Austausch im Rathaus

Zu viel "Papierkram"

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Sie leisten Koordinierungsarbeit: Christina Panje (links) vom Landratsamt und Ingrid Stubbe vom Arbeitskreis Asyl.

Füssen – Die dezentrale Unterbringung von Zuwanderern in Füssen hat sich bewährt. Zu diesem Ergebnis kam am Freitag im Rathaus eine Runde zum Thema „Ayl und Ehrenamt“, zu der Bürgermeister Paul Iacob (SPD) eingeladen hatte.

Iacob unterstrich dabei, „dass wir Flüchtlinge auch weiterhin willkommen heißen. Wir setzten uns engagiert dafür ein, dass keine Stimmung gegen Asylbewerber entsteht.“ 350 Asylbewerber waren vor drei Jahren in Füssen untergebracht worden. Nach den offiziellen Angaben handelt es sich nun um 230 Personen.

Diese wohnen in mehreren Unterkünften im Stadtgebiet. Die dezentrale Unterbringung bewähre sich, weiß der Rathauschef gemeinsam mit dem Landratsamt und dem Arbeitskreis Asyl. Die größte Veränderung diesbezüglich in der Stadt Füssen ist, dass nach Auslaufen des Mietvertrags die Unterkunft Tirolerstraße komplett aufgelöst wurde.

Der Umzug der über ein Dutzend Bewohner erfolgte nach Rieden a.F. in einen Neubau, wie Ralf Kinkel aus dem Landratsamt in seiner Beschreibung des Status quo erklärt hatte (der Kreisbote berichtete). Mit am Tisch saßen auch Sprecher des Füssener Arbeitskreises Asyl.

Ebenfalls dabei in der kleinen Runde: Markus Gmeiner aus der Stadtverwaltung, Christina Panje von der neu eingerichteten Stelle Ehrenamtskoordination am Landratsamt sowie Stadtrat Lothar Schaffrath. Der SPD-Stadtrat ist Vorsitzender des Beirats für Migration. Wie Iacob zuvor betonte Schaffrath: „Wir müssen den Ehrenamtlichen dankbar sein für ihren wahnsinnig großen und vorbildlichen Einsatz, den sie von Anfang an leisteten.“

Als vor drei Jahren die ersten Zuwanderer in dezentralen Unterkünften ein Dach überm Kopf erhielten, organisierten Privatpersonen zunächst Deutschkurse, um ihnen die Integration zu erleichtern. Die Sprachkurse wurden ergänzt durch Angebote, sich persönlich zu begegnen. Dem Arbeitskreis Asyl, der kein Verein ist, gehören heute nach eigenen Angaben in Füssen rund 30 Aktive an. Sie erleben eine deutliche Veränderung der Aufgaben, die sie im Rahmen von praktischer Integrationsarbeit freiwillig leisten „und dabei an ihre Grenzen geraten“, wie aus ihrem Kreis zu hören war.

Wie Sprecherin Ingrid Stubbe sagte, gibt es inzwischen professionelle Sprachkurse, zum Beispiel bei der Volkshochschule. Sie stelle zudem fest, dass „viele Personen, die wir von Anfang an betreut hatten, Arbeit haben.“ Es handle sich meist um Jobs über den Sommer.

Arbeit mit Behörden 

„Unsere ehrenamtliche Arbeit, die 2014 mit dem Ziel Integration begann und dabei ihren Schwerpunkt auf die Deutschkurse für die Flüchtlinge und Asylbewerber gelegt hatte, muss sich derzeit leider ganz stark auf den Umgang mit Behörden konzentrieren“, betonte Stubbe. „Die amtlichen Briefe, die an Menschen in den Unterkünften geschickt werden, sind in der Regel für diese trotz besserer Kenntnisse in Deutsch nicht verständlich.“

Die Beschreibung der schwierigen Kontakte mit den Behörden konnten der evangelische Pfarrer Andreas Huber und der katholische Diakon Christoph Schwarzer bestätigen.

Neue Ansprechpartner

Der zunehmende Papierkram nehme reichlich Zeit in Anspruch und müsse prompt erledigt werden, „weil die Fristen zu beachten sind“, sagte Schwarzer. Huber ergänzte: „Unsere Beziehungsarbeit, die für die Integration notwendig ist, leidet unter diesem Papierkram.“

 Erfreulicherweise, so Stubbe, „arbeiten mittlerweile fast alle, die schon länger in Füssen untergebracht sind. Weil viele Arbeitsverträge befristet sind und daher auslaufen, erhalten viele Flüchtlinge Post, die sie nicht verstehen. Sie kommt zum Beispiel von der Arge und der Krankenkasse.“

Wünschenswert wäre daher ein Büro, das mit einer Person besetzt sein könnte, die sich für den Bundesfreiwilligendienst (Bufti) entschieden habe und „uns solche Arbeit abnimmt“, sagte Stubbe. Wenn es gelinge, die Fragen, die sich aus den Briefen ergeben, zu kanalisieren, sei „wieder Zeit und Energie für die eigentliche Integrationsarbeit gewonnen“.

 Als erste Ansprechpartnerinnen könnten Christine Panje und Isabel Costian dienen. Beide sind auf einer im vergangenen Jahr eingerichteten Stelle tätig: als Ehrenamtskoordinatorinnen Asyl, die am Landratsamt Ostallgäu Einzelpersonen und Institutionen beraten, die sich für Zuanderer und Asylbewerber engagieren – „oder dies möchten“, so Panje in der Füssener Runde. Panje weiter: „Wir koordinieren Anfragen und Hilfsangebote und sorgt umgehend dafür, dass die Beteiligten die nötigen Infos bekommen.“

Außerdem nehmen Panje oder ihre Kollegin als Vertreterin des Landkreises an regionalen Gremien zur ehrenamtlichen Arbeit im Bereich Asyl teil.

Chris Friedrich

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