Ausschuss überstimmt Verwaltung und gibt grünes Licht für Anbau

"Hirsch" darf erweitern

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Das Hotel „Hirsch“ am Kaiser-Maximilian-Platz gehört zu den Top-Adressen in Füssen und soll das auch bleiben. Deswegen will das Hotel um 42 Betten erweitern.

Füssen – „Das ist hervorragend gemacht und ergibt ein schlüssiges Bild!“ Obwohl Bürgermeister Paul Iacob (SPD) die Pläne euphorisch lobte, mussten die Befürworter einer Erweiterung des Hotels „Hirsch“ am Dienstagabend im Bauausschuss um ihr Ziel kämpfen.

Weil unter anderem nicht alle notwendigen Unterlagen vorlagen, empfahl das Bauamt eine Ablehnung des Bauantrags. Der Ausschuss stimmte jedoch einstimmig gegen die Verwaltung und für das Erteilen des kommunalen Einvernehmens – sofern strittige Punkte noch geklärt werden.

Das Hotel „Hirsch“ am Kaiser-Max-Platz gehört sicherlich zu einer der angesagtesten Adressen in Füssen. Vor allem, seit das Hotel 2002 umfangreich saniert, renoviert und ausgebaut sowie um einen Liftturm erweitert wurde. Nun wollen die Geschäftsführer Christine Bletschacher sowie Eva und Harald Schwecke den nächsten Schritt vollziehen.

42 zusätzliche Betten

Demnach ist im östlichen Bereich des Grundstücks ein L-förmiger Anbau mit drei Geschossen plus Mansardengeschoss vorgesehen. So soll Raum für 42 zusätzliche Zimmer entstehen. Damit würde sich die Zahl der Zimmer insgesamt verdoppeln. In einer Tiefgarage sollen die notwendigen Stellplätze nachgewiesen werden. Die Fassadengestaltung wurde in enger Absprache mit dem Landratsamt und dem städtischen Bauamt entworfen. Verantwortlich für die Planungen ist Architekt und Stadtrat Magnus Peresson (UBL).

Lob von Iacob

Bürgermeister Iacob zeigte sich am Dienstagabend angetan von den Plänen. „In seinem Stil ist das Hotel sehr individuell und qualitätsvoll“, sagte er. „Das ist hervorragend gemacht und ergibt ein schlüssiges Bild.“ Auch in der Stellungnahme von Füssenes Bauamtsleiter Armin Angeringer ist von einer „herausragenden Bedeutung für das Stadtbild“ die Rede. Füssen Tourismus- und Marketing (FTM) habe der Erweiterung ebenfalls bereits zugestimmt.

Dennoch schlug die Bauverwaltung, in der Sitzung vertreten durch Andreas Linder, eine Ablehnung des Bauantrags vor und empfahl die Aufstellung eines Bebauungsplans. Gleichzeitig solle mit einer Veränderungssperre der derzeitige Status Quo gesichert werden. Denn aus Sicht der Bauamts-Spitze hat Peresson planerisch noch nicht ausreichend dargelegt, wie er insbesondere das Problem der Stellplätze und der Busparkplätze lösen will. Denn ob eine zweistöckige Tiefgarage oder eine einstöckige – die dafür in der Fläche größer wird – gebaut werden soll, ließ der Architekt zunächst offen.

Sorgen wegen Kanal

Vor allem aber wird im Bauamt kritisch gesehen, dass die Tiefgarage über einen „nicht dinglich gesicherten“ Kanal gebaut werden soll. „Nicht dinglich gesichert“ heißt, dass es zwischen Stadt und Hotel keine Vereinbarung über den Kanal gibt. Dieser soll um die 110 Jahre alt, begehbar und acht Meter unter der Erde verbaut sein. Vor allem ist er wahrscheinlich aber statisch überhaupt nicht in der Lage, eine Tiefgarage oder den Anbau mitzutragen.

Das Gremium sprach sich dennoch gegen die Aufstellung eines Bebauungsplans aus. „Das Stadtbild wird dadurch nicht wesentlich verändert“, argumentierte Dr. Anni Derday von den Freien Wählern. CSU-Stadträtin Uschi Lax erklärte, dass der „ungesicherte“ Kanal kein Hinderungsgrund sein dürfe. „Das kann nicht zum Nachteil des Bauwerbers sein“, sagte sie. „Da muss man andere Möglichkeiten finden.“

Wer übernimmt die Kanal-Kosten?

Bernhard Eggensberger (Füssen-Land) vertrat die Ansicht, dass bei einem nicht gesicherten Kanal die Stadt zahlen müsse, nicht der Bauwerber. Bei einem eingetragenen Kanal wiederum müsse dieser zahlen. Martin Metzger (BFF) empfand dagegen eine Ungleichbehandlung: „Das ist eine ganz andere Behandlung als neulich bei einem anderen Hotel – und das mache ich nicht mit“, sagte er. Schließlich seien sich alle Beteiligten einig gewesen, dass Füssen eine „Weiterentwicklung unserer Qualitätshotels“ brauche.

Magnus Peresson, der erst auf Antrag und nach Zustimmung durch den Ausschuss sprechen durfte, erklärte, dass das Hotel alle Stellplätze auf eigenem Grund nachweisen könne. Zumindest im Falle einer Tiefgarage. Es liege bei der Stadt, Ersatz für den Platz zu schaffen, der durch den Kanal wegfalle. „Das zu regeln, ist jetzt Sache der Anwälte“, sagte er. Besser wäre aber, man würde sich „wie Gentlemen einigen“. Letztlich stimmte das Gremium der Erteilung des kommunalen Einvernehmens zu. Allerdings unter der Auflage, dass die Fragen der Stellplätze und des Kanals noch geklärt werden.

Matthias Matz

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