Unsere Filmempfehlung der Woche

Kinotipp: "Arrival"

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Louise Banks (Amy Adams) nimmt ersten Kontakt zur Besatzung des Raumschiffs auf.

In regelmäßigen Abständen wird die Erde auf der Kinoleinwand von Außerirdischen heimgesucht. Meist kommen die Aliens in feindlicher Absicht und wollen die Menschheit vernichten, um sich selbst zu schützen oder den Planeten für sich einzunehmen.

Denis Villeneuve inszeniert mit seinem Sci-Fi-Thriller „Arrival“ ein cleveres Stück Filmgeschichte, das die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert und ihn ins Staunen versetzt. 

Inhalt

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen in unterschiedlichen Regionen der Welt, wo sie über der Oberfläche schwebend verharren. Nachdem die ersten Kontaktaufnahmen gescheitert sind, sucht das Militär Rat bei der Linguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams). Gemeinsam mit Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) und einem erfahrenen Elite-Team soll sie mit der Besatzung der Raumschiffe kommunizieren. 

Mit Hilfe verschiedener Ansätze gelingt es ihr auch bald, die Kommunikation mit den fremden Wesen herzustellen. Während sie nach und nach die Sprache der Wesen entschlüsselt und versteht, geben sich die Wissenschaftler in Russland und China bereits geschlagen. Die Zeit drängt, wenn Louise die Vernichtung der Raumschiffe noch verhindern will. 

Rezension

Denis Villeneuve reiht sich mit seiner 50 Millionen Dollar teuren Produktion in die Reihe der Science Fiction-Filme der vergangenen Jahre ein. Nach „Der Marsianer“ und „Interstellar“ wagt auch er den Versuch, das Unbekannte für den Kinobesucher greifbar umzusetzen. Der Versuch glückt und entpuppt sich dank seiner speziellen Betrachtung als clever Schachzug.

„Arrival“ beginnt mit einer linearen Erzählung, die weit vor der Ankunft der Raumschiffe einsetzt. Doch während Dr. Louise Banks mit den Aliens mehr oder minder intime Treffen eingeht, wird zusehends die Zeitachse außer Kraft gesetzt. Die Vergangenheit entwickelt sich zur Zukunft, die von der Gegenwart bedingt wird. Längst durchlebte Geschehnisse werden zu einer schwachen Ahnung dessen, was im Laufe der Zeit passieren könnte. Wer sich auf den Film einlässt und das Gesehene im Kopf behält, entwickelt schnell ein Gespür für die Geschichte, die sich auf der Leinwand ereignet. 

Der Film verlangt jedoch die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers, um seinem Anspruch gerecht zu werden. Nur, wer sich auf die Geschichte und ihre wichtigen Aspekte konzentriert, kommt in den Genuss, sich von der Handlung einfangen zu lassen. Die Sprache als elementares Element gewinnt an Kraft und Macht und die Fragen der Menschheit werden dadurch allgegenwärtig. 

Was zunächst unlogisch erscheint, wird nachträglich erläutert und ins rechte Licht gerückt. Aber nicht nur inhaltlich kann der Film vollends überzeugen. Auch optisch bewegt sich der Filmemacher auf sehr hohem Niveau. Nach diesem Film scheint nichts mehr unmöglich, um das Unfassbare glaubhaft auf die Kinoleinwand zu bringen.

Sowohl die Außerirdischen, als auch deren gigantische Raumschiffe verwöhnen das Auge mit einem futuristischen und zugleich überraschend bodenständigen Look. Basierend auf der Kurzgeschichte „Story Of Your Life“ von Ted Chiang, ist das Zusammenspiel von den animierten Außerirdischen und den realen Darstellern mehr als nur beeindruckend bebildert. 

Die von den Aliens ausgeworfenen Schriftzeichen liefern zahlreiche Variationen, in denen sich nach und nach eine gewisse Grundstruktur erkennen und sogar mit menschlichen Worten übersetzen lässt. Die Detailverliebtheit in eben solchen Momenten verleiht dem Film, trotz allem bisher Gesehenen, einen Sonderstatus. Denn einmal mehr werden die Aliens als intelligente Wesen etabliert, die die Menschheit eben nicht vernichten, sondern deren Fortbestand ermöglichen wollen. 

Lediglich der Mensch alleine ist es, der durch seine Einfältigkeit die Chance zur Kommunikation mit fremden Rassen zunichte macht. Durch diese Erkenntnis gewinnt der Filme eine philosophische Note, die dem Ganzen eine weitere Ebene und emotionale Gewichtung verleiht. 

Dies ist vor allem auch den Darstellern zu verdanken. Neben Amy Adams („American Hustle“) und Jeremy Renner („The First Avenger: Civil War“) in den Hauptrollen, überzeugen auch Forest Whitaker („Der Butler“) und Michael Stuhlbarg („Steve Jobs“) mit ihrer Performance. 

Jóhann Jóhannssons („Sicario“) liefert einen dynamischen Score, der die kraftvolle Bildsprache von Bradford Young („A Most Violent Year“) noch zusätzlich untermalt. „Arrival“ ist ein sehr intelligenter und vor allem spannender Film mit hohem Niveau, den man sich auf der großen Leinwand nicht entgehen lassen darf.

Sandy Kolbuch

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