Die Zukunft des Ortsteils Weißensee bestimmt die Füssener Bürgerversammlung

"Wollen keine Currywurstbude"

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Das Gemeindehaus in Weißensee soll durch eine Käsealm wieder neues Leben eingehaucht bekommen.

Füssen – Zum Metzger nach Pfronten, zum Bäcker nach Weizern und in den Supermarkt nach Füssen. Weißenseer müssen heute mobil sein, wenn sie etwas auf dem Tisch haben wollen.

So zumindest stellt sich für viele Bewohner des Ortsteils die Situation derzeit dar, wie in der Bürgerversammlung im Haus Hopfensee deutlich wurde. Dort war die Zukunft des Luftkurortes und seiner Infrastruktur am Montagabend das bestimmende Thema. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) kündigte Unterstützung an.

Als Inge Meyer vor 20 Jahren nach Weißensee zurückkehrte, um dort ihren Ruhestand zu verbringen, „war das ein lebendiger Stadtteil“, sagte sie am Montagabend vor etwa 100 Besuchern der Bürgerversammlung. Es habe einen gut besuchten Gasthof als Treffpunkt für die Bevölkerung gegeben, eine lebendige Kirche, eine Post, eine Bankfiliale und genügend Einkaufsmöglichkeiten.

Ohne Auto keine Chance

Das habe sich spätestens nach dem Aus für das Reichle-Lebensmittelgeschäft im Sommer (der Kreisbote berichtete) aber gravierend verändert. „20 Jahre später gibt es eigentlich nur noch die Kirche“, so Meyer. „Ohne Auto kann man gar nichts mehr machen.“ Daher appellierte sie eindringlich an Bürgermeister Iacob, sich zumindest für den Erhalt des noch verbliebenen Bankautomaten im alten Gemeindehaus einzusetzen: „Lieber Bürgermeister, lass uns doch wenigstens den Geldautomaten!“

Der Angesprochene kündigte an, dass sich die Stadtverwaltung den Problemen in dem Ortsteil schon bald annehmen werde und hinter den Kulissen bereits an Lösungen arbeite. So sollte am Mittwoch ein gemeinsamer Ortstermin mit Vertretern einer Kläsealm, der Sparkasse Allgäu und Füssen Tourismus und Marketing (FTM) im Gemeindehaus stattfinden. Denn dort wolle die genannte Käsealm eine weitere Filiale eröffnen. Möglicherweise, so Iacob weiter, ließen sich die zwei Geldautomaten und ein Terminal für FTM gemeinsam mit der Käsealm dort unterbringen. „Das wird sich beim Ortstermin zeigen.“

Zu wenig Umsatz

Andernfalls müsse ein anderer Standort für die Automaten gefunden werden – etwa zusammen mit dem FTM-Terminal in einem neuen Kiosk auf dem Gelände des Weißenseer Freibads. „Ein Geldautomat in Weißensee wird bleiben!“, versprach Iacob.

Auf der anderen Seite, so der Bürgermeister, müssten sich die Weißenseer aber auch fragen, warum die Familie Reichle ihr Lebensmittelgeschäft geschlossen habe und das Angebot des Gasthofs sich mittlerweile nur noch an asiatische Touristen richte. „Die Kosten waren für den Umsatz zu hoch“, beantwortete er die Frage selbst.

Denn auch die Weißenseer würden vor allem in den großen Discountern in Füssen einkaufen und nicht im kleinen Dorfladen vor Ort. Der Gasthof sei ebenfalls von den Einheimischen nicht gut angenommen worden. Darüber hinaus hätten sämtliche potenzielle Betreiber eines Lebensmittelladens nach einer Besichtigung der Immobilie wegen deren Zustands abgewunken.

 Daher müsse nun mit den Betreibern der Käsealm über eine Erweiterung des Angebots gesprochen werden, um den Verlust ein wenig aufzufangen. Zum Thema Kiosk im Freibad, angesprochen von Götz Hildebrand („Wir wollen keine Currywustbude, wir wollen eine Verbesserung!“), erklärte der Bürgermeister, dass eine Ausschreibung für den Kioskbetrieb vom Stadtrat beschlossen worden sei (der Kreisbote berichtete).

Abriss 2017?

Bis Anfang kommenden Jahres sollen die Bewerbungen demnach vorliegen. Anschließend soll auf Erbpacht ein privater Investor das Gelände bekommen und einen neuen Kiosk bauen. Das alte Gebäude könnte so womöglich schon 2017 abgerissen werden. „Wir gehen davon aus, dass wir im kommenden Jahr die Planungen umsetzen können“, so Iacob.

Auf die Frage Hildebrandts, warum die Stadtverwaltung erst jetzt eine Ausschreibung für das Areal vornehme, erklärte er, dass der jetzige Pächter noch einen gültigen Vertrag habe und den Kiosk im kommenden Jahr noch betreiben werde.

Matthias Matz

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