Nach 100 Tagen kehrt das Nesselwanger Vieh von den Alpen ins Tal zurück

Höhepunkt eines unfallfreien Sommers

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Für die Landwirte ist es eine große Ehre, wenn ihr Tier, wie hier, den Kranz trägt.

Nesselwang – Dass der 100-tägige Bergsommer für Mensch und Tier unfallfrei verlaufen ist, bewiesen die beiden prächtigen Kranzrinder am Freitag beim traditionellen Viehscheid.

Angeführt von Hirte Meinrad Sigg, seiner Frau Bärbel und Stephanie Ranacher, Wirtin des „Enzianstüble“, erreichten die 115 Schumpen den Scheidplatz beim Feuerwehrhaus. Ab der Talstation wurden sie von der Nesselwanger „Harmoniemusik“ begleitet. Schon von weitem waren die Zugschellen der Tiere, die vom Berg herunterzogen und von 22 Helfern im Zaum gehalten wurden, zu hören.

Am Scheidplatz empfing Toni Steiner die Herde und erklärte den zahlreichen Urlaubern und Gästen die Bedeutung des Kopfschmucks sowie den Ablauf. Auf den beiden Alpen „Lacher Hütte“ und „Untere Alm“ fanden die Tiere den ganzen Sommer über ausreichend Futter und Wasser vor. „Es gibt wenige, die den Berg so kennen wie Meinrad“, so Toni Steiner, der ehemalige Alpmeister über den Hirten, der vor drei Jahren dieses Amt übernommen hat.

Der Kranz als Ehre

Für die Landwirte, deren Schumpen ausgewählt sind, den Kranz zu tragen, ist es eine besondere Ehre, das ihre Tiere zusammen mit dem Hirten vorangehen. Darüber durften sich heuer Josef Lochbihler aus Nesselwang und Stefan Enzensberger aus Wald freuen. In vielen Stunden Arbeit werden die Kränze und Bauchbinden aus Silberdisteln, Latschenzweigen, Astern und Fichtenzweigen gebunden. Sie finden bei den Landwirten daheim einen Ehrenplatz.

Krönender Abschluss des Alpsommers

An der Scheidluke übergab der Hirte den wartenden Landwirte nach und nach ihre Tiere, die er anhand ihrer persönlichen Merkmale alle erkannte. Die großen Zugschellen wurden ihnen davor abgenommen. Manche der Tiere zeigten sich allerdings wenig erfreut über das Anlegen des Halfters und waren etwas bockig und widerspenstig, da dies das Ende der Freiheit am Berg war.

Stephanie Ranacher, Wirtin des „Enzianstüble“ an der Mittelstation, fällt in diesem Jahr der Abschied besonders schwer. Für sie endet mit dem Sommer auch ihr Pachtvertrag an dem beliebten Treffpunkt an Nesselwangs Hausberg. Das „Enzianstüble“ wird erweitert und umgebaut. Die Bauarbeiten dafür haben begonnen und ein Teil des alten Stalls wurde bereits abgerissen.

Eine kleine Besonderheit gibt es in der Ostallgäuer Marktgemeinde nach dem Viehscheid noch: Die Tiere aus den beiden Ortsteilen Schneidbach und Niederhöfen werden von mehreren Helfern und unter Begleitung der Feuerwehr zusammen in die nördlichen Weiler getrieben. Sie dürfen hier noch ein paar Tage zusammen auf den Weiden verbringen, bevor es endgültig zurück in den heimischen Stall geht.

Herbert Hoellisch

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