Seit 20 Jahren ist die Burgenwelt ein Besuchermagnet

Eine Erfolgsgeschichte

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Zahlreiche Besucher kommen bei schönstem Altweibersommer-Wetter in die Burgenwelt, um gemeinsam „20 Jahre Sanierungsgeschichte“ zu feiern.

Reutte – Wie aus zusammenfallenden alten Mauern, umgeben von abgelegener Wildnis, ein weitum bekanntes Touristenziel und ein beispielhafter Naherholungsraum werden kann, beweist die Burgenwelt Ehrenberg in Reutte eindrucksvoll.

Wo sich vor zwei Jahrzehnten noch Fuchs und Hase gute Nacht sagten, treten sich nun die internationalen Gäste und die Einheimischen sprichwörtlich auf die Füße. Am Sonntag feierten die Verantwortlichen „20 Jahre Sanierungsgeschichte“ mit einem Festakt auf dem Burgengelände.

Die zwei Jahrzehnte Arbeit nahmen die Sanierer am vergangenen Sonntagvormittag zum Anlass, in einer Feierstunde mit vielen Gästen aus Wirtschaft und Politik das Geschehen, dokumentiert durch einen Film, Revue passieren zu lassen. Alle Festredner zollten dem „Burgherrn“ Armin Walch Anerkennung, sahen ihn als Visionär, als treibende Kraft und Motor, und statteten ihm den Dank ab.

Eine Ausstellung, in der zahlreiche Bilder im ruinösen Urzustand dem heutigen Erscheinungsbild gegenüber stehen, veranschaulicht im Parterre des Westtraktes, die Entstehung er Burgenwelt Ehrenberg. Über 350.000 Besucher – Tendenz steigend – machen jährlich dort Station, um sich mit der Historie zu befassen oder einfach von der „highline179“ den „Blick mit Kick“ zu verschaffen.

Das Sanierungs- und Revitalisierungsprojekt der Burgenwelt ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Mitte der Neunzigerjahre, als noch herab fallende Trümmer die spärlichen Wanderer bedrohten, bedurfte es einer Initialzündung, um aus dem „Stuanerhaufn“ – wie das Areal vielfach genannt wurde – etwas Respektables zu machen. Der Reuttener Architekt Armin Walch hatte, auch gegen viele Widerstände, Visionen.

Er machte aus den Anfängen auf der Ruine durch ein Häufchen „Feuerwehrler“ aus den Visionen beeindruckende Realität. Das hatte er seinem Vorreiter Fridl Schenach, dem für seine Anfangsbemühungen der sanierte Pulverturm auf Ehrenberg gewidmet wurde, versprochen. So kniete er sich also wirklich hinein.

Florierender Keller 

Der Startschuss fiel 1996, als begonnen wurde, die Talsperre „Klause“, die schon 1317 erstmals urkundlich erwähnt wurde, zu sanieren.

Dies geschah immer im Einklang mit dem Bundesdenkmalamt. Die Sanierung des Westtraktes erfolgte unter der Prämisse einer nachträglichen Nutzung. Heute floriert dort der Ehrenbergkeller, in der Bretterkapelle finden Tagungen und Hochzeiten statt und das Museum „Dem Ritter auf der Spur“ erfreut sich großen Zuspruchs. Später im passenden Stil mit Natursteinen erbaut, entstand das Besucherzentrum mit der Ausstellung „Der letzte Wide“, dem Lech, wo sich Burgenwelten und Naturparkregion die Hand geben.

Dann wurde begonnen, den völlig ruinösen und ohne Dach dahinvegetierenden Osttrakt in eine Veranstaltungsarena „umzufunktionieren“. Dass das über die Maßen gelungen ist, beweisen die unzähligen Veranstaltungen vom Musical bis hin zum Rockkonzert. Das 1632 errichtete Hornwerk wurde schließlich mit einer Membran eingehaust und die Zugbrücke originalgetreu rekonstruiert.

Ein alter Salzstadel aus Lermoos, 1679 errichtet, fand dann den Weg ins Burgenareal und steht nun in historischem Ambiente der burgeneigenen Gastronomie zu Verfügung. Eine Sanierung durchlief auch der alte Landgasthof Klause, der nun Gastronomieräume und Gästebetten aufweist. Das gleiche gilt für die alte Kaserne, die ebenfalls Betten beinhaltet, und für einen stilechten, holzbewehrten Neubau, die die Bettenkapazität noch weiter erhöhte.

Barocke Schaufestung

Aber nicht nur im Tal auf der Klause waren die Verantwortlichen mit Eifer beim Arbeiten und Sanieren. Am Schlosskopf, wo vom Tal aus vor lauter Bäumen nichts mehr zu sehen war, entstand die barocke Schaufestung, die beleuchtet den Talkessel dominiert. Mit der „highline179“ wurde schließlich ein weiterer Besuchsmagnet, der seinesgleichen weitum sucht, geschaffen. Zwei Säulen lagen den Bestrebungen immer zu Grunde.

Man sah sich zum einen der Erhaltung von wertvollem Kulturgut verpflichtet, zum zweiten hatte man von Anfang an die Entwicklung einer kulturhistorischen Attraktion mit Mehrwert für die gesamte Region und eine realwirtschaftliche Basis für den Betrieb der Burgenwelten im Auge.

Das ist gelungen, sodass die rund 12 Millionen Euro – finanziert durch Eigenmittel der Kommune, Sponsoren und zu zwei Dritteln von Land- Bund und EU – gut angelegt erscheinen. Trotz des Erreichten wird man sich auf Ehrenberg nicht zu Ruhe setzen. Durch die hohe Besucherfrequenz ist es unerlässlich, das ruinöse und einsturzgefährdete Hornwerk im Schlossanger zu sanieren. Dort soll eine frei zugänglich Ausstellung zum Thema „Wehrtechnik im Wandel der Zeit“ entstehen.

Mit der verkehrstechnischen sicheren Zufahrt zur Burgenwelt werden sich die Zuständigen beschäftigen müssen. Ein Schrägaufzug (oder gar eine Bahn?) zur Ruine und zum Schlosskopf sind bereits angedacht. Die Möglichkeiten zur marketingtechnischen und funktionalen Zusammenführung der Burgenwelt mit dem Zentrum der Marktgemeinde Reutte stehen außerdem ebenfalls auf der Agenda.

Hans Nikolussi

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