Füssener Pfarrgemeinderat spricht sich gegen 20-jährige Tradition aus

"Es geht nicht ums Böllern an sich"

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Seit 20 Jahren schießen die Füssener Böllerschützen am 1. Mai auf der Hirschwiese. Doch heuer fand diese Tradition auf Wunsch des Pfarrgemeinderats nicht statt.

Füssen – Mit Lärm böse Geister vertreiben – diesen Brauch gibt es bereits seit Jahrhunderten in Bayern. Böllerschützen schießen heutzutage bei Hochzeiten, Neujahr oder Kirchenfesten den Salut. Doch in Füssen ist zumindest bei kirchlichen Festen vorerst Schluss damit.

Denn der Füssener Pfarrgemeinderat hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Und sorgte damit für Empörung bei der Böllerschützenvereinigung. „Es geht nicht ums Böllern an sich, sondern um die Lautstärke“, erklärt Diakon Christoph Schwarzer auf Nachfrage. Vielen Kirchenbesuchern sei das Schießen zu laut, Kinder erschrecken sich, sagt auch Manfred Sailer, Erster Vorsitzender des Füssener Pfarrgemeinderats.

 Bereits seit 20 Jahren schießen die Füssener Böllerschützen am 1. Mai und Fronleichnam. Doch in jüngster Zeit hätte es immer mehr Beschwerden der Kirchgänger gegeben, sagt Sailer. „Wenn es statt findet, bleiben wir weg“, hätten viele gesagt, so Sailer. Deshalb habe der Pfarrgemeinderat im Juli 2015 mit großer Mehrheit beschlossen, dass künftig kein Salut mehr geschossen werde. „Das war eine demokratische Entscheidung.“

Doch die Füssener Böllerschützen erfuhren erst rund ein Jahr später, am Tag vor dem 1. Mai, von dem Beschluss, erklärt Klaus-Peter Bernhard, Erster Vorsitzender der 1. Füssener Böllerschützenvereinigung. Am Freitagabend hieß es laut Kirchenvertretern noch, dass man wegen des zweifelhaften Wetters erst vor der Abendmesse entscheiden werde, wie man am 1. Mai vorgehen wolle, so Bernhard. Einen Tag später kam dann der Brief, dass die Pfarrgemeinde keine Salutschüsse mehr möchte. Der Beschluss habe sie völlig überrascht, so Bernhard. „Wir waren wirklich enttäuscht.“

Den Brauch gebe es schließlich schon seit hunderten von Jahren. Bereits Kaiser Maximilian I. von Habsburg wurde durch Böllerschüsse begrüßt. „Seit 20 Jahren schießen wir an Fronleichnam und auf einmal ist es zu laut“, so der Erste Vorsitzende.

Weiter gesprächsbereit

 Das Ganze sei „unglücklich gelaufen“, gibt Diakon Schwarzer zu. Der Beschluss des Pfarrgemeinderats hätte den Schützen früher mitgeteilt werden sollen. Doch ein entsprechender Termin zwischen Pfarrer Frank Deuring und Bernhard sei „unter den Tisch gefallen“, so dass es schließlich zu dem „verspäteten Brief“ gekommen sei. „Das war keine böse Absicht“, erklärt Schwarzer.

Aus diesem Beschluss ziehen die Schützen jetzt aber Konsequenzen: Mehrheitlich haben sie beschlossen, dass sie heuer an keinen kirchlichen Prozessionen und Umzügen mehr teilnehmen werden, so Bernhard. „Die Böllerschützen haben immer einiges bei Prozessionen getragen. Ich persönlich werde auch nichts mehr tragen.“ Allerdings könne sich jeder weiterhin privat – also nicht in der Tracht der Böllerschützen – bei Umzügen beteiligen. Städtische Umzüge seien davon jedoch nicht betroffen. Bernhard macht aber auch klar: „Wir sind jederzeit gesprächsbereit.“ Diesen Beschluss kann Schwarzer nachvollziehen: „Klar kann ich das verstehen.“ Doch wie die Pfarrgemeinde damit umgeht, steht noch nicht fest. Der Pfarrgemeinderat müsse diese neue Situation erst in der kommenden Sitzung besprechen. „Wir werden im August, September sicher darüber reden“, erklärt Sailer. Dann „werden wir schauen, wie es weitergeht.“K

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