"Bergwerke" in Hopfen

Farbige Steinlinien an der Hochplatte, abgestorbene Kakteenzweige in Indien oder ein Kreis aus weggeräumten Steinen im Lechbett. „Bergwerke“, Werke am Berg oder aus dem Berg, so heißt die Ausstellung des gebürtigen Augsburgers Hans Martin Lohrmann, die seit dem vergangenen Donnerstag in der Fachklinik Enzensberg zu sehen ist.

Landart nennt sich das, was Hama (kurz für Hans Martin) Lohrmann seit vielen Jahren betreibt und damit erklärt, dass wohl jeder mal als Kind Steinmänner gebaut habe. Und bei den gemeinsamen „Staudammprojekten“ mit einem Freund sei er immer für das Gestalterische verantwortlich gewesen. Da fehlt dann nur noch ein Buch von Andy Goldsworthy, dem Grandfather der Landart und die Liebe zur Natur und den Bergen. Die hat Lohrmann schon seit über 30 Jahren, ist begeisterter Berggänger (erst Kletterer, inzwischen nur noch Wanderer) und, obwohl er eine Zimmermannsausbildung hat, mag er keine geschlossenen Räume (zumindest hält er es dort nicht lange aus). „Sie können sich nicht vorstellen, wie es ist, in der freien Natur zu übernachten, den ersten Schluck Wasser aus dem Bach zu nehmen“, so Lohrmann. Denn anders als im Atelier hat Lohrmann sein Zelt dabei, ist für einige Tage draußen in der Natur der Schweizer oder Allgäuer Berge, im Himalaya oder auf den Lofoten. Dann ist er auf der Suche nach dem Platz und wenn er ihn gefunden hat, ergibt sich das Werk zumeist von selbst. Denn Lohrmann schleppt natürlich auch nicht die Materialien mit. Eine Schnur mit zwei Stöcken ergibt den Kreis, Steine oder Stöcke sammelt er in der Umgebung und Farbpigmente finden sich allenthalben. Fertig sind die Zutaten für seine Werke, die in der Schräge des Hangs entstehen, auf einem Plateau oder im Bachbett. Kunst aus Kies Es sei die Freiheit des Nichtdenkens, so Lohrmann, die er bei seinen Werken erlebe und die ihn inspiriere. Archaische Formen schafft er zum Teil, Kreise, Quadrate, Linien. Mal sind es Steine, die er mit Erdfarben koloriert und ausrichtet, ein anderes Mal ein vier Meter großer Kreis auf einer Kiesbank im Lech, wo alle Steine weggeräumt sind oder der Kreis aus Kaktuszweigen und Akazienschoten, die er im Himalaya zusammenfügt. In wenigen Tagen lässt der Künstler das Werk entstehen, um es hernach fotografisch festzuhalten. Und genauso wie es entsteht, sorgen die Naturgewalten dafür, dass Linie, Kreis oder Quader nach einer gewissen Zeit verschwinden. Bis dahin aber ergänzen sie die natürlichen Formen. Die Ausstellung ist bis zum 5. April in der Galerie in der Fachklinik Enzensberg zu sehen, der Eintritt ist frei. Dazu gibt es auch zwei Bücher mit den Bildern und deren Entstehung in der Bibliothek der Klinik zu kaufen – auch die werke kann man erstehen.

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