Das Amt für Ernährung , Landwirtschaft und Forsten schaut mit Förstern und Jägern auf 30 Jahre Sanierung der Schutzwälder zurück

Schutz vor Hochwasser, Erosion und Lawinen

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Forstdirektor Klaus Dinser (rechts) resümiert mit Förstern und Jägern die Schwierigkeiten und Erfolge bei der Schutzwaldsanierung.

Füssen – Vor 30 Jahren wurde mit der Sanierung der Schutzwälder im  Alpenraum begonnen. Eine Erfolgsgeschichte, so das Resümee der  Förster vom Forstrevier Füssen. Bei einem Begang in der Bleckenau nahm Forstdirektor Klaus Dinser Pressevertreter mit auf eine Zeitreise und zeigte, was sich im „Ahorngebiet“ verändert hat.

„Von mir zu Hause bis ins Revier sind es zehn Kilometer. Und da stand nicht ein einziger Ahorn, der jünger war als 200 Jahre“. In wenigen Worten bringt der Berufsjägermeister Wolfgang Schweiger das Dilemma auf den Punkt, das sich den Verantwortlichen vor 30 Jahren bot.

Die natürliche Waldverjüngung im Gebirge funktionierte nicht mehr, die Bestände zeigten Auflösungstendenzen. Mit verheerenden Folgen, nicht nur im Gebirge und nicht nur für den Fachmann erkennbar. Denn vor allem im Gebirge kommt dem Wald eine wichtige Funktion zu: der Schutz vor Hochwasser, Erosion, Lawinen. Wo der Wald fehlt, rutschen Hänge ab, donnern Muren, Schlamm- oder Schneelawinen zu Tal und zerstören Straßen oder Siedlungen und bedrohen Menschenleben, wie etwa Mitte der achziger Jahre am Grünten im Oberallgäu.

Dort nahm auch eine Geschichte ihren Anfang, die die Allgäuer jetzt quasi feierten: die Schutzwaldsanierung. Drei Jahrzehnte intensiver, harter Arbeit für mehrere Generationen Förster, Jäger und Waldbauern. 30 Jahre, in denen allein im Allgäu 17 Millionen Euro in Aufforstung und Sanierung der Bergwälder investiert wurden (in Bayern 85 Millionen), derzeit 3800 Hektar (Bayern 10.000 ha) bereits saniert wurden und mehr als zwei Millionen neuer Bäume (Bayern 13 Millionen) neu gepflanzt wurden.

Mit dem Ergebnis, dass der Zustand auf rund Dreiviertel der Flächen als zufriedenstellend bis gut eingeschätzt wird, wie Klaus Dinser meinte.

Schutz wird wichtiger

Um das Jubiläum zu feiern, hatte die Fachstelle Schutzwaldmanagement am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kempten zu einer Wanderung hoch über Hohenschwangau eingeladen.

Mit dabei Männer der ersten Stunde, wie der inzwischen pensionierte Forstdirektor Hubert Perras, sein Nachfolger Robert Berchtold, ehemalige und aktive Förster und Berufsjäger, die dieses Revier betreuen sowie ein Forstwirt, der die Maßnahmen vor Ort umsetzt. „Es geht um die Erhaltung und Wiederherstellung des Schutzwaldes“, machte Klaus Dinser seinen Zuhörern klar. Denn die Schutzfunktion des Waldes werde immer wichtiger, insbesondere in Zeiten des Klimawandels.

Schutz vor Hochwasser, Erosion und Lawinen

Allein diese Veränderungen machen einen wichtigen Teil der Sanierungsbemühungen aus, müssen doch an den Standort besser angepasste Bäume, etwa die Weißtanne anstatt der Fichte, gepflanzt werden. Schaut man auf die Zahlen, wird schnell klar, warum. Denn 60 Prozent der Waldfläche im bayerischen Alpenraum sind Schutzwald, grenzen also mehr oder weniger direkt an Infrastruktur und Besiedlung an oder werden davon sogar durchtrennt.

Angesichts der in den achziger Jahren vorherrschenden Hysterie um den Waldschadensbericht – „Jeder zweite Baum stirbt!“- gelang es, die Politiker aus ihrer Lethargie zu reißen, wie Dinser erinnerte.

Erfolgreicher Start 

Und obwohl in Wirklichkeit nur zehn Prozent der Fläche im Schutzwald ihrer Schutzfunktion nicht mehr gerecht wurden, beschloss der Bayerische Landtag mit einer überwältigenden Mehrheit ein Finanzprogramm zum Schutz und der Sanierung der Wälder.

So begann dieses einzigartige Programm, das im Fazit doch recht erfolgreich ist, wie Dinser meint. Ziel sei es, dass solche Kalamitäten wie 1990, namentlich die beiden Starkwindereignisse Vivian und Wiebke, nie mehr einen solch verheerenden Einfluss auf den Wald und seine Funktion haben können. Eben nachhaltig, wie man es im Forst eigentlich seit 300 Jahren macht, aber zeitweise vergessen zu haben scheint.

Das war es auch, mit dem es die Männer der ersten Stunde, Robert Berchtold nannte es die euphorische Phase, zu tun hatten. Geld war vorhanden, nun mussten unter Einbeziehung der verschiedensten Fachstellen für Naturschutz, der Wasserwirtschaft und anderer Vorgaben und Pläne erstellt werden und die Grundstückseigner – zum Glück ist der Schutzwald zum Großteil in Staatshand- ins Boot geholt und überzeugt werden, die Maßnahmen mitzutragen.

Jäger sind gefragt 

Ein wichtiger Baustein bei der Sanierung betrag aber nicht die Förster, sondern die Jäger: um eine Verjüngung des Waldes hinzubekommen, brauchen die kleinen Bäume eine Chance. Und an dieser Stelle kommen Berufsjäger wie Wolfgang Schweiger oder sein Nachfolger Hans Greindl ins Spiel, die den Grundsatz Wald vor Wild durchsetzen und anfangs ein fast gnadenloses Abschussprogramm umsetzen mussten.

Wurden zuvor in einem Jahr 25 Stück Gams geschossen, stieg die Zahl in manchen Jahren auf das zehnfache an. Ein schwieriger Prozess, so Hubert Perras, war doch gerade im Gebiet Hohenschwangaus die Jagd noch fast Königlich. In der Folge erhielt nicht nur der Forstdirektor Drohungen und selbst Franz Josef Strauß ließ sich zu einem mahnenden Brief an die Forstfachleute herab, die Thematik doch politischer anzugehen.

Gerade im Hinblick auf die Abschussquoten, so Meinhard Süß, ehemaliger Betriebsleiter des Forstbetriebes Oberammergau, sei die Problematik noch größer geworden, die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter gesunken. Auch die Finanzausstattung ist ein wunder Punkt angesichts der aktuellen Lage in Bayern. Doch trotz dieser großen Fußstapfen, in denen man heute laufe, so Dinser, gehe es vorwärts: „Der Wald verjüngt sich“.

Einer der wichtigsten Punkte, auf die man in den vergangenen 30 Jahren hart hingearbeitet hat. Alte Bäume sterben ab, junge wachsen nach und sorgen für den Schutz vor Lawinen, liefern Samen für die Waldverjüngung und sind aufgrund ihrer Art besser angepasst an die Standorte, vor allem wenn die Temperaturen steigen oder die Niederschläge heftiger werden sollten.

Arbeit geht nicht aus 

Und dennoch geht den Beteiligten die Arbeit so schnell nicht aus. Aber fürs erste „schaut der Wald schon ansprechend aus auf der Fläche“, sagte Dinser im Einklang mit seinen Kollegen, von früher, von heute und, in Person von Bernd Wachsmann, der ab dem ersten Dezember das Revier in der Bleckenau übernehmen wird, auch schon von morgen.

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