Verein "Mission Freedom" informiert über Menschenhandel und Prostitution

Kein Bordell am Urisee

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Menschenhandel und Prostitution sind das Thema des Abends, über das Gabi Wentland (links) und Elisabeth Pfurtscheller referieren.

Reutte– Erwin und Claudia Komarek aus Pflach wollen kein Bordell, weder in Reutte noch anderswo: „Vom christlichen Glauben her können wir das nicht mit unserem Gewissen vereinbaren“, so Erwin Komarek.

Bei einem Infoabend im Veranstaltungszentrum Breitenwang, den er zusammen mit seiner Frau zum Thema „Menschenhandel, moderne Sklaverei und Sexkauf“ organisiert hatte, referierten die Reuttener Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller (ÖVP) als Menschenrechtssprecherin und Gabi Wentland, Vorsitzende der Mission Freedom e. V.

Äußerer Anlass für die Veranstaltung war die Umwidmung des Hotels „Urisee“ in ein Bordell (der Kreisbote berichtete mehrfach). Mit 12:5 Stimmen hatte der Marktgemeinderat Reutte diesem Verwaltungsakt zugestimmt. Der Antrag hierzu wurde von Eigentümer Peter Kuzmiak gestellt, der das ehemalige Hotel veräußern möchte. Noch ist diese Angelegenheit aber längst nicht entschieden, da noch einige Erhebungen und Prüfungen ausstehen.

"Mehr als verfehlt"

Für Pfurtscheller ist der Standort „Urisee“ schlichtweg unmöglich: „So ein Etablissement an einem hoch frequentierten Badesee, somit Anlaufpunkt für viele Kinder, Jugendliche und Touristen zuzulassen, ist mehr als verfehlt.“ Desweiteren verwies sie auf die „Task Force Menschenhandel“, die ein verstärktes Vorgehen gegen illegale Prostitution und Menschenhandel als Kernaufgabe der österreichischen Polizei zum Inhalt hat.

 „Dieses Thema ist auch in Österreich relevant“, so die Menschenrechtssprecherin weiter. Durch seine Lage im Zentrum Europas sei das Land von Menschenhandel als Transit- und Zielland betroffen. Schätzungen zufolge sind in Österreich insbesondere der Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und der Ausbeutung der Arbeitskraft sowie sklavereiähnliche Zustände bei Hausangestellten und Kinderhandel weit verbreitet.

Schlimme Erfahrungen 

In der Regel stammen die Opfer von Menschenhandel in Österreich vor allem aus ärmeren EU- oder Drittstaaten. Hier können unter anderem Probleme und Gewalt in der Herkunftsfamilie, ein niedriges Bildungsniveau, Arbeitslosigkeit, Armut sowie die Suche nach einem vermeintlich „besseren Leben“ eine Rolle spielen. „Auch wir haben Verantwortung für diese Menschen und sollten alle Anstrengungen unternehmen, jegliche Auswüchse dieser Art zu unterbinden“, sagte Pfurtscheller.

Die zweite Referentin des Abends, Gabi Wentland, ist Vorsitzende des Vereins „Mission Freedom“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Frauen aus der Zwangsprostitution zu retten. Sie schilderte zum Teil unfassbaren Erfahrungen, die sie in ihrer langjährigen Arbeit mit und für Opfer von Menschenhandel gesammelt habe. Seit sie sich in diesem Bereich engagiere, habe sie noch keine einzige Betroffene erlebt, die diese Arbeit freiwillig mache.

Mit Blick auf den geplanten Bau am Urisee stellte sie fest, dass mit der Prostitution zwangsläufig auch andere kriminelle Aktivitäten einhergehen würden. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass innerhalb der Bevölkerung eine breite Ablehnung gegen die Nutzung des Hotels als Bordell besteht und mit allen Mitteln verhindert werden müsse.

ed

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