Behindertenbeirat schaut genau hin

Toll für Menschen, die sich mit dem Gehen schwer tun: das flache Kopfsteinpflaster in der Drehergasse (linke Bildhälfte) gegenüber dem Altstadt-Standardpflaster. Foto: Schuster

Um die Barrierefreiheit der öffentlichen Toiletten in Füssen ging es bei einer Begehung, zu der Stadtrat Dr. Hans-Martin Beyer am vergangenen Freitag geladen hatte. Zumindest Anfangs ging es darum, als sich Beyer zusammen mit der Behindertenbeauftragen des Landkreises, Waltraud Joa, Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier, Stadtbaumeister Theo Fröchtenicht sowie Reiner Schweiger und Renate Dantinger vom Behindertenbeirat auf dem Weg machte. Schnell stellte sich heraus: Prekärer ist der Straßenzustand in der Altstadt.

Nichts gab es für Joas, die selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, an der Behindertentoilette auf dem Morisseparkplatz auszusetzen. Zwar sei bei modernen Anlagen der Spülknopf vor an den Haltegriffen und oft gar mehr nur ein Sensor, den man betätigt, in dem man mit der Hand darüber fährt, aber Joa sieht die Sache realistisch: Neue Anlagen sollten auf dem neuesten Stand sein, die vorhandenen, bei denen der Spülknopf noch an der Wand zu finden ist, könne man selbstverständlich nicht nachrüsten. Über die kleine Schwelle könne man auch noch hinweg sehen. Als Schick bezeichnete Joa gar die Toilette im Rathaus, hier ist Füssen wohl gut aufgestellt. Beim Gang durch die Altstadt fiel mehr auf, das verbesserungswürdig ist. Das Kopfsteinpflaster etwa kann einen Rollifahrer ganz gut durchschütteln. Dafür hat die Stadtverwaltung seinerzeit Steinplatten am Rand installiert – die werden aber häufig von Fahrradständern, Warenauslagen oder Tischen der Gastronomie blockiert. Die Lösung dieses Problems steht auch auf der Agenda der geplanten neuen Gestaltungs- und Sondernutzungssatzung. Nur was sagt der Handel dazu? Die bemühen sich zu einem großen Teil, genug Platz für Rollstuhlfahrer zu lassen, stellte Joa fest. Aber sie üben bei der Frage der Warenauslagen auch Druck aus, erklärte Stadtbaumeister Fröchtenicht. So genannte „Kundenstopper“, also Aufklappbare Werbeschilder, sind bereits heute eigentlich verboten. Man sieht sie dennoch allerorts. „Wenn die Verwaltung zu streng war ist die Politik bisher immer eingebrochen“, gab er an. Die Gebühren für die Nutzung der Straßenfläche sei seit 20 Jahren nicht erhöht worden, die Einnahmen gering, merkte Beyer an. Einem „politischen Erdbeben“ käme es jedoch gleich, würde man sie erhöhen, vernutete der Stadtbaumeister. Statt auf häufig zugestellten Steinplatten jedoch auf dem Kopfsteinpflaster zu fahren, sei für Senioren mit Gehhilfe, Rollis und auch Kinderwägen jedoch schwierig. Die Kanten zwischen Platte und Pflaster seien potentielle Stolperfallen für Senioren, wie Schweiger kritisierte. Im Bereich des Stadtbrunnens ins die Oberfläche buckellig und uneben. Positives Beispiel: Zwischen Brunner- und Drehergasse wurde neues, flacheres Kopfsteinpflaster verlegt. Das sei auch für diejenigen Gefährte zu befahren, die keine Federung oder dicken Gummireifen haben. Unerschwinglich sei freilich ein kompletter Austausch des Altstadt-Pflasters. Eine konkrete Anregung notierte sich der Stadtbaumeister: Drei der über 400 Morisse-Parkplätze könne man zu zwei ausgewiesenen Behindertenparkplätzen zusammenfassen.

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