Bei der Sanierung der Hanfwerke ist offenbar der denkmalgeschützte Mühlkanal verfüllt worden

"Wir werden das aufklären"

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Zugeschüttet und verrohrt: Vom historischen Mühlkanal ist sichtbar nichts mehr übrig geblieben. Nun hat sich das Landratsamt  Ostallgäu eingeschaltet.

Füssen – Dass gut gemeint nicht immer gut gemacht bedeutet, muss jetzt die Firma Glass erfahren. Aufwändig lässt sie derzeit die alten Hanfwerke sanieren und auf Vordermann bringen. Dabei verrohrte und verfüllte sie wohl auch den historischen und unter Denkmalschutz stehenden Mühlbach – allerdings offenbar ohne Genehmigung.

Das Landratsamt forderte nach eigenen Angaben das Unternehmen deshalb in dieser Woche auf, die Verfüllung wieder zu entfernen.

Mit schwerem Gerät wird seit einigen Wochen auf den Freiflächen und Parkplätzen der ehemaligen Hanfwerke an der Tiroler Straße gearbeitet.

Nach Angaben von Adriana Rehmann, bei der Firma Glass zuständig für den Magnuspark, wurden im Zuge dessen insbesondere Bäume gefällt, verwilderte Büsche gerodet und die Flächen aufgefüllt. „Füssen hat es verdient, dort eine saubere Fläche zu sehen“, so Rehmann.

Mit einem gepflegten und ordentlichen Magnuspark wolle die Firma eine „qualitativ hochwertige Aufwertung des Parks“ erreichen, erläuterte sie. „Wir wollen das kulturelle und soziale Leben der Stadt unterstützen!“

Im Zuge der Arbeiten wurde auch das aus Steinquader-Mauern bestehende Bachbett des ehemaligen Mühlbachs verfüllt und verrohrt. „Das ist ein Stück Denkmal“, erklärt Magnus Peresson, Stadtrat, Architekt und Vorsitzender des Vereins Alt-Füssen.

Tatsächlich wurde der etwa 230 Jahre alte Mühlkanal bei der Bewilligung für den Neubau des neuen Kraftwerks im hinteren Bereich des Areals im Jahr 2006 als naturschutzfachliche Ausgleichsfläche vorgesehen, wie Gudrun Hummel, Leiterin der Abteilung Bau und Umwelt am Landratsamt Ostallgäu, auf Nachfrage des Kreisbote erläuterte.

„Unter anderem wurde durch Auflage im Bescheid verbindlich geregelt, dass der Mühlkanal als ehemaliger Triebwasserkanal zu erhalten ist, da es sich um ein in der Denkmalliste eingetragenes Baudenkmal handelt“, so Hummel weiter. „Demgemäß gibt es auch keine Genehmigung (für die Verfüllung, Anm. d. Red.)“, betonte sie. „Aus den dargestellten Gründen könnte auch gar keine Genehmigung erteilt werden.“

Denn neben dem Denkmalschutz diente der alte Kanal laut Wasserwirtschaftsamt Kempten bei Hochwasser auch als Retentionsraum. Dieser sei nun durch die Auffüllungen zerstört worden. „Weiterhin wurden durch die Maßnahme Rückzugsbereiche für Fische ebenfalls zerstört“, so Gudrun Hummel. „Aus rechtlicher und fachlicher Sicht muss die Verfüllung deshalb entfernt werden“, betonte die Baujuristin.

 Daher sei die Firma Glass Anfang dieser Woche vom Landratsamt schriftlich aufgefordert worden, die Verfüllungen des Kanals wieder abzubauen.

Adriana Rehmann hat das Schreiben nach eigener Auskunft bis Donnerstag noch nicht erhalten. Sollten sich die Vorwürfe aber bestätigen, „werden wir das Thema natürlich aufklären“, betonte sie. Zu der Verfüllung des alten Kanals habe man sich entschieden, weil sich dort bislang immer das Regenwasser gesammelt und mit der Zeit zu stinken angefangen habe. Außerdem müsse die Zufahrt für die Feuerwehr ausgebaut werden, erklärte sie.

Magnus Peresson überrascht das Verschwinden des Denkmals dagegen kaum. „Eine für Füssen typische Angelegenheit“, sagte er gegenüber dem Kreisbote. „Alle wichtigen Sachen gehen offenbar an der Stadt vorbei – ähnlich wie beim Möst-Haus“, kritisiert der Vorsitzende des Vereins Alt-Füssen.

Tatsächlich war man in der Füssener Stadtverwaltung anscheinend bis zuletzt ziemlich ahnungslos über das, was am anderen Ufer des Lechs gegenüber dem Rathaus passiert. Offenbar wohl erst in der vorvergangenen Woche gingen genauere Informationen über die Arbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Hanfwerke im Rathaus ein.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses zu Beginn des Monats hatte sich die Verwaltung auf Anfrage von Peresson noch eher vage geäußert. Man werde der Sache nachgehen, hieß es seinerzeit.

Matthias Matz

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