Dauerärger mit den Nachbarn

Eklatante Probleme

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Der Kapitän geht von Bord: Dani Novi hinter der Theke der „Schiffwirtschaft“. Am 12. September wird sie aufhören und die Bar einer Nachfolgerin übergeben.

Füssen – Sie kann nicht mehr. „Mein Körper hat gesagt: Dani, jetzt ist Schluss!“ Dani heißt mit Nachnamen Novi und ist die Betreiberin der „Schiffwirtschaft“ in der Schwangauer Straße. Vier Jahre Barbetrieb und somit vier Jahre Ärger mit den Nachbarn und der Polizei haben sie mürbe gemacht.

Ihr fehle mittlerweile einfach die Energie und auch die Nerven zum Weitermachen, sagt sie. Deshalb will sie am 12. September ihren Abschied feiern. Das Aus für „das Schiff“ bedeutet das jedoch nicht: Sie wird die Bar an eine Nachfolgerin übergeben. Über 2000 Freunde auf Facebook, zahlreiche treue Stammgäste und eine große Fangemeinde weit über Füssen hinaus. Man kann durchaus behaupten, dass „das Schiff“ eine Institution ist. 

Einen großen Anteil daran hat Betreiberin Dani Novi, eine zierliche blonde Italienerin. Am 12. August 2011 hat sie die Bar in der Schwangauer Straße, direkt an der Theresienbrücke, übernommen. 

Auf den Tag genau vier Jahre später kündigte sie in der vergangenen Woche via Facebook an, sich Mitte September zurückzuziehen. „...weil mir die Kraft fehlt trotz eurer großen Unterstützung...sorry...“, schreibt sie dort. Postwendend wurde in den Sozialen Netzwerken munter über die Gründe für ihr Aufhören spekuliert. 

Tatsächliche fehle ihr einfach die Energie und die Power zum Weitermachen, erklärte sie im Gespräch mit dem Kreisboten. Vier Jahre im „Schiff“ hätten sie trotz großer Unterstützung von Freunden und Gästen „viel Kraft und Zeit gekostet“. „Und diese Kraft fehlt mir heute“, sagt sie. Zuletzt sei es ihr auch gesundheitlich immer schlechter gegangen. Erst neulich habe sie kurz vor dem Zusammenklappen gestanden. „Mein Körper hat gesagt: Dani, jetzt ist Schluss!“ 

"Unangenehme Situation" 

Dazu komme der permanente Ärger mit ihren Anwohnern und der Polizei wegen Lärmbelästigung und Ruhestörung, erzählt sie. Mindestens einmal pro Woche komme seit Jahren ein Streifenwagen vorbei, weil sich Anwohner über den Krach beklagen würden. Das habe ihr auf Dauer zugesetzt, erzählt Dani. 

Tatsächlich ist „das Schiff“ nicht nur eine Institution, sondern auch ein Brennpunkt wenn es um Themen wie Ruhestörung und Lärmbelästigung geht. Dabei ist die Problematik nicht neu. Bereits im letzten Kommunalwahlkampf hatte das Thema die Emotionen hochkochen lassen. „Wir haben sehr massive Beschwerden von der Nachbarschaft und sehr viele Einsätze“, erläutert Helmut Maucher, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Füssen. „Es vergeht keine Woche, ohne das wir Beschwerden bekommen“, so Maucher. „Die Probleme sind eklatant.“ Alles in allem sei die Situation dort „sehr sehr unangenehm“, insbesondere am Wochenende. 

Vor allem der Biergarten (muss eigentlich um 23 Uhr schließen) und die draußen stehenden Raucher seien ein Problem. „Die Leute draußen sind das Hauptproblem“, betont er. Erst kürzlich seien an die 300 Leute zum Feiern auf der Theresienbrücke gewesen, erinnert sich Maucher. Dass nicht immer alles so läuft, wie es laufen sollte, weiß auch Dani Novi. „Als Italienerin habe ich andere Werte im Leben“, sagt sie. „Da bleibt schon mal die Ordnung und Disziplin auf der Strecke.“ 

Dennoch hätte sie sich etwas mehr Verständnis und Toleranz von ihren Nachbarn gewünscht, zumal mittlerweile sehr darauf geachtet werde, dass die Vorschriften eingehalten werden. Außerdem sei der Bereich laut Bebauungsplan als Mischgebiet ausgewiesen, da müsse mit Krach gerechnet werden. Manchmal sei aber sofort um 23.01 Uhr ein Streifenwagen angerückt. „Auch im Mischgebiet haben die Anwohner ein Recht auf Ruhe“, betont Helmut Maucher. Mittlerweile träfen sich Anwohner und Polizei regelmäßig, um die Lage zu diskutieren. 

Zuständig sei aber das Ordnungsamt. Der dort mit dem Fall „Schiff“ betraute Markus Gmeiner war bis Redaktionsschluss allerdings nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Dani Novi freut sich unterdessen auf ihre Abschiedsparty: „bitte an dem party auf alles gefasst sein ;-)“, schreibt sie auf Facebook. Den Anwohnern dürfte es da jetzt schon vor grausen.

Matthias Matz

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