"Emotionen beiseite lassen"

Über 100 Reuttener Bürger waren am vergangenen Mittwochabend in den Saal der Landesmusikschule Reutte gekommen, um der ersten Sitzung des neuen Gemeinderates unter dem Vorsitz von Bürgermeister Luis Oberer (Team Leben) beizuwohnen. Mit großer Mehrheit wählten die frisch angelobten Räte Dietmar Koler zum 1. Bürgermeisterstellvertreter und bestätigten seine Listenkollegin Elisabeth Schuster in ihrem Amt als 2. Stellvertreterin. Harmonie und Aufbruchstimmung beherrschten die Atmosphäre dieser konstituierenden Gemeinderatssitzung.

Eigentlich hätten sie die Ausschüsse auch noch bestimmen können, meinte Oberer im Lauf der Sitzung, so schnell und problemlos arbeitete der Gemeinderat die Tagsordnung ab. In seiner Eröffnungsrede forderte Bürgermeister Luis Oberer, nach dem langen Wahlkampf die Emotionen nun beiseite zu lassen. „Wir müssen zusammen finden“, erklärte er und riet dazu, Fehler der Vergangenheit nicht nocheinmal zu machen. Als wichtige Sachthemen stellte er das Ehrenberg-Bad, das auf 161 Betonpfählen errichtet ein regelrechtes Kunstwerk sei, die Belebung der Innenstadt und ein Verkehrskonzept hervor. Gerüchten, er strebe eine Position in der Tiroler SPÖ – der er angehört, für die er jedoch nicht angetreten war – an, erteilte er eine deutliche Absage. Er wiederholte stattdessen seine Forderung, parteipolitisches Kalkül beiseite zu lassen. Oberer verlieh zudem seiner Hochachtung vor Dietmar Koler Ausdruck. Der Spitzendkandidat von „Gemeinsam für Reutte“ und VP-Mann hatte die Wahl um das Bürgermeisteramt nur um 19 Stimmen an Oberer verloren. Bei der geheimen Wahl um das Amt des 1. Bürgermeister-Stellvertreters schenkten ihm dann auch 13 der 17 Räte das Vertrauen, Elisabeth Schuster erhielt die verbliebenen vier Stimmen. Auch Grüne mit im Boot Den Willen zur guten Zusammenarbeit bekundete Koler mit der Zustimmung, drei weitere Ortsvorsteher zu wählen und so die Zahl der Gemeindevrostände auf sechs zu erhöhren. Bei einem Vorstand von fünf wäre das Verhältnis für Kolers Fraktion nämlich günstiger ausgefallen, „wir werden nicht auf einen Fübefer-Vorstand bestehen“, gab er an. Neben dem Bürgermeister und seinen Stellvertretern leiten nun der ehemalige zweite Bürgermeister Ernst Hornstein (GfR), Günther Fasser (SPÖ) und Mag. Wolfgang Geiger (Team Leben) die Geschicke Reuttes. Nur die Grünen, die nur mit zwei Sitzen im Gremium vertreten sind, konnten keinen Posten erhaschen, sie sollen jedoch zu den Ausschüssen in beratender Funktion zugelassen werden, obwohl sie für eine stimmberechtigte Mitgliedschaft nicht zahlreich genug sind. „Wir können auf keine Persoanlressource verzichten“, erklärte Oberer, Grünen-Rätin Dablander bedankte sich für das Entgegenkommen. Keine Dreiviertelstunde hatte es gedauert, da waren die Posten verteilt. Anschließend gab es ein Ständchen der Blaskapelle für das Bürgermeister-Trio.

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