritt weiter gekommen, um das Gebäude wiederzubeleben.

Einstimmig verständigte es sich auf das Aufstellen eines Bebauungsplans für das betroffene Areal sowie den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags, der vor allem eine Nutzung des Gebäudes als Asylbewerberheim verhindern soll. Ebenfalls vom Tisch ist der Bau eines neuen Gebäudes. 

Er sei gespannt, wie dieser Bauantrag gelöst werden solle, raunte ein Stadtrat nach der nichtöffentlichen Besichtigung des „Seegasthofs“ direkt am Weißensee im Vorfeld der Sitzung. Tatsächlich ist die Lage dort schwierig. Denn das Gebäude steht seit geraumer Zeit leer und ist Bestandteil eines Insolvenzverfahrens, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) erklärte. 

Die Stadtverwaltung möchte aber, dass das Gebäude baldmöglichst wieder genutzt wird. Zum Beispiel als Restaurant, so Iacob. „Da könnte man sicherlich etwas Tolles machen!“ sagte er. „Schlimmer kann das Gebäude nicht mehr werden.“ Oder als Wohnungen. Dafür muss jedoch zunächst eine Nutzungsänderung beschlossen werden. 

Hohe Hürden 

Der derzeitige Bauinteressent hat dahingehende Pläne für das Gelände. 

Er hat den Umbau der Fremdenzimmer in dauerhaft nutzbare Wohnungen sowie den Neubau eines weiteren Gebäudes mit fünf zusätzlichen Wohnungen beantragt. Die baurechtlichen Hürden dafür sind jedoch hoch, wie Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer den Stadträten erläuterte. Das habe das Landratsamt unmissverständlich klar gemacht. 

Denn zum einen liegt der „Seegasthof“ im Außenbereich und zum anderen in einem Landschaftsschutzgebiet. Geprüft werden müsse auch, ob wegen der Nähe zur Bundestraße Lärmschutzauflagen nötig sind und ob Zu- und Abfahrt wegen der Bundesstraße überplant werden müssen. 

Kein Neubau 

Außerdem habe die Kreisbehörde in Marktoberdorf bereits deutlich gemacht, dass ein Neubau wohl nicht infrage kommt. „Das wird eher kritisch eingestuft“, so Bauamtsleiter Angeringer. Auch Bernhard Eggensberger (Füssen Land) sprach sich wegen des Schutzgebiets und der nahen Bundestraße gegen einen Neubau aus: „Da gibt es eine Gefahrenzone“, warnte er. Er wünsche sich stattdessen ein Hotel im bestehenden Gebäude. Wohnungen seien „kein Fortschritt für den Tourismusort“ Weißensee, erklärte er. 

„Nicht gut“ fand er das anscheinend bei der vorherigen Ortsbesichtigung vorgebrachte Ansinnen des Bauinteressenten, aus dem Gebäude notfalls ein Asylbewerberheim zu machen. „Das ist ein Versuch, auf uns Druck auszuüben“, kritisierte Eggensberger. Auch Stadtrat Lothar Schaffrath (SPD), Migrationsbeauftragter des Stadtrats, sprach sich gegen eine Nutzung als Asylbewerberunterkunft aus. Der „Seegasthof“ sei zu weit abgelegen, um eine Integration der Flüchtlinge zu ermöglichen, erklärte er. 

Wie Dr. Anna Derday von den Freien Wählern (FW) forderte er das Aufstellen eines Bebauungsplans für das Areal, „denn sonst entgleitet uns das.“ Einstimmig folgte das Gremium dieser Forderung. Ebenso einer Meinung waren die Stadträte bei der Ablehnung eines weiteren Gebäudes. Außerdem soll ein städtebaulicher Vertrag aufgesetzt werden, der die Nutzung des Hauses als Asylbewerberheims untersagt. Gleichzeitig soll sich der Bauinteressent mit dem Vertrag verpflichten, die Kosten für das Bebauungsplanverfahren zu übernehmen.

Matthias Matz

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