Neues Gebäude der Firma Wirthensohn sorgt für Verdruss im Zweckverband

Ein "sensibler Punkt"

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Dieser Scheingabionenzaun direkt am Eingang des Gewerbeparks kritisieren die Mitglieder des Zweckverbands Allgäuer Land.

Füssen – Nicht so gebaut wie eigentlich beantragt hat die Firma Hugo Wirthensohn GmbH ihr Gebäude im Gewerbepark Allgäuer Land.

Wegen des Eröffnungstermins sei die Firma in Zeitdruck geraten und hätte deshalb unter anderem die Außenfläche komplett asphaltiert, informierte Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer jetzt die Mitglieder des Zweckverbands Allgäuer Land. Diese Änderungen möchte die Firma nun nachträglich genehmigen lassen.

Doch vielen gefiel das neue Erscheinungsbild nicht. Vor allem der zu hohe Zaun, auf dem die Firma auch noch ihr Logo präsentieren möchte, stieß auf Kritik. Ein Zwischengeschoss, wo eigentlich keins sein sollte, ein Treppenhaus, das über das Dach hinausgeht und ein Zaun, der die 1,80 Meter übersteigt: Das Gebäude der Hugo Wirthensohn GmbH präsentiert sich anders, als im Bauantrag genehmigt. Um Lösungen dafür zu finden, hatte sich Angeringer nach eigener Auskunft mit dem Geschäftsführer zusammengesetzt.

Das Ergebnis: Der Bauherr habe die Nutzung für das Zwischengeschoss angegeben und könne die nötigen Stellplätze dafür nachweisen, so Angeringer. Als „nicht dramatisch“, sah der Bauamtsleiter zudem das Treppenhaus an, das über die Dachhöhe hinaus gehe. Dagegen habe der Bauherr zugestimmt vor dem Gebäude für einen „wasserdurchlässigen“ Bodenbelag zu sorgen, wie es im Bebauungsplan festgelegt wurde.

Der Zaun, der höher ist als im Bebauungsplan festgelegt, soll Container abschirmen, damit sie nicht mehr von der Straße zu sehen sind, informierte Angeringer. Eine Folie spiegele vor, dass es sich dabei um eine sogenannte Gabionenwand handle. „Optisch sieht es absolut vertretbar aus“, meinte Angeringer. Der Bauherr möchte darauf jetzt sein Logo integrieren, was sich die Verwaltung auch vorstellen könnte, so der Bauamtsleiter.

Ein sensibler Punkt

Doch davor warnte eindringlich Stadtplaner Prof. Dr. Dr. Lothar Zettler.

Der Zaun sei zu lang. „Das haben sie nicht mehr im Griff. Sie wissen nicht, was entsteht“, so Zettler. Es gebe Negativbeispiele, da hätten solche Entscheidungen, „ganze Gewerbeparks vom Erscheinungsbild kaputt gemacht“, weil eine Werbeanlage auf die andere folgte. Die Einfahrt zum Gewerbegebiet sei ein „sensibler Punkt“, mit dem man vorsichtig umgehen müsse, appellierte Zettler.

Auch Pfrontens Bürgermeisterin Michaela Waldmann war alles andere als begeistert von dieser Idee. „Ich habe das bisher für einen Bauzaun gehalten und mich gefreut, dass er bald wegkommt“, so Waldmann. „Das mit dem Logo kann ich mir so nicht vorstellen. Ich habe ganz wenig Verständnis für den Zaun und die Container an der Stelle. Das widerspricht der Wertigkeit des Grundstücks und der Gestaltung der Fassade.“

Warum der Bauherr überhaupt Container brauche, erkundigte sich Franz Erl, Bürgermeister von Rückholz. Seines Wissens nach wollte man hier nur einen Ausstellungsraum bauen. „Es war schon immer eine Werkstatt geplant“, informierte Füssens Bürgermeister Paul Iacob. „Das war ein Teil der Voraussetzung für den Bebauungsplan.“

Zudem war der Zweckverband damals von der Architektur begeistert. „Jetzt verbaue ich diese Ansicht. Das wird man nicht akzeptieren können“, so Iacob. „Man will Arbeitsplätze schaffen“, bestätigte Max Streif, Bürgermeister der Gemeinde Rieden.

Allerdings könne er sich nicht vorstellen, dass die Firma Aluminiumteile zur Bearbeitung von Dietmannsried, dem Hauptsitz der Firma, nach Füssen transportiere und dann wieder ins Oberallgäu zurückbringe. „Das widerspricht jedem wirtschaftlichen Verständnis. Das kann mir keiner erzählen.“

Zudem ärgerte er sich, dass die Firma erst jetzt, wo bereits alles gebaut wurde, die Änderungen beantrage. Man hätte „genügend Zeit gehabt, Bescheid zu sagen“, kritisierte Streif. Deshalb werde er gegen den Antrag stimmen, kündigte er an.

Container verlagern

Um doch noch eine Lösung zu finden, schlug Iacob vor, das Gespräch mit dem Bauherren zu suchen.

Dabei soll vorgeschlagen werden die Container auf die Nordseite zu verlagern, damit sie weg von der Straße sind. Falls das nicht möglich sei, wäre eine verdichtete Bepflanzung oder der Scheingabionenzaun bei den Containern sinnvoll. „Beim Rest höre ich heraus, dass wir einen Gabionenzaun nicht wollen“, so Iacob. Einen anderen Ton wollte Erl anschlagen.

Es könne nicht sein, dass der Zweckverband als Bittsteller daher komme. Der Bauherr „muss sich an den Bebauungsplan halten“, meinte er. Iacob erklärte aber, dass im Bebauungsplan Scheingabionen nicht verboten seinen. Zudem werde das Gremium erst in der kommenden Sitzung eine Entscheidung fällen. kk

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