Füssen bekommt eine "Fahrradstraße"

"Was soll der Schmarrn?"

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Die Mariahilfer Straße im Füssener Westen soll im Zuge eines Pilotprojekts zur ersten Fahrradstarße in der Lechstadt ausgewiesen werden.

Füssen – Gegenläufig zum Autoverkehr und zu schmal – für Dr. Martin Metzger (BfF) sind viele Radwege in Füssen „überhaupt nicht zulässig“, wie er vergangene Woche im Bauausschuss nach einer hitzigen Diskussion mit Bürgermeister Paul Iacob (SPD) sagte.

Daher beantragte der leidenschaftliche Radfahter zu prüfen, ob die Verkehrsregelung in der Augustenstraße rechtmäßig ist. Dabei ging es ursprünglich in der Debatte um die Einrichtung einer sogenannten Fahrradstraße in der Mariahilfer Straße. Diese soll noch in diesem Jahr kommen.

Der einstimmige Beschluss des Bauausschusses vom Dienstagabend vergangener Woche sieht vor, die Mariahilfer Straße im Füssener Westen von der Einfahrt Froschenseestraße bis zum Venetianerwinkel als Fahradstraße auszuweisen. In solchen Fahrradstraßen haben Radfahrer grundsätzlich Vorrecht (siehe Infokasten). In Füssen sollen aber auch Pkws die Fahrradstraßen befahren dürfen. „Das ist der erste Pilotversuch in der Stadt“, sagte Bürgermeister Iacob.

Stadtrat Dr. Martin Metzger wies an dieser Stelle jedoch darauf hin, dass es dazu eigentlich gar keines Beschlusses bedürfe und verwies auf eine Entscheidung des Bauausschuses vom 5. Mai vergangenen Jahres: „Wir haben bereits vor einem Jahr beschlossen, das zu machen!“, sagte er.

Und nicht nur das: Seinerzeit habe sich das Gremium auch darauf verständigt, die Fahrradstraße bis zum Schulzentrum im Bereich Augusten- und Bürgermeister-Wallner Straße auszuweiten. „Es ging um eine durchgehende Fahrradstraße“, beharrte er. „Ich sage jetzt nichts mehr, sonst platze ich!“ Bürgermeister Iacob erklärte Metzger, dass die Füssener Stadtverwaltung mit der Leitung der Grundschule das Thema diskutiert habe und danach den Plan einer Fahrradstraße am Schulzentrum wieder habe fallen lassen.

Denn wie Schulleiter Wolfgang Steurer erklärte, sei eine Fahrradstraße eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was den Grundschülern in der Verkehrserziehung beigebracht werde und würde sie nur verwirren. Allerdings schlug er vor, zwischen 7 und 14 Uhr das Tempo für Autos rund um die Schulen auf zehn km/h zu drosseln.

Der ebenfalls von der Stadtverwaltung um eine Stellungnahme gebetene Füssener Fahrlehrer Christian Unger erklärte, dass „die jetzige Situation mit Tempo 30 und Radweg perfekt geregelt“ sei. Allerdings könne auch er sich eine zeitlich begrenztes Tempolimit von zehn km/h für Autos rund um die Schulen vorstellen. Fahrradstraßen, die auch für Pkws frei gegeben sind, würden seine Fahrschüler dagegen eher verwirren. „Was soll denn der Schmarrn?“, sei oftmals deren Reaktion.

„Jetzt kommen Sie mit zwei Experten, die den Beschluss kippen sollen“, erzürnte sich darüber Stadtrat Metzger und verwies erneut auf den Beschluss vom vergangenen Mai. Dem widersprach Iacob: „Wir haben definitiv keinen Beschluss, dass wir eine Fahrradstraße in der Bürgermeister-Wallner-Straße haben wollen!“, betonte der Rathauschef.

Verwaltung soll prüfen

 Stadtrat Metzger wies in diesem Zusammenhang außerdem darauf hin, dass die Radwegregelungen in Füssen ohnehin unrechtmäßig seien. „Das, was wir in Füssen haben, ist überhaupt nicht zulässig“, erklärte er. Enge Radwege und diese auch noch zum Teil gegenläufig zum Verkehr seien nicht mehr zeitgemäß. „Nur in Füssen ist das noch nicht angekommen. Ich stoße seit Jahren in der Verwaltung auf taube Ohren.“ Er beantragte, dass die Veraltung die Rechtmäßigkeit der Verkehrsregelung in Füssen überprüft. Ebenfalls einstimmig stimmten die Ausschussmitglieder dem zu.

Matthias Matz

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