Hotel Sonne: Räte segnen grundsätzlich Erweiterungspläne ab

Probleme mit "Pseudoarkaden"

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Das Hotel Sonne.

Füssen – Die Erweiterungspläne des Hotels Sonne hat Bauamtsleiter Armin Angeringer jetzt im Bauausschuss vorgestellt. Die Hotelinhaber möchten die angrenzende Passage überbauen – verstoßen damit aber gegen den Bebauungsplan.

Wenn die Räte eine Befreiung genehmigen, anstatt einen ganz neuen Bebauungsplan zu fordern, könnte das einen Präzedenzfall schaffen, warnte Angeringer. Doch das sahen die Räte entspannt. An der Fassade schieden sich dagegen die Geister. Befreiung oder neuer Bebauungsplan erstellen?

Selbst im Landratsamt sei man da unterschiedlicher Auffassung, erklärte Angeringer. „Die Baujuristin könne sich eine Abwicklung über eine Befreiung vorstellen, wenn der Bauausschuss es auch so sieht.“ Damals bei der Erstellung des Plans wollte die Stadt diese „öffentliche Zuwegungen“. Für den Bauherr sei eine Befreiung allerdings die „effektivere und schnellere Lösung“, so Angeringer. Dieser erklärte in einer Stellungnahme, dass dieser Flächenzuwachs für die Entwicklung des Hotels „unabdingbar“ sei. Zudem würde die Befreiung nicht die städtebauliche Entwicklung der Stadt verletzen.

Auch die Stadträte hängen wohl nicht an den Passagen. So war Dr. Christoph Böhm (CSU) damit einverstanden, diesen „wenig genutzten Weg dem Hotel zu überlassen.“ Nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere“ forderte er jedoch, dass die Stadt dafür ein „eingetragenes Gehrecht“ für den Fußgängerweg unter den „Arkaden“ des Neubaus am Prinzregentenplatz bekommt.

Nur, richtige Arkaden sollen dort gar nicht entstehen. Stattdessen soll der erste Stock freischwebend über dem Gehweg liegen. Und hier schieden sich die Geister: Während Brigitte Riedlbauer (SPD) die Gestaltung „sehr gelungen“ fand und mit Blick auf die Barrierefreiheit begrüßte, hatten Magnus Peresson (UBL), Dr. Martin Metzger (BfF) und Bernhard Eggensberger (Füssen-Land) ihre Probleme damit. Sie sahen das ähnlich wie Angeringer.

Dieser hatte erklärt: „Auf die Abstützung von der Außenansicht kann eigentlich nicht verzichtet werden.“ Das sollte „altstadtgerecht“ gestaltet werden, möglicherweise mit einem Kompromiss. Auch die Fenster im zweiten Obergeschoss des Verbindungsbaus seien zu groß und müssten angepasst werden. „Ich habe mit diesen Pseudoarkaden auch Probleme“, erklärte Metzger. Doch falls diese kommen, wollte er wissen, ob dann noch genug Platz für einen Gehweg sei. Der würde zwischen Gebäude und Arkaden 1,23 Meter und vor den Arkaden 2,17 Meter breit sein, so Angeringer. Eggensberger meinte, dass man auf die Stützpfeiler achten sollte. „Das hat keine Symmetrie. Ich find`s etwas ungelungen.“

Zudem sprach er sich für Sprossenfenster aus. Nachdem der Ausschuss zuvor auf Antrag von Peresson einstimmig beschlossen hatte, dass bei Bauanträgen im Ensemble vor der Beratung eine Stellungnahme vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD) vorliegen sollte, erklärte Peresson: „Wenn sie nicht vorliegt, werde ich nicht zustimmen.“ Die Pläne seien dem Ensemble „einfach nicht angepasst.“ Da es sich da um einen „prominenten Platz“ handle, müsse die Stadt „alles tun, dass sich auch kritische Bürger darüber freuen können.“ Ein weiteres Problem liegt im Untergrund. Das Hotel möchte eine Tiefgarage bauen. Doch dort liegen die Überreste eines historischen Rundturms. „Die Rundturmfragmente müssen erhalten bleiben“, so Angeringer.

Der Bauwerber argumentiert zwar, dass in der Hinteren Gasse ähnliche Überreste einfach entfernt werden durften. Doch „aus heutiger Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar“, sagte der Bauamtsleiter. Die Turmfragmente seien „eine Rarität, die sich keine andere Stadt entgehen lassen würde“, meinte auch Peresson. Grundsätzlich wolle der Ausschuss dem Bauwerber zwar helfen. Doch: „Das ist kein Kompromiss.“ Er könne sich dagegen einen Deal vorstellen, nachdem die Stadt auf drei Stellplätze verzichtet, wenn der Bauwerber die Turmfragmente erhält. Kritisch sah Peresson die Erschließung für die Busse.

Das Hotel hat zwar einen Busstellplatz eingezeichnet. Doch wenn dort tatsächlich ein Bus steht, dann können vier oberirdische Autostellplätze nicht mehr genutzt werden. „Das ist Augenwischerei.“ Am Ende segnete der Ausschuss grundsätzlich den Antrag ab. Allerdings soll die Verwaltung mit dem Bauherren wegen den Stellplätzen reden und eine Grunddienstbarkeit eines Gehrechts für die öffentliche Nutzung fordern. Das LfD soll die Fassadengestaltung und die Turmfragmenten beurteilen. Gegen diesen Antrag stimmten Peresson, Böhm und Metzger.

Katharina Knoll

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