Mäzen Hans-Joachim Schirmer übergibt dem Stadtmuseum eine seltene Renaissance-Laute

"Typische Füssener Arbeit"

+
Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller (rechts) und Mäzen Hans-Joachim Schirmer präsentieren die seltene Laute.

Füssen – Viel war über Hans Socher nicht bekannt. Nur, dass er im 17. Jahrhundert in der Tiroler Straße lebte, als Postmeister arbeitete und brav dem Kloster seine Steuern zahlte. Jetzt ist der bis dato unauffällige Postmann aber in den Fokus von Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller gerückt.

Denn Socher soll im Jahr 1609 auch eine jetzt aufgetauchte seltene Laute hergestellt haben. Diese hat Mäzen Hans-Joachim Schirmer kürzlich der Stadt anlässlich seines 80. Geburtstages übergeben.

Das jetzt im Rathaus übergebene Musikinstrument aus der Renaissance ist das bislang einzig bekannte Stück des Füssener Postmeisters Hans Socher und soll demnächst im Museum der Stadt Füssen ausgestellt werden. Möglich gemacht hat das der ehemalige Notar Hans-Joachim Schirmer. Anlässlich seines 80. Geburtstags hatte er Geld gesammelt, um die seltene Renaissance-Laute zu erwerben und der Stadt zu schenken. Einen Teil des Kaufpreises – laut Riedmiller ein vierstelliger Betrag – schoss die Stadt aus Stiftungsmitteln zu.

Von Murnau nach Füssen

Bislang war das Instrument im Besitz einer Murnauer Familie. Als diese im TV einen Beitrag über die Lautenmacherstadt Füssen sah, bot sie die Laute dem Füssener Zupfinstrumentenmacher Urs Langenbacher an. Der wiederum informierte nach einer Untersuchung des Instruments Thomas Riedmiller. „Ich bin echt aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich Langenbacher an seine erste Begegnung mit der Laute. Seine Einschätzung zu dem spektakulären Fund: Deckel aus Fichtenholz und die leicht beschädigte Rosette sind original. „Ein Muschel in diesem Zustand ist einfach wunderschön“, schwärmt er.

Reparatur vor etwa 100 Jahren

Zwar sei unter anderem der Hals wohl Anfang des 20. Jahrhunderts ersetzt worden. „Aber der Umbau ist nicht schlecht gemacht.“ Auch Riedmiller ist überzeugt: „Bautechnisch eine typische Füssener Arbeit!“ Bei der Untersuchung fand sich auch ein Zettel mit der Aufschrift „Hans Socher in Füssen anno 1609“.

Angesichts der Bedeutung der Laute begann Riedmiller mit seiner historischen Recherche.

Wer war Hans Socher?

Im archivierten Hof- und Gildbuch des Klosters von 1618 wurde er schließlich fündig. Dort erfassten die Mönche sämtliche Bürger, die dem Kloster St. Mang Steuern zahlen mussten. Zu diesen gehörte auch Hans Socher, Postmeister und wohnhaft in der Tiroler Straße. Riedmiller fand heraus, dass Socher wohl bis in das Jahr 1632 dort lebte.

Aufwendige Recherche

Außerdem recherchierte er, dass der Postmeister für viel Geld Lauten an Magnus Tieffnbrugger in Italien lieferte. „Wenn so etwas in Chroniken auch noch nachgewiesen werden kann, ist es eine Einmaligkeit“, freute sich Bürgermeister Paul Iacob (SPD) bei der Übergabe der Laute im Füssener Rathaus. Später fanden sich dann in den Büchern noch weitere Hinweise auf einen Sohn Sochers – Lukas Socher – der wohl ebenfalls Lautenmacher war.

Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem Kanonikus Joseph Socher, der der Heilig-Geist-Spitalkirche eine Orgel spendete, um einen Enkel von Hans Socher handelte. Nun soll zunächst der kleinere Defekt an der Rosette durch Leimen behoben werden, ehe das spektakuläre Stück voraussichtlich innerhalb der kommenden drei Monate im städtischen Museum ausgestellt wird.

Hans-Joachim Schirmer zeigte sich überrascht, wie viele neue Erkenntnisse seine jüngste Schenkung zutage förderte. „Es ist erstaunlich, was aus einer Laute alles an Wissen herauszuholen ist“, sagte der Mäzen. „Kultur und Kunst haben ein sehr komplexes Räderwerk.“

Matthias Matz

Meistgelesene Artikel

Neue Ideen

Pfronten – Für frischen Wind beim diesjährigen Neujahrsempfang der Gemeinde Pfronten im Pfarrheim St. Nikolaus sorgten jetzt die Geistlichen Andreas …
Neue Ideen

"Irgendjemand steuert das"

Füssen – Die erste Sitzung des Stadtrates hat noch nicht einmal stattgefunden, da erlebt die Stadtpolitik bereits ihren ersten Eklat im neuen Jahr.
"Irgendjemand steuert das"

Zu wenig Konkretes

Füssen – Die öffentlichen Bekanntmachungen der Tagesordnung des Füssener Bauausschusses sind in der Vergangenheit nicht konkret genug gewesen.
Zu wenig Konkretes

Kommentare