Ein Gespräch über Luitpold von Bayern

Der Bundespräsident a.D. Roman Herzog (3. v. r.) kam zu den „Hohenschwangauer Begegnungen” in das Museum der Bayerischen Könige. Foto: privat

Schwangau – Zu der Gesprächsreihe „Hohenschwangauer Begegnungen“ kam im Dezember Bundespräsident a.D. Roman Herzog ins Museum der Bayerischen Könige. Gegenstand der Diskussion war der Bayerische Prinzregent Luitpold. Herzogs Gesprächspartner war Prof. Dr. Ferdinand Kramer.

In seiner Einführung ging Roman Herzog auf die mit dem Prinzregenten oft in Verbindung gebrachte „gute, alte Zeit“ ein. Durch seine unprätentiöse und beständige, ja verlässliche Art, habe Luitpold einen eigenen Weg gefunden, die bayerische Krone zu repräsentieren – ohne jemals die Königswürde selbst in Anspruch zu nehmen. Zunächst auch positiv zahlte sich für den zu seiner Zeit immer beliebter werdenden Prinzregenten aus, dass er bei Amtsantritt bereits viel Erfahrung als Vertreter Ludwigs II. bei zahlreichen Anlässen sammeln konnte. Zudem konnte er sich in dem Vierteljahrhundert seiner Regentschaft auch die nötige Zeit für Entscheidungen lassen. „In dieser Disziplin hat es ja auch ein Bayer zum Kaiser gebracht – Franz Beckenbauer mit ‚schau’n mer mal‘“, so Roman Herzog. Auf der anderen Seite habe der zurückhaltende Politikstil des Prinzregenten – nach innen wie nach außen – nicht vor den Kräften in Bayern und vor allem nicht in Deutschland geschützt, die zu umwälzenden Veränderungen führen sollten, so der Bundespräsident a.D. weiter. Insofern ist sein Tod am 12.12.1912 eine Zäsur der Friedenszeit, deren Ende sich deutlich abzeichnete. Auf diesen Punkt ging Prof. Dr. Ferdinand Kramer, Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte an der Ludwig-Maximilian-Universität München, in seiner Einleitung ein. Luitpold hätte seine Spielräume zu wenig genutzt, der Großmannssucht des wilhelminischen Berlin etwas entgegen- zusetzen. Kramer verglich den Politikstil des Prinzregenten mit dem von Alfons Goppel, bayerischer Ministerpräsident von 1962 bis 1978, – und erkannte einige wichtige Parallelen. So haben sich beide in Epochen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels hervorgetan und konnten durch ihr moderierendes Politikverständnis einiges erreichen. Im Gespräch der beiden Referenten wies Herzog darauf hin, dass die repräsentative Funktion des Staatsoberhauptes in Deutschland immer wichtig war. Oder, wie Kramer mit einem Zitat von Alfons Goppel ergänzte, das Abstraktum „Staat“ müsse für die Bürger durch Personen sichtbar gemacht werden. Das positive Urteil der Geschichte und der Mythos „Prinzregent Luitpold“ bis in unsere Zeit hinein sei nur wenigen vergönnt, so Prof. Kramer – gerade so zurückhaltende Persönlichkeiten wie Luitpold von Bayern haben es in der Rückschau häufig schwerer. Insgesamt sollte man in der geschichtlichen Würdigung mehr auf die Person und Persönlichkeit Wert legen, denn, so meinte Bundespräsident a.D. Roman Herzog abschließend: „Persönlichkeiten sind die Fieberthermometer der Geschichte“. kb

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